Hücker Moor noch kein Eis-Paradies – Stadt Spenge warnt vor Betreten
Die Idylle trügt

Spenge (WB). Wann wird das Hücker Moor zum Eislaufen freigegeben? Diese Frage beschäftigt dieser Tage viele Menschen auch im Internet. Doris Bartelheimer, Umweltmanagerin der Stadt Spenge, kennt die Antwort: »Gar nicht!«

Freitag, 01.02.2019, 10:05 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 11:20 Uhr
Idylle pur am Hücker Moor: Vom Schlittschuhlaufen wird derzeit aber noch abgeraten. Die warme Schneedecke verhindert die Eisbildung. Noch besteht Einbruch-Gefahr. Foto: Gerhard Hülsegge

Denn beim mit 13 Hektar größten Binnengewässer des Kreises Herford handelt es sich um Privatgelände. 20 Eigentümer teilen sich die Fläche. Zudem sind die Angler mit im Boot, die die Flächen angepachtet haben, um ihrem Fischerei-Hobby nachzugehen. »Wer sich mit Schlittschuhen aufs Eis begibt, handelt auf eigene Gefahr«, betont Bartelheimer. Das gelte für alle Teiche im Stadtgebiet, wie zum Beispiel auch das Gewässer an der Mühlenburg.

15 Zentimeter sind das Maß

Zwar hat auch Bartelheimer Verständnis dafür, dass viele Menschen sehnsüchtig darauf warten, das kalte Winterwetter mit Minusgraden insbesondere an den Wochenenden, noch dazu bei Sonnenschein, für die eine oder andere Pirouette zu nutzen. Gleichwohl warnt sie vor zu viel Übermut: »Das Eis muss mindestens 15 Zentimeter dick sein. Temperaturen von minus 10 bis 15 Grad sollten es ebenfalls sein.« Sonst bestehe die Gefahr, einzustürzen.

Zwar ist das Hücker Moor maximal nur 80 bis 90 Zentimeter tief. Insbesondere Kinder könnten trotzdem ertrinken, wenn das Eis bricht und sie eventuell sogar einen Kälteschock erleiden. Eltern sollten sich deshalb doppelt überlegen, ob sie die Verantwortung für eine Rutschpartie auf Kufen übernehmen wollen, die durchaus tödlich verlaufen kann.

Aus Dorfteich entstanden

Das Hücker Moor ist einst durch einen Dorfteich entstanden. »Die Erde ist tief unten zusammengerutscht. Dadurch ist ein Trichter entstanden. Über Millionen von Jahren hat er sich dann aufgefüllt, etwa genauso wie der Senkelteich in Vlotho«, so Bartelheimer. Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Menschen damit, Torf abzutragen, so dass eine typisch nordische Landzunge entstand. Mit Loren wurde der Torf abtransportiert. »Wiskenmaker« (Wiesenmacher) aus Holland wurden angeheuert, denen es aber auch nicht gelang, das Moor trockenzulegen. Deshalb ließ man es volllaufen.

Das Wasser in Hücker-Aschen, dem Norden Spenges, hat einen niedrigen PH(Säure)-Wert. Die Mitglieder des Angelsportvereins für Herford und Umgebung pflegen ihre Brassen, Aale, Hechte und Karpfen, die zurzeit Winterschlaf halten und im Schlamm liegen. Sie brauchen viel Sauerstoff. Deshalb wird das Wasser unter anderem mit Tonnen bei Frost in Bewegung gehalten.

Fische halten Winterschlaf

Kommen die Eisläufer, vernehmen die Fische das Ratschen an der Wasseroberfläche, vermutet Doris Bartelheimer. Gefährdet seien sie dadurch aber nicht. Zurzeit rät die Umweltmanagerin allen davon ab, sich aufs dünne Eis zu begeben. Ohnehin ist sie skeptisch, dass es in diesem Winter noch einmal so kalt werden wird, dass die 15-Zentimeter-Eisschicht erreicht wird.

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