Stricken und Häkeln wieder hoch im Kurs – besonders im Lockdown
Die neue Masche in der Pandemie

Löhne (WB). Klappernde Stricknadeln und am Ende ein Paar selbstgemachte Ringelsocken – ein Freizeit-Vergnügen für ältere Damen, old-school und aus der Mode gekommen? „Ganz und gar nicht“, sagt Jutta Wehmeyer. Sie ist Inhaberin des Wollgeschäfts mit dem Namen „Selfmadejunkie by Lana Moda“ in der Löhner Innenstadt. Und sie weiß: Handarbeiten ist wieder Trend, besonders in der Corona-Krise. „Die Menschen haben mehr Zeit und entdecken kreative Beschäftigungen“, sagt Wehmeyer.

Mittwoch, 11.11.2020, 03:30 Uhr
Jutta Wehmeyer hat das gut eingeführte Wollgeschäft im Innenstadtbereich der Lübbecker Straße übernommen. Sie beteiligt sich auch in diesem Jahr wieder an der Strick-Aktion „Ein Schal fürs Leben“, die mit einer Spende Kinder in Syrien unterstützt. Foto: Gabriela Peschke

Dabei spielen Alter und Geschlecht offenbar eine untergeordnete Rolle. „Unsere Kunden sind zwar mehrheitlich weiblich. Aber es kommen auch Herren, die sich Wolle aussuchen, aus denen ihre Ehefrauen ihnen etwas Hübsches stricken“, erzählt die Inhaberin, die seit Oktober den Laden an der Lübbecker Straße von Hiltrud Langer übernommen hat.

Inhaberin strickt selbst gern

Natürlich strickt Jutta Wehmeyer auch selbst – und zwar „seit fast einem halben Jahrhundert“, wie sie versichert. Denn den Umgang mit den Stricknadeln beherrschte die Mittfünfzigerin bereits, bevor sie Lesen und Schreiben konnte.

„Über die Jahre wird man dann immer besser, traut sich an immer schwierigere Ornamente und Objekte“, sagt sie. Attraktive Lochmuster, aus filigranen Garnen blitzschnell gestrickt ohne Hinsehen, das macht der studierten Sozialpädagogin keine Mühe.

Doch genauso viel Freude hat sie, wenn sie ihr Wissen weitergeben kann. „Ich habe früher in der Schülerbetreuung den Kindern und Jugendlichen das Stricken und Häkeln gezeigt und war überrascht, wie interessiert sie das aufgenommen haben“, blickt sie zurück. Handarbeit statt Handy? Der selbstgestrickte Pullover anstelle des 0815-Outfits von der Stange? „Ja, genau“, bekräftigt Wehmeyer.

Denn junge Leute gehören auch zu ihrem Kundenkreis, lassen sich direkt beraten oder rufen digitale Anleitungen ab. „Die Zeiten haben sich geändert“, kommentiert die Inhaberin schmunzelnd. Doch wer es noch klassisch mag, kommt auch bei „Lana Moda“ zu seinem Recht. Denn Jutta Wehmeyer hat regelmäßig Strickkurse im Angebot, für Anfänger wie für Nadelprofis.

Mancher lagert Wolle ein

Da kann die „Strickschrift“ als Basis genauso erlernt werden wie die Maschenführung bei komplizierten Mustern. „Zur Corona-Zeit müssen diese zwar ausfallen, aber wer Hilfe braucht, der kann von mir Anleitung bekommen“, sagt sie. Dafür steht den Ratsuchenden ein separater Handarbeitsplatz im Laden zur Verfügung.

Mehr als 40.000 Knäuel Wolle hat Jutta Wehmeyer vorrätig. Das reicht von schlichter Sockenwolle bis zu hochwertigen Garnen, in denen das Haar der Yak-Rinder eingearbeitet ist. Ab 5,95 Euro ist man dabei, denn bereits 400 Gramm Wolle reichen für ein Paar selbstgestrickter Strümpfe.

„Es wird aktuell viel Material für Christmas-Stockings, für Sternendeckchen und Winterschals gekauft“, berichtet Wehmeyer. Zehn Prozent mehr Umsatz macht sie durch die „Vorratskäufe“ der Kunden.

„Mancher lagert sich seine Wolle ein, weil man ja nicht weiß, ob die Läden eventuell auch wieder schließen müssen“, gibt sie die Einstellungen der Kunden wieder. Auch Zeitschriften und Anleitungen, Zubehör wie Knöpfe, Nadeln und Spangen zählen zum Sortiment.

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