Moorstraße wird zur Partyzone – 55 Polizisten im Einsatz – 21 Platzverweise 1000 Ausflügler feiern Vatertag

Spenge (WB). Kult oder Ärgernis? Die Meinungen zum Vatertagsgeschehen am Hücker Moor gehen weit auseinander. Etwa 1000 vorwiegend Jugendliche zog es an Himmelfahrt mit Bollerwagen auf die Moorstraße, die für den Kraftfahrtverkehr gesperrt war.

Von Daniela Dembert
Mit 55 Einsatzkräften war die Polizei am Donnerstag an der Moorstraße stationiert, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
Mit 55 Einsatzkräften war die Polizei am Donnerstag an der Moorstraße stationiert, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Foto: Daniela Dembert

Wegen des übermäßigen Alkoholgenusses der zumeist minderjährigen Besucher waren etwa 55 Einsatzkräfte der Kreispolizeibehörde Herford und der Bereitschaftspolizei Bielefeld vor Ort. Unterstützt wurden die Beamten von zwei Bediensteten des Ordnungsamtes. »Ein Mitarbeiter des Kreisjugendamtes ist außerdem dabei, um sich ein Bild vom Geschehen zu machen«, berichtete Polizei-Einsatzleiter Axel Böker.

21 Platzverweise

Insgesamt entspreche die Einsatzstatistik der der vergangenen Jahre, obwohl wegen des guten Wetters einige hundert Menschen mehr unterwegs gewesen seien, resümierte Polizeibeamter Stefan Begemann. 21 Platzverweise seien ausgesprochen worden und es sei zu verschiedenen kleineren Delikten gekommen. »Außerdem hat eine Person bei einem Sturz Verletzungen durch Glasscherben erlitten und wurde im Rettungswagen behandelt«, so Begemann.

Auffällig ist, dass es sich bei den Ausflüglern längst nicht mehr vorrangig um junge Männer handelt. Der Vatertag ist für Jugendliche beiden Geschlechts ein Anlass zum Feiern geworden. Zugegeben: Die selbst gebauten Vehikel, mit denen sie unterwegs sind, sind mit Einfallsreichtum konstruiert und verfügen teils über integrierte Grills, Kühl- und Zapfanlagen und natürlich Musikanlagen. Klar, dass da sowohl Anwohner wie anliegende Gastronomen nicht erfreut sind.

Gastronomen schlossen Restaurants

Das Moorstübchen schloss nach dem Gottesdienst ab 14 Uhr, die Moor-Ranch hatte gar nicht geöffnet. Beckmann’s Restaurant empfing Gäste, ebenso die Seerose. »Trotz Feiertag und bestem Ausflugswetter führen wir heute nur ein abgespecktes Angebot. Stammgäste, die früher ihre Tour mit Knobeln bei uns begonnen haben, bleiben wegen der Straßensperrung jetzt aus«, erzählte Christian Brabatsch, der seit 27 Jahren in der Gastronomie am Moor tätig ist. Nur wenige Besucher kämen zu Fuß durch den Wald oder per Fahrrad durch die Menschenmenge. Trotzdem zeigt Brabatsch Verständnis: »Es gibt in der Gegend kein Alternativprogramm. Dass die Jugendlichen feiern möchten, ist nachvollziehbar.«

An der Feierfront tummelten sich junge Leute aus Spenge, Enger, Bünde und Kirchlengern. »Das ist fast schon Tradition. Man trifft hier viele Leute, die man lange nicht gesehen hat«, sagte Denise Kipke. Frust der Anwohner und Gastronomen könne sie nachvollziehen, meinte Schülerin Ronja Gattinger, findet aber auch: »die Gastronomen könnten sicher einen Vorteil aus der Sache ziehen.«

Ideen gibt es in der »Partyzone« viele: ein Pizzaverkaufswagen, Prämierung des besten Bollerwagens, das Aufstellen von kostenpflichtigen Klohäuschen. Doch wer kann und will die Verantwortung für hunderte Jugendliche übernehmen? »Unsere Sorge ist der Konsum harter Alkoholika von Jugendlichen unter 18«, gibt Axel Böker zu bedenken.

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