Fahrer dürfen nur bis 3,5 Tonnen steuern: Spenger setzen sich für Ausnahmeregelung ein Bürgerbusse zu schwer: Service in Gefahr?

Spenge (WB). Seit 20 Jahren rollt der Bürgerbus in Spenge, hat inzwischen mehr als 175.000 Fahrgäste aus den abgelegenen Ortsteilen in die Innenstadt gebracht. Doch dieser Service gerät in Gefahr. Das Problem: Die Fahrer dürfen nur Busse mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen steuern. Die neuen Fahrzeuge aber sind schwerer geworden. So hatten die Spenger bereits Schwierigkeiten, einen neuen Bus zu bekommen.

Von Kathrin Weege
Setzen sich seit 20 Jahren für den Spenger Bürgerbus ein: Ilse und Hans-Egon Kirchhof.
Setzen sich seit 20 Jahren für den Spenger Bürgerbus ein: Ilse und Hans-Egon Kirchhof. Foto: Kathrin Weege

„Als wir ein Ersatzfahrzeug für unseren alten Bus brauchten, sind wir an einen der wenigen Hersteller für Bürgerbusse herangetreten und haben um ein Angebot gebeten. Doch dieser hat den Auftrag abgelehnt, weil das Fahrzeug nach all den Vorgaben, die wir erfüllen müssen und wollen, die 3,5-Tonnen-Grenze gerissen hätte“, meint Ilse Kirchhof, seit 20 Jahren Vorsitzende des Bürgerbusvereins in Spenge.

Besondere Verordnung?

„Da waren wir erst einmal sprachlos“, sagt ihr Mann Hans-Egon Kirchhof, der selber seit Jahren hinter dem Steuer des Spenger Bürgerbusses sitzt.

„Durch technische Weiterentwicklungen, die Abgasreinigung, die Ausstattung, die Anforderungen für E-Mobilität oder die Vorgaben, beispielsweise für die Barrierefreiheit, werden die Bürgerbusse immer schwerer“, weiß Franz Heckens, Vorsitzender des Dachverbands Pro Bürgerbus NRW. Aus diesem Grund gerieten die Fahrzeuge schon seit einigen Jahren immer weiter gefährlich nah an das zulässige Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen.

„Wir haben Petitionen bei Bund und Land eingereicht. Es kann doch nicht sein, dass dieser für den ländlichen Bereich so wichtige Service in Gefahr gerät“, meint Ilse Kirchhof. Sie setzt sich dafür ein, dass ähnlich wie bei Feuerwehr und THW das Gewicht des Fahrzeugs, das ein ehrenamtlicher Bürgerbusfahrer steuern darf, hochgesetzt wird. Eine besondere Verordnung erlaubt es Einsatzkräften, Fahrzeuge bis zu 4,75 Tonnen zu steuern.

Doch diese Genehmigung ebenfalls zu bekommen, ist wesentlich schwieriger als gedacht. Denn zunächst müsste EU-Recht geändert werden, ehe Bund und Länder tätig werden könnten.

Bei einem Ortstermin, bei dem auch Vertreter des Kalletaler Bürgerbusvereins anwesend waren, haben SPD-Bundestagsabgeordneter Stefan Schwartze und SPD-Landtagsabgeordneter Jürgen Berghahn ihre Unterstützung zugesagt.

Inzwischen haben die Spenger zwar einen neuen Bürgerbus, der seit knapp zwei Wochen auf den Strecken Spenge-ZOB/Wallenbrück und Spenge-ZOB/Bardüttingdorf unterwegs ist, doch das war nur mit einer Ausnahmeregelung möglich. „Ab 2022 müssen alle Bürgerbusse barrierefrei sein. Vorhandene haben aber über dieses Datum hinaus noch Bestandsschutz“, erklären die Kirchhofs.

Neuer Bus ist nicht barrierefrei

Der neue Bus mit seinen acht Plätzen überschreitet zwar das zulässige Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen nicht, ist allerdings kein barrierefreier Niederflurbus. „Nur durch Zustimmung des zuständigen Behindertenbeauftragten konnten wir beim Kauf trotzdem die benötigte Förderung des Landes bekommen”, sagt Ilse Kirchhof – allerdings auf Kosten der Barrierefreiheit. „Das kann auf Dauer natürlich nicht das Ziel sein“, ist sich das Ehepaar einig. Der Betrieb, der den Umbau des Busses anbietet, hatte auch das Angebot unterbreitet, einen Sitz wegzulassen, um Gewicht zu sparen. „Das macht für uns aber wenig Sinn“, so die Kirchhofs.

Jährlich befördert der Spenger Bürgerbus etwa 10.000 Fahrgäste. „Da sind alle Altersgruppen vertreten. Auch Schüler lassen sich mit dem Bus fahren. Hier ist ihnen ein Sitzplatz sicher“, sagt Hans-Egon Kirchhof. Die Busse sind im Stundentakt unterwegs, der erste startet um 8.25 Uhr am ZOB in Spenge, der letzte um 18.25 Uhr. Mittags ist eine kurze Pause. Bedient werden zwei Linien: 666 nach Wallenbrück und 667 nach Bardüttingdorf.

„Bislang hatten wir immer genug Fahrer. Aktuell sind es 25. Es wird ein Dienstplan erstellt, wer wann dran ist. Und das läuft“, sagt Ilse Kirchhof.

Aktuell wird auch in Verl überlegt, einen Bürgerbus einzuführen.

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