Im Neubaugebiet Zum Flachsland in Gohfeld haben Experten bei Ausgrabungen auch eine alte Hofstelle entdeckt
Archäologen finden Gefäße aus Römerzeit

Löhne-Gohfeld -

Archä­ologen haben unter Fachaufsicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf einem Baugrund an der Straße Zum Flachsland in Gohfeld Funde aus dem hohen Mittelalter gemacht.

Mittwoch, 25.11.2020, 16:42 Uhr
Die Luftaufnahme verdeutlicht die Dimensionen der Grabungsfläche im Neubaugebiet an der Straße Zum Flachsland in Gohfeld. Foto: archaeofirm/S. Düvel

Bevor der Neubau von Einfamilienhäusern und einem Mehrfamilienhaus beginnt, wollten die Fachleute den Boden untersuchen, weil sie wussten, dass sich das Neubaugebiet im möglichen Einzugsbereich einer Siedlung aus der Eisenzeit befindet. Das Ergebnis: Menschen siedelten hier sowohl im hohen Mittelalter als auch bereits in der Römischen Kaiserzeit.

Archäologinnen der Fachfirma, die mit den Ausgrabungen betraut ist, konnten bereits ganz knapp unter der Oberfläche Reste von verstreut liegenden Gruben entdecken. Keramikfunde beweisen, dass die Gruben im hohen Mittelalter angelegt wurden.

Mutterboden abgetragen

„Unsere Suchschnitten zeigten, dass im östlichen Teil des Baugebietes mit einer weiteren Ausdehnung der Siedlungsspuren zu rechnen war. Daher wurde hier der Mutterboden weiter abgetragen, um die Gesamtbefundlage einschätzen und dokumentieren zu können“, berichtet Grabungsleiter Sebastian Düvel. „Dadurch konnten wir mehrere Pfostenreihen feststellen, die zu mindestens drei Gebäuden von mindestens zwei Hof­stellen gehörten“, so Düvel weiter. Die Verteilung der Befunde zeigt dabei, dass hier der südwestliche Grenzbereich einer Besiedlung erfasst wurde, die sich weiter nach Norden fortgesetzt haben dürfte.

„Die aktuelle Fundstelle in Gohfeld ist von besonderer Bedeutung, weil sie erstmals eine archäologische Verbindung zu der im Jahr 933 schriftlich erwähnten Ansiedlung Jolenbeke herstellt, also zur Siedlungsgeschichte des früheren Gohfelder Ortsteils Jöllenbeck, in dem das Grabungsareal liegt“, erläutert Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen.

Gottesdienst vor 1000 Jahren

„Da zum alten Jöllenbeck die urkundlich erstmals im Jahr 1035 genannte Simeonkirche gehörte, wissen wir auch, wo die in den Hofstellen am Flachsland lebenden Menschen vor gut 1000 Jahren zum Gottesdienst gingen“, führt Spiong aus.

Nun sind, bevor die Arbeiten am Ende der Woche abgeschlossen sein werden, noch Spuren deutlich älterer Zeit zutage gekommen: In einer Grube entdeckten die Fachleute zwei fast vollständig erhaltene Gefäße aus der älteren Römischen Kaiserzeit. Sie belegen, dass dieser Bereich auch schon vor etwa 1800 Jahren ein begehrter Siedlungsplatz war – so auch heute wieder.

Jetzt darf gebaggert werden

„Dass hier Ausgrabungen nötig geworden sind, hat uns völlig überrascht“, sagt der Dr. Olaf Schweneker, der den Grund für den Bau des Mehrfamilienhauses gekauft hatte. „Wir freuen uns daher sehr darüber, dass die Archäologen die Ausgrabung zügig abschließen konnten.“ Nachdem alle Befunde dokumentiert wurden, können die Bagger nun mit der Arbeit beginnen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7694589?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514619%2F
Forderungen nach Lockdown-Ende Mitte Februar werden lauter
Bundeskanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Länder haben bislang eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar beschlossen.
Nachrichten-Ticker