Nach Sprengung: Statiker prüft Gebäude - mit Video Kamen die Täter aus den Niederlanden?

Spenge (WB). Noch immer sitzt der Schock tief: An der Langen Straßen haben Unbekannte in der Nacht zu Samstag einen Geldautomaten der Deutschen Bank gesprengt. Allerdings kann die Polizei erst heute mit der Spurensicherung beginnen.

Von Jan Gruhn
Achtung, Tatort: Ein Statiker hat am Dienstag überprüft, ob die Ermittler in den Überresten des Hauses an der Langen Straße nach Spuren suchen können. Nach zwei Explosionen und dem Folgebrand ist nicht mehr viel von den Vorbau übrig.
Achtung, Tatort: Ein Statiker hat am Dienstag überprüft, ob die Ermittler in den Überresten des Hauses an der Langen Straße nach Spuren suchen können. Nach zwei Explosionen und dem Folgebrand ist nicht mehr viel von den Vorbau übrig. Foto: Jan Gruhn

Wie Kreispolizeisprecher Steven Haydon mitteilte, habe zunächst ein Statiker die Überreste des Vorbaus, in dem neben dem Geldautomaten auch ein Juwelier-Geschäft untergebracht war, untersuchen müssen.  »Wir können ja keinen Kollegen da reinschicken, wenn das Haus einsturzgefährdet ist«, erklärte Haydon am Dienstag.

»Das ist schon ein Schock«

Am Nachmittag begann die Firma Heidemann Bau unter Aufsicht des Spenger Architekten Jürgen Wellmann damit, die gerissenen Decken mit etwa 40 Stützen zu sichern. »Das ist schon ein Schock«, meint Wellmann, der seinerzeit auch an der Planung des Ladenlokals beteiligt war.

Ein Sicherheitsdienst bewacht die Brandruine. Foto: Jan Gruhn

Heute soll dann das Landeskriminalamt (LKA) anrücken. Laut der Düsseldorfer Behörde war die Tat in Spenge der 23. Fall einer Automatensprengung in NRW seit dem Jahreswechsel – und der erste im Kreis Herford. 92 Fälle wurden 2017 landesweit gemeldet, einer davon im Juni in Löhne (ebenfalls Deutsche Bank). Allerdings blieb es damals beim Versuch.

Täter flüchten meist rasant

»Für die meisten dieser Fälle sind Täter aus den Niederlanden verantwortlich. Dabei handelt es sich um Profis«, erklärte LKA-Sprecher Frank Scheulen. Es seien oft Männer mit niederländischem Pass und marokkanischem Migrationshintergrund, sagte Scheulen. Sie reisten meist in hochmotorisierten Fahrzeugen an und bräuchten nur wenige Minuten für ihre Aktionen.

»Danach legen sie ein aggressives Fluchtverhalten an den Tag«, führt der Kriminalhauptkommissar aus. Bei ihren Fahrten würden sie durchaus die 200-Stundenkilometer-Marke knacken. »Wenn Sie noch am Telefon sind, sind die schon wieder weg.« 

Bislang keine Verletzten

Die Sprengung erfolge meist per Luft-Gas-Gemisch. Immer wieder würde dabei in Kauf genommen, dass zum Beispiel Anwohner verletzt würden. »Gott sei Dank ist das in NRW aber noch nicht passiert.« Auch die Besitzer des betroffenen Hauses, ein Rentner-Ehepaar, sowie deren über Ostern zu Besuch angereiste Tochter kamen am Karsamstag mit dem Schrecken davon.

Ob auch in Spenge Spreng-Profis aus den Niederlanden am Werk waren, wird sich wohl erst im Laufe der Ermittlungen klären. Zurzeit bewacht ein Sicherheitsdienst die Brandruine.

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