Dr. Ulrich Henselmeyer recherchierte für das Historische Jahrbuch
Wie alt die Werburg wirklich ist

Spenge (WB). Das 550-jährige Bestehen der Werburg wurde im vergangenen Jahr ausgiebig mit Konzerten, Theateraufführungen und Vorträgen gefeiert. Doch wurde dieses Jubiläum zu Recht begangen? Mit dieser Frage hat sich Dr. Ulrich Henselmeyer beschäftigt und seine Überlegungen im Historischen Jahrbuch für den Kreis Herford veröffentlicht.

Donnerstag, 05.12.2019, 13:04 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 13:10 Uhr
Mit der Gründung der Spenger Werburg hat sich Ulrich Henselmeyer beschäftigt. Sein Aufsatz darüber wurde im aktuellen „Historischen Jahrbuch für den Kreis Herford“ veröffentlicht, das kürzlich erschienen ist. Foto: Christina Bode

„Es gehört zu den typischen Merkmalen derartiger Jubiläen, dass sie zugleich in Frage gestellt werden“, sagt Ulrich Henselmeyer. So kam auch im Zuge des 550-Jahr-Jubiläums Werner Best, Vorsitzender des Werburg-Vereins, mit dieser Frage auf Ulrich Henselmeyer zu, der bereits seit einigen Jahren zum Redaktionsteam des Historischen Jahrbuchs gehört. Etwa ein Dreivierteljahr recherchierte der Schulleiter des Engeraner Widukind-Gymnasiums. Dazu suchte er auch nach Erwähnungen in den Landesarchiven Münster und Düsseldorf.

Tausch gegen Gut Bustedt ist nicht belegt

Die erste schriftliche Erwähnung der Werburg fand Henselmeyer in einer Urkunde vom 4. Mai 1468, in der Heinrich Ledebur die in Spenge gelegenen Adelssitze Mühlenburg und Werburg an seine Söhne Gerd und Johann vermacht. „Dies ist allerdings keine Gründungsurkunde. Das Testament greift ja auf etwas Bestehendes zurück“, sagt Henselmeyer. Demnach müsse die Anlage älter sein. Eine Quelle aus dem 16. Jahrhundert gebe außerdem Hinweise auf eine frühere Entstehung der beiden Adelssitze in Spenge.

Nach diesem Ansatzpunkt hat Henselmeyer in den Archiven gesucht. „In den betreffenden Texten wird die Werburg aber nicht erwähnt. Der Hinweis, der in vielen Büchern übernommen wurde, taucht nirgendwo auf“, berichtet der Historiker. Auch Hinweise, dass die Werburg gegen Gut Bustedt eingetauscht worden sein soll, seien nicht belegbar. Zwar erhielten Heinrich Ledebur und sein Sohn Heinrich von Herzog Wilhelm von Berg, dem damaligen Grafen von Ravensberg, 1417 die Erlaubnis, bei Hiddenhausen ein neues Haus zu bauen.

Jubiläum zu Recht gefeiert

In einer Urkunde vom 15. August 1417 verpflichteten sich die Ledeburs, die Burg Bustedt für Wilhelm von Berg und seine Erben stets offen zu halten. Von einem Tausch der Werburg und Mühlenburg gegen die Burg Bustedt sei aber nicht die Rede, schreibt Henselmeyer.

Einen entscheidenden Hinweis fand der Bünder Historiker in einem Bericht des Amtsmanns Hermann von Elsen, der berichtet, dass Heinrich Ledebur Anfang der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts die erste in Spenge gelegene Burganlage errichtete. Ob es sich dabei um die Mühlenburg oder die Werburg gehandelt hat, könne aber nicht entschieden werden. „Immerhin belegen die glaubhaften Aussagen von Elsens, dass es vor 1430 keine Burg in Spenge gegeben hat“, schreibt Henselmeyer. Dieser Hinweis in den schriftlichen Quellen passe zu den archäologischen Ergebnissen, die das Vorgängergebäude des heutigen Herrenhauses der Werburg auf die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert.

Henselmeyers Fazit: „Da keine schriftliche Erwähnung der Werburg vor 1468 nachgewiesen werden kann, wurde das 550-jährige Jubiläum zu Recht gefeiert.“

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