Neue Ausstellung in der Werburg-Scheune erzählt die Geschichte des Heizens
Als die Kleine Eiszeit Spenge erfasste

Spenge (WB). Als die Werburg im 15. Jahrhundert gegründet wurde, war in Europa die „Kleine Eiszeit“ in vollem Gange. Dieses Klimaphänomen sorgte mit stark gesunkenen Temperaturen dafür, dass das Heizen an Bedeutung gewann. Wie die Bewohner des Herrenhauses die Kälte vertrieben, erfahren die Besucher in der neuen Ausstellung, die von Samstag, 4. Januar, 14 Uhr, bis 22. März an den Wochenenden in der Scheune des Werburg-Museums zu sehen ist.

Freitag, 03.01.2020, 12:01 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 12:30 Uhr
Dr. Werner Best zeigt zwei transportable Heizgefäße: eine Kieke (rechts) aus dem 18. Jahrhundert und eine Wärmflasche (1750 bis 1830). Sie wurden mit glühenden Kohlen gefüllt. Foto: Matthes

„...hinder dem ofen ist mir wol“ hat Dr. Werner Best, Vorsitzender des Werburg-Vereins, die Ausstellung genannt. Parallel dazu ist im Historischen Jahrbuch des Kreises ein Aufsatz erschienen. Darin beschreibt Best die Kleine Eiszeit, die Folgen für die Menschen und die verschiedenen Heizformen, die es im Laufe der Jahrhunderte allgemein und im Herrenhaus im Besonderen gab und gibt.

Offenes Feuer

„Auf die Idee sind wir gekommen, weil wir das Thema im Werburg-Museum aus Platzgründen nicht mehr thematisieren konnten“, erklärt Best. Er hat bei der Vorbereitung Unterstützung von Restaurator Florian Westphal von der LWL-Archäologie bekommen, der mit Hilfe neuester Technik eine offenen Feuerstelle nachgestellt hat, wie sie in norddeutschen Bauernhöfen teilweise bis ins 20. Jahrhundert zu finden war.

Außerdem ist ein offener Kamin aus dem Herrenhaus nachgebaut worden, der immerhin den Vorteil bot, dass der Rauch sich nicht im Raum sammelte. Weiterhin sind Fragmente von Kachelöfen und Platten gusseiserner Öfen zu sehen, die ab dem 15. Jahrhundert gefertigt werden konnten. Während der gusseiserne Ofen schnell aufheizte, aber auch schnell wieder abkühlte, hielten die Kachelöfen, die aus Lehm gefertigt waren, die Wärme für längere Zeit.

Transportable Heizgeräte

Die Ausstellung zeigt auch transportable Heizgeräte für die Kutsche oder das Bett. Eine schmucke Glutschale für Holzkohle ist zu sehen, ebenso wie ein Gluttopf der Werburg mit Luftlöchern, an dem man sich die Hände wärmen konnte, oder eine Wärmflasche, die mit glühenden Kohlen gefüllt wurde. Die Brennstoffe – vom Holzscheit über Torf aus dem Hücker Moor bis zum Kuhfladen – sind ebenfalls zu sehen.

Dr. Best geht davon aus, dass im Herrenhaus alle 16 Räume beheizt werden konnten. „Nachweise für Öfen und offene Kamine finden sich in der erhaltenen Ausstattung und in den archäologischen Funden“, erklärt der Experte. Sie waren allesamt mit den drei Schornsteinen verbunden, die noch heute den Dachfirst zieren.

2,5 Grad weniger

Die zahlreichen Öfen seien eine Reaktion auf die veränderten Witterungsbedingungen gewesen. „Als Johann III. von Ledebur Eigentümer der Werburg war, begann um 1550 der kälteste Abschnitt der Kleinen Eiszeit, die seit dem 13. und bis ins 19. Jahrhundert hinein für frühe, sehr kalte Winter mit spät einsetzendem Frühling sorgte“, hat er recherchiert.

Für die Zeit zwischen 1550 und 1800 haben die Forscher einen durchschnittlichen Temperaturrückgang von 2,5 Grad errechnet. „Die Kälteperiode hatte erhebliche Folgen für die Landwirtschaft“, sagt Best. Es kam zu Lebensmittelknappheit. Da die Menschen sich das Phänomen nicht erklären konnten, gaben sie Wetterhexen die Schuld daran. „Heute wissen wir, dass die Eiszeit natürliche Ursachen hatte – ganz im Gegensatz zum heutigen Klimawandel, der menschengemacht ist und auch von diesen begrenzt werden muss“, wie Best betont.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7166756?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514632%2F
Neue Werbeverbote fürs Rauchen kommen
Werbung für das Rauchen soll zukünftig verboten werden.
Nachrichten-Ticker