Gisela Bröenhorst vom Verein „Kinder brauchen uns“ blickt dankbar auf jüngsten Hilfsflug
Ein Herz für Kinder

Löhne (WB). Gisela Bröenhorst sitzt am Tisch im Wintergarten der Familie, ihre Augen leuchten. Vor ihr ausgebreitet liegen Flyer und Fotomaterial. Zu sehen sind glückliche Kinder aus Afghanistan und ihre Familien. Freudig erzählt Gisela Bröenhorst von Ali-Reza, dem jüngsten „Schützling“: einem Jungen aus dem Land am Hindukusch, der in Deutschland von einer schweren Osteomyelitis geheilt wurde und nun in sein Heimatland zurückkehren konnte. „Da geht mein Herz auf“, sagt die Pensionärin aus Obernbeck, die sich seit Jahren ehrenamtlich für den Verein „Kinder brauchen uns“, kurz KBU, engagiert.

Montag, 09.11.2020, 06:30 Uhr
Freudig erzählen Gisela und Ralf Bröenhorst von Ali-Reza, einem Jungen aus dem Land am Hindukusch, der in Deutschland von einer schweren Osteomyelitis geheilt wurde und nun in sein Heimatland Afghanistan zurückkehren konnte. Foto: Gabriela Peschke

Auf Initiative eines Geschäftsmanns vor knapp 20 Jahren gegründet, hat es sich dieser Verein zur Aufgabe gemacht, schwerkranke Kinder, denen im Krankenhaus Kabul nicht mehr geholfen werden kann, zu einem Heilaufenthalt nach Deutschland zu holen. Hier wohnen die Mädchen und Jungen in Gastfamilien und werden durch Operationen nachhaltig versorgt, bis sie geheilt zurückgeflogen werden.

25 Ehrenamtliche

„Der Verein hat bereits mehr als 650 Kindern helfen können“, berichtet Gisela Bröenhorst, die als eine von rund 25 Ehrenamtlichen das Anliegen durch aktive Mithilfe unterstützt (diese Zeitung berichtete mehrfach). Dazu gehört vor allem, dass Flüge organisiert, Behandlungsmöglichkeiten und Gastfamilien gefunden werden. „Während des Aufenthalts in den Gastfamilien entstehen ganz wunderbare und warmherzige Verbindungen“, berichtet Gisela Bröenhorst. Sie weiß, wovon sie spricht, hat sie doch vor vielen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann selbst einen „Schützling“ bei sich aufgenommen.

Mehr als 25 Prozent der Kinder in Afghanistan erreichen nicht das fünfte Lebensjahr. Besonders schlimm sei es im ländlichen Bereich, erklärt Bröenhorst, wo es kaum medizinische Grundversorgung gebe. „Viele haben zum Beispiel schwere Knochenerkrankungen, weil sie Infektionen verschleppen“, erläutert sie.

Heilungsmarathon

Das galt auch für den damals knapp sechsjährigen Ali-Reza, der 2018 eingeflogen und in einer Gastfamilie in Löhne-Bad Oeynhausen untergebracht wurde. „Er hat einen wahren Heilungsmarathon hinter sich: drei verschiedene Kliniken, über zweieinhalb Jahre Behandlungszeit“, fährt Gisela Bröenhorst fort. Aber ihre Augen leuchten erneut, als sie berichtet, dass dieser Junge mit inzwischen acht Jahren Anfang Oktober zurück in seine Heimat fliegen konnte. „Zum Abschied hat er gesagt, er möchte später einmal wiederkommen“, fügt sie hinzu.

Die Dankbarkeit dieser Kinder und letztlich auch ihrer Eltern könne keiner ermessen, der das nicht erlebt habe. Gisela Bröenhorst ist selbst schon vor Ort gewesen, hat das Elend in den Straßen Kabuls gesehen: „So viele Amputierte und Menschen mit Krücken“, sagt sie bedrückt. Wie gut sei es da, dass der Verein wenigstens einigen zu einem besseren Leben verhelfen könne. Sieben bedürftige Kinder sind am 16. Oktober 2020 mit dem inzwischen 67. KBU-Hilfsflug wieder aus Kabul nach Frankfurt eingeflogen worden, ein Transport mit Handicaps angesichts der Corona-Umstände, wie Gisela Bröenhorst versichert. Aber am Ende habe alles geklappt. „Viele unterstützen unser Anliegen, zum Teil auch einfach durch unbürokratisches Vorgehen“, fasst sie den „Organisationsmarathon“ zusammen.

„Sie leisten Erstaunliches“

Wichtigstes Glied in der Kette der helfenden Hände aber seien die Mediziner, sagt Bröenhorst. „Sie leisten Erstaunliches“, fasst sie in Worte, was die Betroffenen immer wieder sprachlos mache. „Die Ärzte und Fachkräfte arbeiten zum Teil ohne Honorar, nur die medizinischen Heilmittel müssen finanziert werden“, lobt sie. Das seien zum Teil Beträge im fünfstelligen Bereich. „Deswegen ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen von dem Verein und seinem Anliegen erfahren – und uns vielleicht unterstützen“, hofft Gisela Bröenhorst.

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