Michael Helm und Bernhard Adler beleuchten das Leben des Huckleberry Finn »Der Schrecken aller Mütter«

Spenge (WB/dd). Ein Junge sitzt mit verschlissenem Hut, barfüßig und Pfeife rauchend am Mississippi und angelt. Wohl jedem dürfte diese Person aus seiner Kindheit bekannt sein. Es handelt sich um Mark Twains Jugendroman-Helden Huckleberry Finn. Michael Helm und Bernhard Adler haben eine Lesung rund um »eines der schönsten und gleichzeitig aktuellsten Jugendbücher überhaupt«, wie Helm versicherte, gestaltet.

Haben gemeinsam die musikalische Lesung »Die Abenteuer des Huckleberry Finn« im Bürgerzentrum gestaltet: Bernhard Adler (rechts) und Rezitator Michael Helm.
Haben gemeinsam die musikalische Lesung »Die Abenteuer des Huckleberry Finn« im Bürgerzentrum gestaltet: Bernhard Adler (rechts) und Rezitator Michael Helm. Foto: Daniela Dembert

Die musikalische Leseveranstaltung im Bürgerzentrum zu Twains zweitem Jugendroman mit dem Titel »Die Abenteuer des Huckleberry Finn« sorgte am vergangenen Freitag für einen voll besetzten Saal. Ein etwas anderes Veranstaltungsformat als es Bücherei-Besucher von Michael Helm gewohnt sein dürften, erwartete die etwa 50 Zuhörer: Nur wenige Informationen wurden über den Autor, seine Bedeutung und sein literarisches Schaffen gegeben. An diesem Abend ging es vielmehr um das Werk, das die beiden Aufführenden in ihrer Kindheit und Jugend bekennenderweise sehr geliebt haben.

Schauplatz Mississippi-Tal

Schauplatz ist das Mississippi-Tal, Twains Heimat, zur Zeit seiner Jugend. »Huckleberry ist der Sohn des Stadt-Säufers, ist faul, frech, ordinär und ruppig. Er ist der Schrecken aller Mütter, weil sein unabhängiges Leben von ihren Söhnen stets bewundert wird«, führt Bernhard Adler ein. In der Lesung mimt er den Mark Twain, liest gelegentliche Einwürfe und Anmerkungen, die Aufschluss über die Ansichten und politische Orientierung des amerikanischen Autors zu einer Zeit geben, in der die Sklaverei in vielen Staaten Amerikas noch nicht besiegt ist.

Helm gab den Erzähler der Geschichte, den obdachlosen halbverwaisten Huck Finn, der das lotterige Hausen in einem alten Zuckerfass dem von Regeln, Konventionen und steifer Kleidung geprägten Leben bei der Witwe Douglas vorzieht.

Geschichte von Huck und Jim

Rassentrennung, soziale Ungleichheit, Vorurteile und Politik sind die in salopper Sprache jugendgerecht verpackten Themen der Geschichte. Eine Gesetzgebung, die das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen prägt, wird beschrieben und führt den Hörer unweigerlich zu der Frage, ob das nicht eigentlich umgekehrt sein sollte. So liest Helm von den Gewissensbissen, die Huck quälen als er dem schwarzen Sklaven Jim zur Flucht verhilft. Jim träumt davon, seine Frau und Kinder ebenfalls aus der Sklaverei zu befreien, weswegen Huck Mitleid mit dem »Besitzer« der Sklaven hat.

»Ein gutes Herz ist ein besserer Berater als ein schlechtes Gewissen«, sagt Mark Twain, alias Bernhard Adler. »Ich bin jetzt reich. Ich gehöre mir selbst«, ist ein sehr eindrückliches Zitat Jims, mit dem Helm die Botschaft des Buches, die auch jungen Lesern verständlich ist, hervorhebt. Mit Songs von John Foggerty, Bob Dylan und weiteren Bluesstücken sorgte Bernhard Adler via Mundharmonika und Gitarre für das südamerikanische Flair Ende des 19. Jahrhunderts.

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