Kabarettist Martin Zingsheim macht Mut für »Verrücktes«
Wenn das Absurde auf der Zunge zergeht

Spenge (WB/dd). »Wir alle wollen mehr weniger. Von allem. Also eigentlich nix. Aber davon viel.« Martin Zingsheim hat den Geist unserer Zeit in seinem Programm »Aber bitte mit ohne« verwurstet. Am Freitagabend sorgte der Kölner beim Karnevalskabarett in der ausverkauften Aula der Grundschule Spenge/Hücker-Aschen mit seinen Betrachtungen über Reduktion und Verzicht für gut trainierte Lachmuskeln und feuchte Augen beim Publikum.

Sonntag, 03.03.2019, 17:07 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 17:10 Uhr
Ein Mann, ein Mikrofon. Martin Zingsheim bietet Unterhaltung und Spaß auf allerhöchsten Niveau. Dabei kommt der Kölner in Spenge ganz ohne Accessoires aus. Foto: Daniela Dembert

Erfrischend unprätentiös kam der 35-Jährige in Jeans und Schlabberpulli unangekündigt auf die Bühne gehüpft und legte auch gleich los mit seinen Betrachtungen über den alltäglichen Irrsinn: »Wer hat eigentlich festgelegt, dass man ohne Plastik-Trinkwasserflasche nicht mehr aus dem Haus gehen kann?« Ist womöglich der Klimawandel schuld an der Angst vorm Verdursten?

»Sind halbe Primaten«

Der Verzicht, das weiß der Veganer nur zu gut, ist kompliziert. Sein Tipp: »Schaffen Sie sich Kinder an!« Er selber habe mittlerweile vier Exemplare dieser Spezies und feststellen können: »Kinder führen bei Erwachsenen automatisch zu einer Reduktion in verschiedenster Hinsicht.«

Hintergründig, wortverspielt und in rasantem Tempo nimmt der Kabarettist Phänomene unserer Zeit aufs Korn und extrahiert das offensichtlich wie das verborgen Absurde, um es sich selbst auf der Zunge zergehen zu lassen und dem Zuhörer als Schmankerl zu servieren.

»Eigentlich sind wir alle immer noch halbe Primaten«, ist Zingsheim überzeugt. Kulturell geprägt, versuche der Mensch aber, sich im Griff zu haben. »Dabei wär’s doch viel gesünder, auch mal Dampf abzulassen«, findet der Komiker und gibt lebhafte Beispiele des Sich-Befreiens aus mehreren Lebensbereichen.

»Fasten ist wie Ramadan«

Auf seinem Streifzug touchiert der Kabarettpreisträger so manches Themengebiet. Die Karnevalszeit ist für Zingsheim als Rheinländer durchaus ein Aufhänger, noch mal ganz neu über Askese zu philosophieren. Und während der gläubige Katholik in Kölle kostümiert schunkelnd noch den Kopf über die arabische Welt schüttelt, verkündet der Kabarettist: »Fasten, das ist wie Ramadan. Nur das die Moslems das mit dem Verzicht ernst nehmen!«

Warum seine vier Orgelpfeifen ihm bei der Reduktion eine großartige Hilfe sind, erklärt Zingsheim alias MC Alete im Rap »Ich habe keine Zeit«, in dem er als Ursache für Zeitnot regelmäßige Spielplatzaufenthalte angibt.

Auch Sport ein Thema

Gedanken über den anstrengenden Job eines Rechtspopulisten, der berufsbedingt leider in der Wahl seiner Urlaubsziele stark eingeschränkt ist, lösen feinsinnige Betrachtungen über Sport ab: »Am Ende ist Joggen doch keine Kopf-, sondern eher eine Beinsache«.

Am Ende darf trotzdem gelacht werden. Zingsheims finaler Rat an sein Publikum in Spenge: »Machen sie doch öfter mal was Verrücktes.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6439803?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514632%2F
Redet auch noch wer über Inhalte?
Bayerns MInisterpräsident Markus Söder (CSU). Foto: dpa
Nachrichten-Ticker