Auch mit Hilfe der Trinkwasserampel soll der Verbrauch besser geregelt werden
Neue Wege

Löhne (WB). Der Trinkwasserbedarf in Löhne befindet sich im Frühjahr und Sommer seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Spitzenverbrauchsmengen erreichen immer neue Höchststände und machen neue Konzepte zur Vorbeugung von Ausfällen der Trinkwasserversorgung nötig. Mit dem Bau des neuen Hochbehälters in Bad Oeynhausen-Bergkirchen wird derzeit ein wichtiger Schritt zur Versorgungssicherheit getan.

Dienstag, 03.11.2020, 03:00 Uhr
Die für April 2021 vorgesehene Fertigstellung des Hochbehälters 3 in Bad Oeynhausen-Bergkirchen soll die Situation des WBV Am Wiehen entspannen. Foto: Malte Samtenschnieder/Archiv

Was macht der WBV?

Wie es um die Wasserversorgung in Löhne bestellt ist, das hat Holger Freymuth in einem Sachstandsbericht für den Betriebsausschuss Stadtwerke zusammengefasst. Er ist Geschäftsbereichsleiter für die Energie- und Wasserversorgung bei den Löhner Stadtwerken.

Seinen Ausführungen zu Folge ist die Mitarbeit der Verbraucher durch das Anpassen ihres Verbrauchsverhaltens ein zentraler Punkt. Um hier wirksame Möglichkeiten aufzuzeigen, wurde gemeinsam mit dem Wasserbeschaffungsverband (WBV) Herford-West das Netzwerk „Trinkwasser-in-OWL“ gegründet. Ziel und Inhalt sind die Information der Öffentlichkeit rund um das Trinkwasser in der Region.

Die Wasserverbände stellen sich vor, aktuelle Baumaßnahmen werden publiziert, Tipps zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser zum Beispiel bei der Gartenbewässerung und weitere Themen werden behandelt. Weiterhin wurde gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern des WBV Am Wiehen, zu dem neben den Städten Löhne und Bad Oeynhausen auch die Gemeinde Hüllhorst und der WBV des Amtes Hartum gehören, ein Frühwarnsystem mit Bezug auf Wasserabgabe, Wasserbezug, Eigenförderung, Temperatur, Niederschlag und den Wasserstand im Hochbehälter Bergkirchen entwickelt.

Erste Maßnahmen

„Die Bürger werden mittels einer Trinkwasserampel informiert und, sofern notwendig, gebeten, ihr Verbrauchsverhalten anzupassen“, berichtet Holger Freymuth. Diese findet sich zum Beispiel auf der Seite www.stadtwerke-loehne.de . Beim WBV Am Wiehen wurden Wasserbezugsmengen erhöht und eine Übergabestation für Notbezüge aus Minden reaktiviert. Zur Optimierung der Eigenförderung wurden die 21 Brunnen bestmöglich regeneriert.

Um den Hochbehälter zu entlasten, wurden die so genannten Befahrungsabläufe der Wasserspeicher in Bad Oeynhausen und Löhne umgestellt. „Die Stadtwerke Löhne stimmen sich zusätzlich eng mit Großverbrauchern und der Landwirtschaft ab“, erklärt Holger Freymuth. Um größeren unkon­trollierten Wasserentnahmen vorzubeugen, wurde die Standrohrausgabe an private Nutzer bei allen Verbandsgemeinden eingeschränkt.

Rückblick auf 2020

Die Wasserabgabe in Löhne war, wie in den Vorjahren, schon im April hoch. Im Mai allerdings wurden im Vergleich der letzten zehn Jahre für diesen Monat neue Spitzenwerte erreicht. Der monatliche Wasserbedarf stieg um zehn Prozent des bisherigen maximalen Wertes auf rund 180.000 Kubikmeter. Die höchste Tagesabgabe im Mai wurde laut Holger Freymuth am 7. Mai mit einem für den Hochsommer üblichen Wert von 6450 Kubikmetern gemessen.

„Hier zeigten sich die Auswirkungen der langen Dürreperiode und der hohen Temperaturen in Verbindung mit dem besonderen Verbrauchsverhalten im Zuge der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Die Menschen mussten ihr Leben kontaktminimierend auf das persönliche Umfeld beschränken. Besuche von Schwimmbädern waren nicht möglich. Arbeiten an Haus und Garten, private Pools und der allgemein höhere Wasserbedarf durch das Zuhausebleiben hat die Trinkwasserversorgung belastet“, blickt der Geschäftsbereichsleiter auf diese extreme Zeit zurück.

Das durchwachsene Wetter im Juni und Juli sowie die Lockerungen der Pandemie-Einschränkungen führten zu einer Entspannung der Situation. Erst die Hitzewelle ab Anfang August, mit dem 7. August als Spitzenverbrauchstag, stellte nochmals eine Herausforderung dar. Durch die Schaltung der Trinkwasserampelschaltung auf Gelb wurden die Verbraucher an 20 Tagen zur Einschränkung des Wasserverbrauchs aufgefordert.

Wie geht es weiter?

Für die Entlastung der Situation des WBV Am Wiehen sollen für das Frühjahr 2021 die Fertigstellung des Hochbehälters 3 in Bergkirchen und die Neubohrung des Brunnens 19 als Ersatzbrunnen sorgen. „Mögliche Verbundlösungen zur Belieferung der Stadt Löhne mit Trinkwasser aus den angrenzenden Versorgungsgebieten werden derzeit untersucht“, sagt Holger Freymuth.

Die für 2020 geplante Verbindung aus Herford konnte noch nicht realisiert werden, weil die benötigten Wassermengen schlichtweg nicht zur Verfügung stehen. Zur langfristigen Sicherstellung der Wasserversorgung werden aktuell auch Untersuchungen über mögliche neue Brunnenstandorte für den WBV Am Wiehen sowie auch für die Stadtwerke Löhne durchgeführt. Zudem werden alle technischen Anlagen auf ihr Optimierungspotenzial hin überprüft.

Holger Freymuth kommt zu folgendem Ergebnis: „Die Wasserversorgung der Stadt Löhne steht vor großen Aufgaben. Um die Spitzenverbrauchsmengen besser ausgleichen zu können, werden sehr große Anstrengungen unternommen. Allerdings muss auch klar gesagt werden, dass Trinkwasser zwar keine endliche Ressource ist, aber die verfügbare Abgabemenge technisch und wasserwirtschaftlich begrenzt ist.“

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