Ausstellung »Roh« im Rödinghauser Haus des Gastes Appell für das Ursprüngliche

Rödinghausen  (WB). »Dies ist die ungewöhnlichste Ausstellung, die wir je im Haus des Gastes hatten«, sagt Rödinghausens Kulturbeauftragter Rolf Botzet zur neuen Ausstellung, die den schlichten Titel »Roh« trägt. Die beiden Künstler Arthur Neumann und Andy Notarnicola präsentieren Werke in verschiedenen Fertigungsstadien.

Von Raphael Steffen
Andy Notarnicola (links) und Arthur Neumann haben sich in ihren Arbeiten mit dem Thema »Roh« auseinandergesetzt – und hatten unterschiedliche Auffassungen davon.
Andy Notarnicola (links) und Arthur Neumann haben sich in ihren Arbeiten mit dem Thema »Roh« auseinandergesetzt – und hatten unterschiedliche Auffassungen davon. Foto: Raphael Steffen

Botzet muss es wissen: »Roh« ist schon die 100. Ausstellung, die er betreut hat. »Die Künstler laden uns ein, in den Prozess einzusteigen und die weitere Arbeit zu begleiten.« Der Betrachter steht teils vor einem fast leeren Blatt Papier.

Appell zur Rückkehr in den rohen Zustand

Arthur Neumann sehe »roh« als Gemütszustand, schätzt Notarnicola die Arbeiten seines Freundes ein. Von Neumann sind Gemälde, Skizzen und Collagen zu sehen. »Was auf den ersten Blick chaotisch wirkt, ist auf den zweiten wunderbar harmonisch«, bemerkt Botzet, und Notarnicola ergänzt: »Roh ist bei Arthur nicht bedrohlich, sondern ein ausgleichendes, ursprüngliches Moment, das im Kontrast zum wilden Hintergrund steht.« Der Betrachter solle sich fragen, ob er einem rohen oder distanziert-entfremdeten Zustand gegenüberstehe – »ein Appell zur Rückkehr zum rohen Zustand.«

Notarnicola hat Fotografien und Zeichnungen ausgewählt. »Die Fotos sind sehr reduziert«, kommentiert Neumann: »Wir müssen uns mit der Leere auseinandersetzen, mit der banalen Schlichtheit und zufälligen rohen Struktur.« Während er selbst oft Personen darstelle, seien Notarnicolas Arbeiten »vom Menschen losgelöst.« Bei den Zeichnungen seien Spontaneität und Gestisches bedeutend.

Sie hätten unter »Roh« unterschiedliche Auffassungen gehabt, räumen die beiden ein. In einem sind sie sich aber einig: »Gesellschaftlich haben wir uns vom Archaischen entfernt. Wenn die Dinge gefälliger und die Oberflächen glatter werden, kommt es zu einer Entfremdung.«

Die Ausstellung ist bis zum 7. Januar 2018 zu sehen.

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