Modehändler und Eigentümer von Gut Böckel stirbt mit 87 Jahren Trauer um Ernst Leffers

Bielefeld/Rödinghausen (WB/ef). Mehr als drei Jahrzehnte stand Dr. Ernst Leffers an der Spitze des gleichnamigen Modehauses. Und als er 1997 in den Ruhestand ging, gehörte seine Leidenschaft der Renovierung und Nutzung des Gutes Böckel bei Rödinghausen im Kreis Herford als Kulturstätte. Nun ist Ernst Leffers im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der Unternehmer Dr. Ernst Leffers – hier vor rund drei Jahren bei der Verleihung des Hertha-Koenig-Literaturpreises auf Gut Böckel – wie man ihn kennt.
Der Unternehmer Dr. Ernst Leffers – hier vor rund drei Jahren bei der Verleihung des Hertha-Koenig-Literaturpreises auf Gut Böckel – wie man ihn kennt. Foto: Thomas Meyer

Ernst Leffers – ein Enkel des Mitbegründers und langjähriger Chef der Bielefelder Leffers AG – starb am vergangenen Samstag. Leffers, der 1932 in Delmenhorst im Oldenburger Land geboren wurde, gehörte zu den bekanntesten Unternehmern in Deutschland.

Offensichtlich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen erheblichen Teilnahmeeinschränkungen bei Beerdigungen findet die Trauerfeier nach Angaben der Familie erst im Herbst statt – am Samstag, 17. Oktober 2020, in der Kirche von Rödinghausen-Bieren.

Ernst Leffers machte zunächst eine kaufmännische und textilfachliche Ausbildung. Danach studierte er Volkswirtschaftslehre in Köln, Bonn und Graz. 1960 stieg er ins Unternehmen ein. Bereits wenige Monate später übernahm er die Leitung des Bielefelder Modehauses, wie die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ berichtet.

Nie habe es in Frage gestanden, die Nachfolge von Großvater und Vater anzutreten. So expandierte Leffers unter seiner Führung kräftig. 1970 gründete er die Leffers AG, ein Meilenstein und der Anfang einer rasanten Wachstumsstory im Modehandel, wie die „Textilwirtschaft“ berichtet. Die Leffers-Firmen in Bonn und Bielefeld verschmolzen.

1989 Verkauf der Mehrheitsanteile an Schickedanz-Gruppe

Viele neue Gründungen und Niederlassungen folgten. 1989 kam es zum Verkauf der Mehrheitsanteile an die Schickedanz-Gruppe. Das Unternehmen wuchs unter seiner Regie zu einem Filialunternehmen mit hunderten Millionen Umsatz und knapp 2000 Mitarbeitern. Im Jahr 1996 fusionierten die Leffers AG und die Kölner Sinn AG – die ebenfalls zur Schickedanz-Gruppe gehörte – zur Fachhandelskette Sinn-Leffers. Bis Ende September 2005 gehörte Sinn-Leffers zum Karstadt-Quelle-Konzern und ist seitdem im Besitz von Investoren.

Ernst Leffers erfüllte sich nach dem Schritt in den Ruhestand mit dem Engagement auf dem Rittergut Böckel noch einmal einen Lebenstraum. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ein Stück Kultur vor dem Verfall zu retten. Im Jahre 1991 begann er, das baufällige Gebäudeensemble zu renovieren. Als Eigentümer des Gutes schuf er zusammen mit seiner Frau Freifrau Karen Elisabeth von Oeynhausen-Leffers eine einmalige Kultureinrichtung, in der Theater- und Musikaufführungen sowie Lesungen – etwa das Literaturfest „Wege durch das Land“ –, stattfinden. Bekannt ist Gut Böckel zudem für den Weihnachtsmarkt „Weihnachten im Stall“ am ersten Adventswochenende. Auch diese Veranstaltung war Ernst Leffers eine Herzensangelegenheit. Das Gut wird heute von Sohn Freiherr Börries von Oeynhausen-Leffers bewirtschaftet.

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