Dogge soll 58-Jährigen angegriffen haben – Hundehalter bekommt geringe Geldstrafe aufgebrummt
Nachbarschaftszwist endet vor Gericht

Bünde/Rödinghausen (WB) -

Auch wenn die Verletzung selbst für das Gericht nicht wirklich schwerwiegend war: Nach einem vermeintlichen Angriff seiner 70 Kilo schweren Dogge auf seinen Nachbarn muss ein Rödinghauser (60) jetzt 225 Euro Strafe zahlen.

Dienstag, 08.12.2020, 05:30 Uhr

 

Wegen fahrlässiger Körperverletzung hatte sich der Hundehalter am Montagmorgen vor dem Bünder Amtsgericht verantworten müssen. Der Vorfall selbst liegt schon einige Zeit zurück: Bereits im August 2019 war es laut Anklageschrift zu der Beißattacke gekommen. Seinerzeit waren die beiden nicht angeleinten Doggen des Angeklagten – eine Hündin und ein Rüde – auf dem gemeinsam bewohnten Grundstück mit lautem Gebell auf den Nachbarn (58) zugeprescht. Laut dem Opfer soll eines der Tiere zugeschnappt haben. Einige Kratzer und zwei Zahnabdrücke auf dem Arm seien zwar wieder verheilt. „Die psychische Sache ist die, die mich mehr belastet“, gab der 58-Jährige im Zeugenstand zu Protokoll.

Fest steht, dass von dem Vorfall ein Video existiert, auf dem ein Großteil des Geschehens zu sehen ist. Zivilrechtlich ist die Beißattacke bereits aufgearbeitet worden. Die Verhandlung im Sommer war mit einem Vergleich geendet. Die Parteien hatten sich auf eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 150 Euro verständigt. Gefordert hatte der verletzte Nachbar 1000 Euro.

Trotz der Filmaufnahmen bestritt der Angeklagte, dass die Verletzungen am Arm des Geschädigten von seinen Hunden verursacht worden seien. „Woher die Kratzer kommen, weiß ich nicht. Wenn eine Dogge zubeißt, dann sieht man das doch.“ Daher hatte er dem gegen ihn erwirkten Strafbefehl auch nicht zugestimmt. Ansonsten wäre die Sache mit der Zahlung einer Geldstrafe oder der Ableistung von Sozialstunden erledigt gewesen. Stattdessen kam es zum Prozess.

Auch die Gemeinde Rödinghausen hatte sich zwischenzeitlich mit dem Fall beschäftigt. Da es sich beim Ort des Geschehens aber um Privatgelände handelt, gilt dort kein Leinenzwang. „Somit hat sich mein Mandant nicht ordnungswidrig verhalten“, erklärte der Anwalt des 60-Jährigen. Mittlerweile seien die Hunde aber immer angeleint. Zudem bezweifelte der Jurist, dass die Verletzungen des Nachbarn überhaupt den Vorwurf eines strafbaren Verhaltens seitens des Angeklagten rechtfertigen würden.

Im Laufe des Prozesses wurde klar, dass das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarn seit geraumer Zeit zerrüttet ist. Immer wieder soll es zu Vorfällen gekommen, nicht immer nur mit den Hunden. Laut dem Geschädigten habe ihn der 60-Jährige etwa an einem Tag absichtlich mit dem Seitenspiegel seines Autos touchiert. „Er hat mich angefahren. Ich habe ihn darauf angesprochen, dann kam er zu mir und wollte mir Schläge androhen. Da habe ich ihn mit Reizgas besprüht“, schilderte der 58-Jährige. Beide Verfahren seien eingestellt worden.

Während der Anwalt des mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getretenen Angeklagten einen Freispruch forderte, sah die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Vorwürfe gegen den Rödinghauser als erwiesen an. Letztlich folgte das Gericht in seinem Urteil den Ausführungen der Anklage. „Meines Erachtens nach liegt hier eine objektive Sorgfaltspflichtverletzung vor“, so der Richter.

Der Angeklagte kündigte noch im Gerichtssaal an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

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