Sprungbrett im Bürgerbad Lenzinghausen darf weiterhin nicht genutzt werden Streit um 20 Zentimeter Wassertiefe

Spenge (WB). Das Freibad in Lenzinghausen ist beliebt und gut frequentiert. Die Firma Hettich hat dem Betreiber, der Freibad-Initiative (FBI), deshalb jetzt 500 Euro gespendet (wir berichteten). Vom Ein-Meter-Brett darf aber nicht gesprungen werden. Angeblich fehlen 20 Zentimeter Wassertiefe.

Von Gerhard Hülsegge
Sieghart Kröger, Vorsitzender der Freibad-Initiative Lenzinghausen, versteht nicht, weshalb der Ein-Meter-Sprungturm nicht genutzt werden darf.
Sieghart Kröger, Vorsitzender der Freibad-Initiative Lenzinghausen, versteht nicht, weshalb der Ein-Meter-Sprungturm nicht genutzt werden darf. Foto: Gerhard Hülsegge

»Das ist reine Juristerei«, meint FBI-Vorsitzender Sieghart Kröger und ärgert sich – wie viele Freibadbesucher auch – darüber, dass der Badespaß schon die ganze Saison über getrübt ist. Genauer gesagt schon seit 2015. Vor zwei Jahren hatte die Stadt Spenge, die das Bad eigentlich aus Kostengründen hatte schließen wollen, es der FBI übertragen. Die Stadtwerke Herford, denen zuvor auch schon der Betrieb des Spenger Waldbades in der Ortsmitte übertragen worden war und auch das Bad in Lenzinghausen von 2012 bis 2015 betrieben hatte, zog sich zurück.

Brett zwischengelagert

Nicht aber, ohne den Lenzinghausern mitzuteilen, dass es künftig untersagt sei, vom Ein-Meter-Brett ins kühle Nass zu springen. Die Wassertiefe von 3,20 Metern im Sprungbereich reichte plötzlich nicht mehr aus. 3,40 Meter müssten es mindestens sein, hieß es plötzlich unter Berufung auf eine Fachfirma und die Unfallkasse.

Der Technische Überwachungsverein (TÜV) legte den Sprungbereich folglich still. Das Brett wurde demontiert, inzwischen steht nur noch die Unterkonstruktion aus Beton samt Geländer. Rolle und Lager wurden von den Stadtwerken entsorgt. Das Brett selbst befindet sich noch im Besitz des Freibad-Trägervereins, ist bei FBI-Mitglied Hans-Georg Itzek zwischengelagert. Der Wiedereinbau würde laut Kröger 2000 Euro kosten.

40 Jahre ist nichts passiert

»Anfang der 1970er Jahre haben wir in Lenzinghausen sogar noch ein Drei-Meter-Brett gehabt«, erinnert sich Sieghart Kröger. Mitte der 1970er Jahre wurde es abgebaut. Das Ein-Meter-Brett aber blieb bis zur Stilllegung 2015. Mehr als 40 Jahre wurde es genutzt, ohne dass ein Unfall zu verzeichnen gewesen wäre. Die Meldung des TÜV, die Wassertiefe reiche nicht mehr aus und müsse aufgrund neuer Baurichtlinien mindestens 3,40 bis 3,80 Meter betragen, überraschte alle. Krögers Hinweis nach Studium der Richtlinie, dass dies nur für Neubauten gelte, blieb ohne Konsequenzen.

So steht auch im Nutzungs- und Überlassungsvertrag für das Bürgerbad zwischen Stadt und FBI, dass das Ein-Meter-Brett nicht benutzt werden darf. Und nicht wenige vermuten, dass der Passus gewählt wurde, um dem Lenzinghauser Freibad doch noch den Todesstoß zu versetzen. Schließlich haben die Stadt und die Stadtwerke das Waldbad an der Bussche-Münch-Straße für viel Geld umgebaut und modernisiert. Hätten die Spenger nur noch ein Freibad, würden die Nutzerzahlen zwangsläufig steigen.

Bürgermeister gefordert

Vor drei Wochen haben FBI-Vertreter mit Bürgermeister Bernd Dumcke ein Gespräch geführt, um das Ein-Meter-Brett wieder zu ertüchtigen. »Der Bürgermeister muss sich bewegen«, sagt Sieghart Kröger über seinen SPD-Parteifreund. Ein Wunsch ist es, Einsicht in die Gefährdungs-Beurteilung eines Fachbüros zu erhalten. Die Stadtwerke haben es bislang lediglich dem Bürgermeister zur Verfügung gestellt.

Denn Kröger ist davon überzeugt, dass die Brett-Stilllegung unter falschen Annahmen erfolgte. So gelte die 3,40-Meter-Regelung nur für elastische Bretter, meint er und betont: »Bei uns gibt es lediglich ein starres Brett.« Von dort aus gewinne der Badegast keine so große Höhe, bevor er ins Wasser eintauche. Spenges Bürgermeister möchte dagegen nicht für eventuelle Unfälle haftbar gemacht werden.

Saison ist wohl gelaufen

Sieghart Kröger versteht die Diskussion um die 20 Zentimeter nicht. Denn in Dänemark, wo der Kreistagsabgeordnete seinen Urlaub verbracht hat, seien die Menschen vom Fünf-Meter-Turm in das 3,80 Meter tiefe Becken gesprungen, berichtet er. Die Hoffnung, dass Lenzinghausens Bürgerbad-Besucher alsbald wieder vom Ein-Meter-Brett springen dürfen, hat er nicht. »In dieser Saison passiert nichts mehr«, meint er. Vielleicht sei es aber ja 2018 wieder möglich.

Anfragen beim TÜV Rheinland und Nord bezüglich der Wasser-Mindesttiefe für Ein-Meter-Bretter verliefen ergebnislos. »Die Richtlinien werden nicht von uns festgesetzt«, sagte Rolf Vesenmeier, Pressesprecher beim TÜV Rheinland.

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