Mittelalterfest an der Werburg
Alltag, Kampf und Kultur in ferner Zeit

Spenge (WB). Nico Lüdike rührt in seinem Suppenkessel über dem offenen Feuer, gleich nebenan klirren die Klingen im Zweikampf und ein Zelt weiter stimmt eine Musikerin ihre Schlüsselfiedel.

Sonntag, 30.06.2019, 17:01 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 09:04 Uhr
Beim Mittelalterfest an der Werburg konnten sich Besucher am Wochenende ein Bild von dieser Zeit machen. Der Verein »DreyWunder« zeigte zum Beispiel Varianten spätmittelalterlicher Kampfkunst. Foto: Daniela Dembert

Beim Mittelalterfest an der Werburg konnten sich Besucher am Wochenende ein eigenes Bild des als düster verschrieenen Zeitalters machen. »Das Motto unserer Veranstaltung ist ›Zeitinsel‹. Wir möchten das Mittelalter in seinen Facetten präsentieren«, sagt Dr. Werner Best, Vorsitzender des veranstaltenden Werburg-Vereins. Immerhin zieht sich das Mittelalter in seinen Unterteilungen über viele Jahrhunderte.

»Wir haben Frühmittelalter-Darsteller, die den Bereich Handwerk und Ernährung wiedergeben. Aber auch das höfische Leben des Hochmittelalters und die Kampfkunst des späten Mittelalters werden gezeigt«, zählt Best auf.

Authentische Darstellung wichtig

Heiß wurde es den Darstellern in ihren wollenen Gewändern zuweilen. »Aber die Darstellung soll authentisch sein. Das ist uns ein Anliegen«, sagt Peter Wulfhorst, der dem deutschen Ritterkonvent angehört und die historische Figur Ottos III. von Ravensberg darstellt. An seinem Gürtel trägt er ein Messer. »Das wurde damals als Statussymbol getragen. Das Messer bedeutete, dass man Fleisch essen konnte, während das gemeine Volk nur einen Löffel für seine Speisen brauchte«, so Wulfhorst.

»Viele Bauernschaften und Kirchspiele in Ravensberg entstanden im Hochmittelalter ziemlich zeitgleich. Davor war hier keine Besiedlung«, erklärt er. Diese damals entstandenen Ansiedlungen zeigten sich bis heute in der Struktur von Städten und Gemeinden. Der Populationszuwachs sei auch durch einen generellen Ressourcenmangel zu erklären. Es habe viel Bewegung innerhalb der Bevölkerung gegeben. »Zwei, drei Jahre Dürre haben damals ausgereicht, um ein Dorf komplett aussterben zu lassen«, erzählt er. »Außerdem herrschte zu der Zeit einfach Menschenmangel. Herrscher nahmen gern jeden, der sich auf ein Handwerk oder den Ackerbau verstand.«

Auch in der Kriegsführung hat das Zeitalter Errungenschaften wie die Armbrust vorzuweisen. In Europa wurde die Verwendung von Bögen und Armbrüsten in Kämpfen zwischen Christen durch die Kirche sogar verboten, da sie wegen ihrer Reichweite und ihrer Durchschlagskraft gegen Rüstungen als unritterlich galten.

Einer eher filigranen Kunst hat sich Susanne Busch verschrieben. Sie stickt Wandbilder mit dem Klosterstich. »Mit dieser Technik war es möglich, schnell und materialsparend große Flächen zu gestalten«, erzählt sie.

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