100 Jahre Frauenwahlrecht: Gleichstellungsstellen im Kreis Herford starten Filmreihe »Es gibt noch viel zu tun«

Spenge (WB). Seit 1918 dürfen Frauen in Deutschland, Österreich, Polen, Lettland und Luxemburg wählen. Sie haben lange dafür gekämpft. Die Gleichstellungsstellen im Kreis Herford erinnern unter dem Motto »Politik ist Frauensache« an 100 Jahre Frauenwahlrecht – unter anderem mit einer Filmreihe.

Von Gerhard Hülsegge
Die Gleichstellungsbeauftragten (von links) Ulrike Harder-Möller, Anke Käller, Andrea Stroba, Dorit Bethke, Karola Althoff-Schröder und Heidi Wagner demonstrieren vor dem Herrenhaus der Werburg in Spenge für die Rechte der Frauen in Kleidern wie vor 100 Jahren. Gleichzeitig laden sie zu einer Filmreihe ein.
Die Gleichstellungsbeauftragten (von links) Ulrike Harder-Möller, Anke Käller, Andrea Stroba, Dorit Bethke, Karola Althoff-Schröder und Heidi Wagner demonstrieren vor dem Herrenhaus der Werburg in Spenge für die Rechte der Frauen in Kleidern wie vor 100 Jahren. Gleichzeitig laden sie zu einer Filmreihe ein. Foto: Gerhard Hülsegge

»Nicht umsonst ist die Gleichberechtigung im Grundgesetz verankert«, sagt Ulrike Harder-Möller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Enger. Und ihre Kollegin Dorit Bethke aus Bünde ergänzt: »In der Schweiz dürfen Frauen erst seit 1971 wählen, das ist unglaublich.« Immerhin: Selbst Saudi-Arabien gewährt dem weiblichen Geschlecht seit 2015 eine politische Mitbestimmung. Als letztes europäisches Land gestattete ab 1984 das kleine Liechtenstein seinen Bürgerinnen den Gang zur Wahlurne.

30 Prozent Frauen im Bundestag

In Deutschland nutzten am 19. Januar 1919 erstmals 82 Prozent der Frauen ihre Freiheiten nach dem Reichswahlgesetz. Von den 423 gewählten Abgeordneten waren 37 (9,6 Prozent) Frauen. Von 1949 bis 1980 wurde dieser Prozentsatz in den Bundestagen nicht wieder erreicht. Erst 1983 betrug ihr Anteil wieder 9,8 Prozent. Seit 1998 liegt er konstant bei mehr als 30 Prozent. Im 2017 gewählten Bundestag ist nicht einmal jeder dritte Abgeordnete weiblich, somit liegt der Frauenanteil bei 30,7 Prozent.

»Hier gibt es noch viel zu tun«, meinen die Gleichstellungsbeauftragte der Kommunen im Kreis Herford. Neben Ulrike Harder-Möller (Enger) und Dorit Bethke (Bünde) haben sich deshalb auch ihre Amts-Kolleginnen Anke Käller (Spenge), Heidi Wagner (Kirchlengern), Karola Althoff-Schröder (Herford) und Andrea Stroba (Hiddenhausen) stellvertretend auch für Christel Jessen (Vlotho) und Monika Lüpke (Löhne) sowie Simona Langenberg und Ella Kraft (Kreis Herford) vor dem Herrenhaus an der Werburg in dunkler Kleidung im Biedermeier-Stil präsentiert. So, wie die Frauen 1918 in der Öffentlichkeit auftraten. Der Hut und das Beffchen (Halsbinde) waren damals groß in Mode.

Acht Dokumentationen und Spielfilme

100 Jahre Frauenwahlrecht sind für die Gleichstellungsstellen im Kreis Anlass, mit einer Filmreihe auf die Kämpfe und Erfolge mutiger Frauen zurückzublicken. In insgesamt acht Dokumentationen und Spielfilmen werden beeindruckende Frauen porträtiert und verschiedene Etappen im Kampf um Freiheit, Emanzipation und Gleichberechtigung dargestellt.

Den Auftakt bildet am Sonntag, 21. Januar, 11 Uhr, die Film-Matinee im Zentral-Theater in Spenge an der Poststraße 29. Gezeigt wird der Film »Rosa Luxemburg« mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle, für die die Schauspielerin mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden ist. In dem Streifen erzählt Margarethe von Trotta die bewegte Lebensgeschichte der kämpferischen Sozialistin. Der Eintritt beträgt – wie bei den weiteren Filmen auch – fünf Euro.

AWO 1919 von einer Frau gegründet

Fürs Frauen-Wahlrecht und Frauenrechte haben sich viele Personen kämpferisch eingesetzt. 1919 gründete Marie Juchacz (1879–1956), die Mitglied der Nationalversammlung war, die AWO als Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD.

In Enger war es die Sozialdemokratin Eva-Maria Reinke, die nach der kommunalen Gebietsreform 1969 als erste Frau in den Rat der Stadt einzog. Und in Bünde-Ennigloh vertrat Erna Timmermann als Kommunalpolitikerin frühzeitig das weibliche Geschlecht.

»Unerkannte Heldinnen« im Sommernachtskino

Die Filmreihe der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsstellen im Kreis Herford stellt den Auftakt zu mehreren Veranstaltungen und Aktionen – etwa zum Kreisgeschichtsfest am 1./2. September in Enger – dar. Beim Open-Air-Sommernachtskino am 9. Juni in der Widukindstadt wird am roten Würfel auf dem Königin-Mathilde-Platz der Film »Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen« präsentiert. Er erinnert an drei afro-amerikanische Frauen, die als Mathematikerinnen verantwortlich dafür waren, dass der Astronaut John Glenn 1962 die Erde umkreiste.

Folgende Filmveranstaltungen sind geplant:

Zentral-Theater Spenge : Sonntag, 21. Januar, 11 Uhr »Rosa Luxemburg«.

Capitol Herford : Mittwoch, 28. Februar, 20 Uhr »Battle of the Sexes – Gegen jede Regel«.

Universum Bünde : Mittwoch, 21. März, 20 Uhr »Die Göttliche Ordnung«.

Else-Lichtspiele Bruchmühlen : Sonntag, 15. April, 11 Uhr »Suffragetten – Taten statt Worte«.

Köngin-Mathilde-Platz Enger (Open-Air-Kino des Stammtisches Barmeierplatz ): Samstag, 9. Juni, 20 Uhr »Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen«.

Universum Bünde : Mittwoch, 5. September, 20 Uhr »Sternstunde ihres Lebens«.

Kommunales Kino Lichtblick Kirchlengern : Samstag, 10., Sonntag, 11. und Montag, 12. November, jeweils ab 20 Uhr »The Power of Women«.

Werretalhalle Löhne : Dienstag, 11. Dezember, 17.30 Uhr »Warum Frauen Berge besteigen sollten«.

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