Ausstellung in Werburg-Museum hinterfragt Sage vom Mailäuten Rätsel um den goldenen Löffel

Spenge (WB). In Spenge soll noch heute das Läuten der Totenglocke in der St.-Martins-Kirche im Mai an eine grausame Begebenheit erinnern. Erzählt wird eine Sage um einen verschwundenen goldenen Löffel und eine unschuldig verurteilte Magd. Wie viel Wahrheit steckt hinter der Sage vom Mailäuten? Dieser Frage geht die neue Studioausstellung im Werburg-Museum nach.

Von Frauke Kanbach
Der goldene Löffel könnte auch aus Silber gewesen sein. Das hat Sonja Voss bei ihren Recherchen zur Sage vom Mailäuten herausgefunden. Dr. Werner Best und die Museumspädagogin laden in der neuen Studioausstellung zur Suche nach dem wahren Kern.
Der goldene Löffel könnte auch aus Silber gewesen sein. Das hat Sonja Voss bei ihren Recherchen zur Sage vom Mailäuten herausgefunden. Dr. Werner Best und die Museumspädagogin laden in der neuen Studioausstellung zur Suche nach dem wahren Kern. Foto: Frauke Kanbach

Während bei Märchen zumindest den Erwachsenen klar ist, dass sich das Erzählte nicht wirklich zugetragen hat, wird bei Sagen und Legenden zumindest ein wahrer Kern angenommen. Museumspädagogin Sonja Voss hat in den vergangenen Monaten viel Zeit in Museen, unter anderem im Märchenmuseum in Bad Oeynhausen, und Archiven, unter anderem in Löhne, verbracht.

Die Frage: Gold oder Silber?

Bei ihrer Recherche ist die Museumspädagogin auf verschiedene Versionen der Spenger Sage gestoßen. Mal sei die Rede von einem silbernen Löffel. Mal sei die Magd gehängt, mal gevierteilt worden. Eine ähnliche Geschichte soll sich auch in Löhne zugetragen haben. Sonja Voss kann nicht sagen, wann sich diese Geschichte an der Werburg zugetragen hat. Die Sage vom Mailäuten wurde erstmals 1904 von Klaus Wehrhahn aufgeschrieben. Unklar blieb, welche Farbe der Löffel nun hatte: War er aus Gold oder aus Silber? Um sich dem wahren Kern zu nähern, ob sich solch ein Fall so in Spenge zugetragen haben könnte, verglich Voss Punkte wie Gerichtsbarkeit und Strafen im späten Mittelalter.

Ein Punkt aber macht für die Museumspädagogin die Spenger Sage besonders: das Mailäuten. Das hat Sonja Voss nirgendwo anders gefunden. Laut Sage soll der Burgherr der Kirche Geld gespendet haben, nachdem der verschwundene Löffel in einem Elsternest wieder aufgetaucht sei. Zu spät. Denn der Burgherr hatte die Magd bereits hinrichten lassen.

Dr. Werner Best, Vorstandsvorsitzender des Vereins Werburg Spenge, spricht von »Gewissensberuhigung«. Doch geholfen habe das Geld nicht: Mit der Werburg sei es laut schriftlicher Überlieferung fortan bergab gegangen.

Es gibt viel zu lesen

Vom 1. Mai bis Pfingsten wird morgens um 6 Uhr die Totenglocke der St.-Martins-Kirche wieder schlagen und daran erinnern, dass hier ein Mensch zu Unrecht verdächtigt und getötet worden ist.

»Entstanden ist eine etwas textlastige Ausstellung«, gibt Sonja Voss mit Blick durch den Raum, der die Ausstellung beherbergt, zu. Es gebe viel zu lesen. Interessierte Besucher sollten daher etwas Zeit mitbringen.

Zu sehen ist die Ausstellung von diesem Samstag, 28. April, bis zum 1. Juli zu den Öffnungszeiten des Museums: samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Dazu gibt es ein Begleitprogramm mit Sonderführungen, Familiennachmittagen und Workshops. Einen Themenrundgang zur Sonderausstellung gibt es am Freitag, 4. Mai, um 18 Uhr. Fragen per E-Mail an museum@spenge oder per Telefon: 0176-18768125.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.