Standort für Klärschlamm-Vererdungsanlage wirft Fragen auf Brutflächen für Kiebitze gefährdet

Spenge (WB/dd). Der Naturschutzbeirat des Kreises Herford hat am Montagnachmittag das Spenger Klärwerk an der Neuenkirchener Straße besucht, neben dem die Stadt beabsichtigt, auf einem 2,6 Hektar großen Areal am Siever Feld eine Klärschlamm-Vererdungsanlage zu errichten.

Die Mitglieder des Naturschutzbeirates des Kreises auf Besichtigungstour an der Neuenkirchener Straße.
Die Mitglieder des Naturschutzbeirates des Kreises auf Besichtigungstour an der Neuenkirchener Straße. Foto: Daniela Dembert

Die vier mit Schilf bepflanzten Becken würden im Landschaftsschutzgebiet liegen, von einem 1,50 Meter hohen, bepflanzten Erdwall umgeben sein und aus sicherheitstechnischen Gründen durch einen Maschendrahtzaun von 1,80 Meter Höhe geschützt werden.

Ralf Kloke vom Bielefelder Planungsbüro NZO stellte in der anschließenden Sitzung des Beirates seine Studien über die potenziellen landschaftsökologischen Auswirkungen der Anlage an geplanter Stelle vor.

CO2-Ausstoß verringern

Ziele seien, die Verwertungsmenge an Klärschlamm zu reduzieren, Zuschlagstoffe wie Kalk zu vermeiden, durch Transport entstehenden CO2-Ausstoß zu verringern und Energiekosten zu sparen, fasste der Referent zusammen.

Gründe für die Wahl des Areals seien die Verfügbarkeit, ein möglichst großer Abstand zum Siedlungsbereich bei gleichzeitiger Nähe zum Klärwerk. Die Vererdungsanlage würde zweifelsohne den Verlust des bestehenden Biotops und eine Änderung des Landschaftsbild bedeuten, »würde aber zu zwei Seiten weitestgehend durch die bestehende Gehölzkulisse verdeckt«.

»Alternativstandorte prüfen«

In Anlehnung an den Bewuchs in den angrenzenden Niederungen und im Warmenautal könne die Anlage einseitig zusätzlich mit Kopfbäumen bepflanzt werden, die Lebensraum für verschiedene Vogelarten böten, so der Diplom-Geograf. Allerdings bedeute der Bau der Anlage einen Eingriff in Kiebitz-Brutflächen, »das ist nicht zu leugnen«, so Kloke.

Tomma Freesemann vom Anlagenbauer Eko-Plant gab bei der Ortsbesichtigung aber zu bedenken, dass die Anlage selbst neue Habitate für Zugvögel bieten würde. »Das Vermeidungsprinzip ist hier überhaupt nicht berücksichtigt worden«, meinte Bernd Meier-Lammering vom BUND-Kreisverband.

Er sieht die Vererdungsanlage nahe der Siedlung, östlich der Kläranlage unter naturschützerischen Aspekten besser positioniert und forderte eine eingehendere Prüfung von Alternativstandorten.

Bürgermeister Bernd Dumcke äußerte, diese Fläche stehe der Stadt bisher schlichtweg nicht zur Verfügung. Die Stadt wurde gebeten, noch einmal die technischen Alternativen zur Vererdung zu prüfen, andere Standorte zu erwägen und über Ausgleichsflächen nachzudenken.

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