Lockdown in Südafrika: Ann Thenhausen bringt ihre Mutter (91) nach Spenge Mit dem Rückholflug nach Hause

Spenge (WB). Sie ist Mitte März nach Südafrika geflogen, um ihrer dort lebenden 91-jährigen Mutter beim Verkauf des Hauses zu helfen. Gemeinsam wollten die Spengerin Ann Thenhausen und Mona Ward danach nach Deutschland reisen. Doch das Coronavirus führte auch in der Republik Südafrika zum Lockdown – inklusive der Still­legung des Flugverkehrs. Mit einem knapp elfstündigen Rückholflug des Auswärtigen Amtes soll es an diesem Mittwoch von Johannesburg nach Frankfurt zurückgehen. Doch noch haben die beiden erst ein Ticket.

Von Kathrin Weege
Die Spengerin Ann Thenhausen und ihre Mutter Mona Ward sollen mit einem Rückholflug des Auswärtigen Amtes an diesem Mittwoch zurück nach Deutschland reisen können. Das Foto stammt von Ann Thenhausens Septemberbesuch in Südafrika. Nach dem Lockdown ist jetzt auch in Pretoria das öffentliche Leben komplett zum Erliegen gekommen.
Die Spengerin Ann Thenhausen und ihre Mutter Mona Ward sollen mit einem Rückholflug des Auswärtigen Amtes an diesem Mittwoch zurück nach Deutschland reisen können. Das Foto stammt von Ann Thenhausens Septemberbesuch in Südafrika. Nach dem Lockdown ist jetzt auch in Pretoria das öffentliche Leben komplett zum Erliegen gekommen.

Aber von vorne. Nachdem Ann Thenhausens Vater gestorben war, hat ihre Mutter ihr Haus in Pretoria, der Hauptstadt der Exekutive der Republik Südafrika, verkauft. „Es war soweit alles geregelt, nur noch ein paar Dinge mussten erledigt werden. Um meine Mutter dabei zu unterstützen und um sie anschließend mit zu uns nach Hause zu nehmen, bin ich im März losgeflogen“, erzählt Thenhausen. Mit der Einreise wurde es schon knapp. „Ich wollte am 18. März starten, da wäre ich schon gar nicht mehr weggekommen. Ich bin dann spontan zwei Tage eher geflogen. Gerade wegen Corona war es mir wichtig, mich um meine Mutter zu kümmern“, sagt Thenhausen.

Polizei und Militär kontrollieren

Die erste Woche blieb Thenhausen in Pretoria nur im Haus. Zur Sicherheit. Doch dann kam der Lockdown. „Da konnten wir in Sachen Hausverkauf nicht mehr viel regeln und auch sonst nichts mehr machen. Bei tollstem Wetter sitzen wir quasi vor allem im Garten“, berichtet Thenhausen, die zu gerne ihre Freunde in dieser Zeit getroffen hätte.

Wie in Deutschland seien beim Lockdown nur Lebensmittelmärkte, Apotheken und Arztpraxen in Südafrika geöffnet. „Man darf aber nur bei sich in der Gegend einkaufen, und sonst auch nicht auf die Straßen – nicht mal Gassigehen mit dem Hund“, berichtet Thenhausen. Die Polizei werde vom Militär bei den Kontrollen unterstützt. Beide seien überall präsent. Sie habe gehört, dass es schon etliche Verstöße gegeben habe. 2500 Menschen sollen deswegen ins Gefängnis gekommen sein. „Obwohl der Lockdown schon vor elf Tagen losging, hat es sicher eine ganze Woche gedauert, bis überhaupt alle Menschen verstanden haben, worum es bei Corona eigentlich wirklich geht“, meint die Spengerin. Ganze Hüttensiedlungen ohne fließendes Wasser und Elektrizität konnten nicht entsprechend über die Medien informiert werden. „Da hat es gedauert“, sagt die 57-Jährige und sorgt sich um die Bevölkerung. „Hier gibt es viele HIV-Positive und Tuberkulose-Patienten – absolute Risikogruppen.“

Registrierung für Rückholflüge

Vergangene Woche meldete sich das Reisebüro bei Ann Thenhausen. Sie solle sich über die Internetseite des Auswärtigen Amtes für einen der Rückholflüge registrieren. „Das haben wir dann gemacht. Wir stehen in engem Kontakt mit der Botschaft. Dort setzt man sich ganz toll für die Rückholung ein. Bisher habe ich erst das Flugticket für meine Mutter“, sagt Thenhausen. Sie werde aber täglich über den Stand der Dinge informiert und habe bereits die Zusage, dass auch sie selber an diesem Mittwoch fliegen könne.

Tochter beim Abi unterstützen

„Wir haben lange überlegt, ob es wegen des Coronavirus sicherer ist, in Südafrika zu bleiben oder heimzufliegen“, sagt Thenhausen. Aktuell macht ihre Tochter Tessa Abi am Widukind-Gymnasium. „Mir ist es wichtig, ihr in dieser Zeit zur Seite zu stehen. Ich habe mich mit meinem Mann Frank noch einmal beraten und wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir heimfliegen“, so Thenhausen. Außerdem wisse man nicht, wann es überhaupt wieder die Möglichkeit gibt, aus Südafrika abzureisen. Wenn sie an diesem Mittwoch wirklich im Flieger gen Heimat sitzt, dann wird ihr wohl ein Stein vom Herzen fallen. Selbst wenn dann 14 Tage „Zwangsaufenthalt zu Hause“ folgen sollten.

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