Großeinsatz für die Feuerwehr am Samstagmorgen an der Langen Straße - mit Video Geldautomat in Spenge gesprengt

Spenge (WB). Um kurz vor 4 Uhr werden die Besitzer des Hauses an der Langen Straße 49 - 73 und 78 Jahre alt - durch einen lauten Knall geweckt. Dann knallt es ein zweites Mal, wenig später brennt es. Die Sprengung eines Geldautomaten der Deutschen Bank hat am Samstagmorgen für den dritten Großeinsatz der Feuerwehr in Spenge innerhalb von nur einer Woche gesorgt.

Von Peter Monke
Trümmerfeld an der Langen Straße 49: Vermutlich hat die Sprengung eines Geldautomaten der Deutschen Bank Teile des Gebäudes zerstört und für das Feuer gesorgt.
Trümmerfeld an der Langen Straße 49: Vermutlich hat die Sprengung eines Geldautomaten der Deutschen Bank Teile des Gebäudes zerstört und für das Feuer gesorgt. Foto: Peter Monke

Als die Einsatzkräfte am Ort des Geschehens eintreffen, bietet sich ihnen ein Bild der Verwüstung. Die Wand, an der Geldautomat und SB-Terminal des Kreditinstitutes gestanden haben, ist weggebrochen. Die Schaufensterscheiben des Geschäftes »Hellmann – Uhren, Optik, Schmuck« liegen auf der Straße, die mit Glassplittern übersät ist. Verletzt wird niemand. Die Besitzer des Hauses können sich rechtzeitig ins Freie retten.

Durchzünden des Dachstuhls verhindert

»Nur durch den massiven Einsatz von C-Rohren, konnten wir ein Durchzünden des Dachstuhls verhindern«, sagt Thomas Reschke, Leiter der Spenger Feuerwehr. Es dauert gut zwei Stunden, bis die Flammen gelöscht sind und die Nachlöscharbeiten beginnen. Die Lange Straße ist stundenlang gesperrt.

Fest steht, dass die unbekannten Täter den Geldautomaten gesprengt haben. Ob es Profis oder Amateure waren, ob sie Beute machen konnten, ob auch Waren des Optikers/Juweliers Hellmann entwendet wurden? - all das ist unklar.

Sabine Hellmann, Geschäftsführerin des gleichnamigen Fachgeschäfts, steht am Samstagmittag fassunglos vor der Ruine, die gestern noch ihr Laden war. »Ich weiß noch nicht, wie es jetzt weitergeht. Das muss ich jetzt erstmal sacken lassen, im Moment wirkt alles noch völlig unwirklich.« Sie denke im Moment vor allem an ihre Mitarbeiter, für die sie die Verantwortung habe.

»Die Detonation war gewaltig«

Derweil ist die Feuerwehr immer noch auf der Suche nach Glutnestern im Dachstuhl des Fachwerkhauses, das zu den ältesten Gebäuden Spenges zählt. In der Nacht mussten immer wieder Ziegel aufgeschlagen werden, um an die versteckten Brandherde zu kommen. Am Ende musste fast das komplette Dach geöffnet werden. Auch am Samstagmittag steigt immer wieder etwas Rauch aus dem verbliebenen Dachgebälk.

»Die Detonation war gewaltig«, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Klaus Greulich am Samstagmittag. Die Decke über den Automaten sei um einen Meter nach oben, eine tragende Wand links vom Geldautomaten um 30 Zentimeter nach links verschoben worden. »Die Decken sind alle gerissen. Nichts ist mehr da, wo es hingehört«, sagt Greulich und schüttelt den Kopf. Seit 30 Jahren sei er nun bei der Feuerwehr, aber »sowas habe auch ich noch nicht erlebt«.

Der Tag danach: Das Haus ist völlig zerstört. Foto: Peter Monke

Nur die Kripo hat zu diesem Zeitpunkt das Gebäude betreten dürfen. Für alle anderen bleibt es gesperrt. Einsturzgefahr. Das gilt auch für Sabine Hellmann, die sich keinen genaueren Überblick über die Schäden machen kann.

Mittlerweile ist das Gebäude eingezäunt. Ein Wachdienst sichert das Objekt mit zwei Personen rund um die Uhr. Auch der Verkehr auf der Langen Straße rollt wieder, unmittelbar vor dem Gebäude allerdings nur einspurig. Viele Schaulustige fahren und laufen vorbei, um die Schäden zu begutachten. So voll wie am Samstagmittag ist es auf der Langen Straße sonst jedenfalls nicht.

Die gesamte Spenger Feuerwehr ist im Einsatz

80 Einsätzkräfte der Feuerwehr waren in der Nacht vor Ort. »Wir haben Feuerstufe 4 ausgerufen. Das heißt: Die gesamte Spenger Feuerwehr ist ausgerückt«, sagte Thomas Reschke. Unterstützung kam von den Kollegen aus Enger-Mitte. Auch der Gerätewagen Atemschutz vom Kreis Herford war im Einsatz. Zwei Drehleiterwagen waren ebenfalls vor Ort, um das Feuer von oben besser bekämpfen zu können.

Zur Schadenshöhe können noch keine Angaben gemacht werden. Klar ist aber laut Polizeiangaben, dass der gesamte Vorbau des Wohn- und Geschäftshauses abgerissen werden muss. Ob das Haupthaus zu retten ist, müssen nun Sachverständige beurteilen.

Auch umliegende Gebäude wurden durch die Detonation beschädigt. Im Haus von Schreibwaren Nottelmann gingen mehrere Fensterscheiben zu Bruch. Auch einige geparkte Autos bekamen von den umherfliegenden Splittern und Trümmern etwas ab.

Wie Polizeisprecher Steven Haydon am Samstagmorgen mitteilte, sollen Brand- und Sprengstoffermittler das Gebäude unter die Lupe nehmen. Allerdings ist dies erst möglich, wenn der Tatort so gesichert ist, dass nichts mehr einstürzen kann.

Drei Einsätze in nur einer Woche

Es ist der dritte große Einsatz der Spenger Feuerwehr innerhalb von nur einer Woche. Am Montag hatte die  Firma Kunststoff-Recycling-Service (KRS) gebrannt . Hier war ein Schaden von vier Millionen Euro entstanden. Die  Ursache war ein technischer Defekt .

Am Donnerstag ging im Erlenweg in Lenzinghausen  eine Fachwerk-Remise in Flammen auf. Hier liegt der Schaden bei etwa 80.000 Euro.

»Die Belastung ist schon enorm. Das waren ja alles große Klopfer«, sagt Thomas Reschke, der sich kaum an eine ähnlich schlimme Woche für die Feuerwehr erinnern kann. »Vor ein paar Jahren mussten wir mal bei einer Brandstifter-Serie in einer Nacht acht Mal ausrücken. Das war vielleicht vergleichbar«, sagt er.

Das größte Problem sei derzeit, dass nach jedem Einsatz die Gerätschaften gereinigt und zum Teil auch getrocknet werden müssten – zum Beispiel die Atemmasken. »Da ist man froh, wenn bei der nächsten Alarmierung alles wieder an Bord ist«, sagt Reschke.

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