Realschüler befragen Kommunalpolitiker über deren Pläne für Spenge
Klimaschutz vor der eigenen Haustür

Spenge (WB). Alle reden vom Klima: Wir auch! Unter dieses Motto hatten die Zehntklässler der Realschule Spenge das Klimagespräch in ihrer Aula gestellt, zu dem sie die Fraktionsspitzen des Spenger Rates eingeladen hatten.

Donnerstag, 07.11.2019, 09:03 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 09:10 Uhr
Politiker und Schüler im Klimagespräch: Die Spenger Realschüler diskutierten im Stuhlkreis unter anderem mit SPD-Fraktionsvorsitzendem Hans-Jürgen Fischer (links), Ralf Kinnius (UWG, vorne 4. von links) und Lars Hartwig (CDU, 6. von links), wie man vor Ort den Klimaschutz voranbringen kann. Foto: Ruth Matthes

Bürgermeister Bernd Dumcke, SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Fischer, Lars Hartwig (CDU), Ralf Kinnius (UWG) und André Schröder (Grüne) stellten sich den Fragen der 48 Schülerinnen und Schüler.

»Wir haben im Vorfeld des Klimagipfels, der am 12. November im Herforder Theater stattfindet, im Politikunterricht über den Klimawandel gesprochen und bereits einen lokalen Klimagipfel mit Experten veranstaltet«, erzählte die stellvertretende Schülersprecherin Mariella Engelkensmeier. »Da es uns auch darum geht, herauszufinden, was wir vor Ort für das Klima tun können, möchten wir heute hören, was die Politiker vor Ort ändern wollen«, erklärte Schülersprecher Ben Mindak.

Mehr Fotovoltaikanlagen

»Wir haben als Industrienation einen riesigen ökologischen Fußabdruck. Da muss sich jeder fragen, wo er bereit ist, Änderungen vorzunehmen«, schilderte Bürgermeister Dumcke die Ausgangssituation. Er selbst fahre so oft wie möglich Fahrrad. Was die Möglichkeiten der Kommune angeht, so sieht er sie vor allem im Bereich der Sanierung öffentlicher Gebäude. »Wir sollten zudem auf Fotovoltaikanlagen setzen, um so viel Strom wie möglich umweltfreundlich selbst zu erzeugen«, erklärte er. Zudem sei es wichtig, die ÖPNV-Verbindungen zu verbessern, damit mehr Menschen das Auto stehen lassen.

CDU-Kollege Hartwig bewegt der Klimawandel als Vater zweier kleiner Kinder. »Damit sie eine lebenswerte Zukunft haben, müssen wir jetzt etwas ändern«, betonte er. Hartwig setzt bei Dienstreisen auf den Zug und überlegt bei Neuanschaffungen, ob sie wirklich nötig sind. Er sieht Deutschland als Ingenieursnation in der Pflicht die Forschung zu fördern, damit Nationen, die nach dem westlichen Standards streben, direkt in klimafreundliche Technologien einsteigen könnten.

Radwegenetz ausbauen

Ralf Kinnius erklärte, es gehe um die Änderung des Lebensstils und die Aufgabe von Bequemlichkeiten für jeden Einzelnen. Man könne lokal zwar die Welt nicht retten, ergänzte André Schröder, aber jemand müsse anfangen umzudenken und andere mitnehmen, dann könne sich etwas bewegen.

Den Ausbau des Radwegenetzes befürworten alle, doch seien die unterschiedlichen Zuständigkeiten beim Straßenbau ein Problem. »Leider nimmt das Land beim Ausbau der Radwege auch die Kommunen in die Pflicht, obwohl es eigentlich seine Aufgabe wäre«, bedauerte Hartwig.

Wähler überzeugen

Die Anschaffung von E-Autos für die Stadtbediensteten sehen einige Politiker eher kritisch: Während André Schröder von einer Brückentechnologie sprach, die man nutzen müsse, verwies Kinnius auf die schlechte Energiebilanz der E-Autos.

Fischer legt Wert darauf, dass bei allen Maßnahmen die Sozialverträglichkeit bedacht wird. Die schwächeren Bürger müssten entsprechend entlastet werden. Für Spenge schlug er vor, in Bebauungsplänen Vorgaben zur Begrünung von Gärten zu machen. Ein Problem der Kommunalpolitik sieht er darin, dass nicht alle Wähler vom menschengemachten Klimawandel überzeugt seien. Sie müssten für die Problematik noch sensibilisiert werden.

Klimaschutz kostet Geld

Ob die Maßnahmen denn überhaupt finanzierbar seien, fragte ein Schüler. »Ein direktes Klimabudget gebe es nicht, erklärte Dumcke. Noch werde das Geld für Klimamaßnahmen jeweils aus dem Haushalt des entsprechenden Bereichs genommen. Wolle man auf Dauer ein eigenes Klimabudget, müsse man sich klar sein, dass das Geld an anderer Stelle eingespart werden müsse – »denn eine überschuldete Stadt wollen wir euch auch nicht hinterlassen«, so der Bürgermeister.

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