Werburg-Museum feiert einjähriges Bestehen – Grundschüler zeigen Renaissance-Tanz Kinder testen Spiele aus der Barockzeit

Spenge (WB). Wie lässt es sich in langen Gewändern und unter dicken Perücken eigentlich durch den Garten flanieren, wie tanzen oder gar Sport treiben? Zum einjährigen Bestehen des Werburg-Museums hat der Werburg-Verein zur Geburtstagsfeier auf das Anwesen der ehemaligen Wasserburg geladen.

Von Daniela Dembert

An diversen Mitmach-Ständen konnten Besucher viele interessante Fakten über das Leben im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit erfahren. Leidiges Thema: die Körperhygiene. Hier zeigten sich die Menschen damals erfinderisch und nutzten die Duftstoffe verschiedener Pflanzen. Beim Schnupperparcours durfte jeder eine Nase voll Lavendel, Rosenblüte, Rosmarin und Co. nehmen.

Gärten mit neuer Bedeutung

Thematische Anknüpfung: der Garten. Hier wurden Heil- und Nutzkräuter gezüchtet. Wer mochte, konnte sich in der Zubereitung atemerfrischender Pfefferminzbonbons versuchen und kleine Saatbomben aus Blumensamenmischung und Erde kneten. »In der Renaissance haben Gärten eine neue Bedeutung bekommen. Neben dem reinen Nutzgarten entstanden Anlagen zur Zier und für den Aufenthalt, beispielsweise von Gesellschaften«, sagte Museumspädagogin Sonja Voss. Kegeln und Bogenschießen gehörten zu beliebten Gartenaktivitäten und durften von Festbesuchern ausprobiert werden. »Dafür braucht man richtig Kraft«, befand der elfjährige Malte.

Paul (3), Elisa (6) und Joshua (4) verfolgen die kleinen Dampfschiffe. Foto: Dembert

»Uns geht es darum, diese Zeit und die damaligen Lebensumstände verständlicher zu machen«, erklärte Sonja Voss. Die Angebote des Festes seien als Ergänzung zu den Exponaten im Museum gedacht. Beispielsweise sei der Garten in der Ausstellung wenig bedacht, die Außenanlagen böten aber viele Möglichkeiten, um auf Freizeitgestaltung wie auch das Thema Nutzgarten einzugehen.

Technische Errungenschaften wie Camera Obscura, Heißluftballon, Dampfmaschine oder die Lupe gehören ebenfalls in die Blütezeit der Werburg und haben vielleicht auch das Leben ihrer Bewohner beeinflusst. Kleine Holzboote, die mit Dampf betrieben über einen Wasserkübel schipperten, erinnern an die Dampfmaschine, die bereits Anfang des 18. Jahrhunderts erfunden wurde.

Zuckerlöffel aus Zinn gegossen

In Anlehnung an die Sage über das Mailäuten konnten winzige Zuckerlöffel aus Zinn gegossen und anschließend mit Feilen und Schleifpapieren bearbeitet werden. Besonders von Kindern wurde gern das Angebot zur Verkleidung wahrgenommen. Im edlen Samtgewand mit lockiger Perücke war so mancher kaum wieder zu erkennen. »Wird ganz schön warm darunter«, meinte die achtjährige Ryke beim Tragen einer der haarigen Kopfbedeckungen.

Eine Darbietung von Gesellschaftstanz der Renaissance gaben Schüler der Grundschule Spenge, die das Thema über mehrere Wochen in der Schule erarbeitet haben. Sie bekamen viel Applaus.

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