»Bares für Rares«-Händler Wolfgang Pauritsch begeistert 280 Zuhörer in Spenge Auktionator aus Leidenschaft

Spenge (WB). Der Höhepunkt kommt ganz zum Schluss: Weil Wolfgang Pauritsch mit dem Buchabsatz des Abends noch nicht zufrieden ist, versteigert er kurzerhand drei Exemplare seiner Autobiographie. Und der Clou: In jedes Buch hat der Auktionator vorab einen Geldschein gelegt.

Von Peter Monke
Wolfgang Pauritsch in Aktion: Am Ende der Lesung versteigert der Auktionator drei Exemplare seiner Autobiographie und in jedem liegt ein Geldschein. Nur dessen Wert kennt das Publikum vorab natürlich nicht.
Wolfgang Pauritsch in Aktion: Am Ende der Lesung versteigert der Auktionator drei Exemplare seiner Autobiographie und in jedem liegt ein Geldschein. Nur dessen Wert kennt das Publikum vorab natürlich nicht. Foto: Peter Monke

Wie groß diese sind, weiß das Publikum natürlich nicht. Nur so viel: »Lasst euch gesagt sein: Ich bin nicht geizig!« Los geht die rasante Bieterei. 10, 20, 30 Euro sind schnell erreicht. Den Zuschlag für Buch eins bekommt schließlich Michael für 45 Euro. Buch zwei geht mit 40 Euro etwas günstiger an Uwe. Für Buch Nummer drei muss Dieter dafür stolze 60 Euro latzen. Ob es sich gelohnt hat?

Mit Kirschen pflücken kann man Geld verdienen

Der Freitagabend mit Wolfgang Pauritsch (46) – einem breiten Publikum als Händler in der ZDF-Sendung »Bares für Rares« besten bekannt – ist jedenfalls ein Volltreffer. »Die ersten hundert Karten waren nach drei Stunden ausverkauft«, erzählt Nicole Bertram, Kulturbeauftragte der Stadt Spenge. Das habe sie noch nie erlebt. Kurzerhand verlegt man die Lesung vom Bürgerzentrum in die Grundschul-Aula. Da passen 280 Zuhörer rein. Nach nur vier Tagen heißt es wieder: ausverkauft!

Wolfgang Pauritsch erfüllt Elke Depker aus Melle ihren Fotowunsch. Foto: Monke

Alle, die ein Ticket ergattert haben, erleben eine Lesung der besonderen Art: Denn es wird nicht gelesen. Vielmehr plaudert Wolfgang Pauritsch – lediglich mit einem Spickzettel voller Stichworte in der Hand – munter aus seinem Leben. Er erzählt, wie ihm sein Großvater beibringt, dass man »auf sehr unterschiedliche Arten Geld verdienen kann, mit Kirschen pflücken zum Beispiel«.

Eine andere Anekdote handelt davon, wie er bei Ausbruch des Jugoslawien-Krieges zum Schutz der österreichischen Grenze einbestellt wird – morgens um 4 Uhr, als er gerade mit seinen Freunden sturzbetrunken aus der Disco stolpert. Oder wie er mit seinem stotternden Kumpel in Ostdeutschland in eine Polizeikontrolle gerät, bei der auch der Polizist ein Stotterer ist und glaubt, er werde veräppelt.

Vom Säure-Mischer zum Auktionator

Es sind Geschichten aus dem Leben eines Mannes, der immer etwas härter kämpfen musste als viele andere. Der aber mit Witz, Raffinesse und mitunter auch ein wenig Glück jede Herausforderung gemeistert hat. Zum Beispiel, als ihm der Vater seiner adeligen Freundin klarmacht, dass der Mann, der mit seiner Tochter ins Bett steigt, auch für sie zu sorgen hat – inklusive »Rucksack«, der aus drei Kindern früherer Beziehungen, diversen Tieren und dem nötigen Hauspersonal besteht.

Da reicht das Geld als gelernter Rohrschlosser natürlich nicht – also sucht Pauritsch besser bezahlte Jobs und wird erst Säure-Mischer, dann Nachtwächter und schließlich Auktionator. Letzteres übrigens auch nur, weil er im richtigen Moment mutig eine Chance ergreift: Als er in einem Auktionshaus eigentlich als Detektiv unterwegs ist, springt er spontan für den erkrankten Auktionator ein und verkauft so gut Perser-Teppiche, dass ihn der Chef des Hauses vom Fleck weg engagiert.

Natürlich kommen auch Anekdoten aus »Bares für Rares« zur Sprache: So erfährt das Publikum, dass Pauritsch das ganze Team der Sendung einmal im Jahr zum Bowling einlädt und immer mit Händler-Kollege Ludwig Hofmaier im gleichen Hotel schläft, »weil ich aufpassen muss, dass er seine fünf Tabletten jeden Tag nimmt«. Sein Urteil über Kollege Walter »Waldi« Lehnertz: »Der ist zwar etwa grobmotorisch, aber waren sie mal in der Eifel? Die sind da alle so.« Humor der derberen Sorte, aber immer mit einem Augenzwinkern.

Jeder Gast bekommt ein Glas Sekt spendiert

Doch zurück zur Buchauktion: Dieter hat das große Los gezogen. In seinem Exemplar liegt ein 100-Euro-Schein. Nicht schlecht, bei 60 Euro Einsatz. Michael findet einen Zwanziger, Uwe nur zehn Euro. Auf ihre Kosten sind trotzdem alle gekommen: Denn Wolfgang Pauritsch signiert nicht nur im Akkord, lässt sich geduldig für Selfies fotografieren und gibt sogar zwei Expertisen für einen Teller und ein Bild ab – er lädt auch alle seine Zuhörer auf ein Glas Sekt ein. »Eigentlich sollte es Champagner sein«, verrät er noch, »aber dann hätte es bei 100 Gästen bleiben müssen«.

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