UWG-Bürgermeisterkandidat möchte geloste Bürgerräte einführen
Kinnius setzt auf Sach- statt Parteipolitik

Spenge (WB). Ralf Kinnius ist als Sohn einer alteingesessenen Spenger Familie, langjähriger Kommunalpolitiker und ehemaliger Presbyter bestens vernetzt. Nun will der Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Bürgermeister werden. „Als Kaufmann könnte ich sicher neue Impulse in die Verwaltungsarbeit bringen“, sagt er.

Donnerstag, 06.02.2020, 08:02 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 08:50 Uhr
Ralf Kinnius ist nicht nur bekennender Arminia-Fan und regelmäßiger Gast bei den Handballern des TuS Spenge. Er hat auch eine Vorliebe für die Nordseeinsel Borkum, wie seine Tasse zeigt. Der Familienvater und Kaufmann möchte Bürgermeister werden. Foto: Ruth Matthes

Der 49-Jährige wäre nicht der erste UWG-Vertreter im Bürgermeisteramt. „In einigen Ortsteilen gibt es die UWG bereits seit 1960. Mit Karl Obermann aus Bardüttingdorf war von 1969 bis 1984 ein UWG-Mann Spenges Bürgermeister“, sagt Kinnius.

Fraktionsvorsitz seit 2017

Der Kandidat legte sein Abitur am Gymnasium in Enger ab, absolvierte bei Miele eine Ausbildung zum Industriekaufmann, war danach viel im Außendienst unterwegs und ist derzeit als Kaufmann in leitender Position tätig. Zwischenzeitlich führte er das Elektrogeschäft seiner Eltern an der Langen Straße, das im Jahr 2004 geschlossen wurde.

In die Kommunalpolitik stieg der Vater einer Tochter (17) und eines Sohnes (18) 1999 ein. „Ich kandidierte gleich bei den Kommunalwahlen und saß danach als sachkundiger Bürger in diversen Ausschüssen“, erinnert er sich. 2016 trat er die Nachfolge von Brigitte Kötter als Ratsmitglied an. 2017 übernahm er den Fraktionsvorsitz von Anke Fuchs.

Kein Fraktionszwang

Für die UWG habe er sich damals entschieden, weil er sich ohne parteipolitischen Druck für die Gestaltung seiner Heimatstadt engagieren wollte. „In der Wählergemeinschaft gibt es keinen Fraktionszwang. Jeder kann nach seinem Gewissen abstimmen, und es gibt auch keine übergeordnete Landes- oder Bundesebene, die die Richtung vorgibt.“ Diese Unabhängigkeit habe ihn überzeugt. „Ich will die Zukunft meiner Stadt hier vor Ort gestalten, ohne parteipolitisches Geplänkel und Ideologie. Sachpolitik statt Parteipolitik – das ist meine Devise.“

Schwerpunkte sieht der Arminia-Bielefeld-Fan in der Infrastruktur und dem Umweltschutz. Kinnius möchte den ÖPNV ebenso fördern wie den Fahrradverkehr – was beides aber nur in Kooperation mit anderen Kommunen und mit Fördergeldern gehe.

Straßensanierung

Beim Land Druck machen möchte er in Sachen Straßensanierungen. Bekanntlich hält die UWG wenig von Straßenausbaubeiträgen, und auch die Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Straßen NRW, der für alle großen Spenger Straßen zuständig ist, sei alles andere als zufriedenstellend. „Auf die Sanierung der Neuenkirchener Straße warten wir nun schon seit Jahrzehnten“, klagt er.

Kinnius hält es mit Willy Brandt: Er möchte „mehr Demokratie wagen“. So kann er sich vorstellen, zum Beispiel einen gelosten Bürgerrat zu installieren, der überlegt, welche klimapolitischen Ideen umgesetzt werden könnten. „In einigen EU-Ländern ist es bereits üblich, bei strittigen Themen Menschen auszulosen, die in einem Beirat mitarbeiten“, erklärt er. „Auf diese Weise kann man Leute erreichen, die sonst nicht mitreden würden, und erhält als Ratsmitglied neue Impulse für die Arbeit.“

Keine Angst vorm Sieg

Und wie schätzt er seine Chancen bei der Bürgermeisterwahl ein? „Man weiß nie, wie sich die Bundespolitik auswirkt“, sagt er. „Zunächst will ich im ersten Wahlgang gut abschneiden. Angst davor zu gewinnen habe ich nicht.“

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