Islamische Gesellschaft Milli Görüs öffnet die Türen der Moschee in Obernbeck
„Der Dialog ist wichtig“

Löhne-Obernbeck (WB). Normalerweise wird in der Moschee der Islamischen Gesellschaft Milli Görüs (IGMG) an der Bahnhofstraße in Obernbeck Schulter an Schulter gebetet. Unter den derzeit geltenden Corona-Schutzverordnungen ist das nicht mehr möglich.

Montag, 05.10.2020, 03:00 Uhr
Stefan Lütkemeier (hinten, von links), Zehra Dogan, Iman Necip Erdogan, Yavuz Dogan, Egon Schewe, Edith und Teofil Nemetschek, Mehmet Tahran (Mitte, von links) Selami Özkan, Ahmet Dip, Seyma Dogan (vorne, von links) und Ahmet Dip wollen den Dialog zwischen den Kulturen in Löhne mit Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Moschee am Laufen halten. Foto: Lydia Böhne

Beim Tag der offenen Moschee (TOM) haben die Mitglieder Interessierten einen Einblick in ihr Gebetshaus, den Glauben und den durch Corona veränderten Ablauf gegeben.

Alles ist anders

Personalien für die Infektionskette erfassen, Handdesinfektion, Maskenpflicht – soweit so bekannt. Wie aber geht die Gemeinde mit dem Gebrauch der Gebetsteppiche, der in engem Kontakt zum Betenden steht, um?

„Weil sie nicht jedes Mal gewaschen werden können, muss sich jeder seinen eigenen Teppich mitbringen“, erläutert Zehra Dogan. „Davon hat jeder üblicherweise mehrere zu Hause“, ergänzt die 21-Jährige, die in der Moscheegemeinde groß geworden ist.

In den Gebetsräumen der Männer und Frauen sind die Abstände durch Klebestreifen markiert worden. Wo sonst 100 Männer und etwa 40 Frauen beten, finden so nur noch etwa 60 Gläubige Platz. „Bei trockenem Wetter haben wir meist noch den Garten hinter dem Gebäude als Fläche dazu genommen“, fügt ihr Vater Yavuz Dogan, Vorsitzender der Gemeinde, hinzu.

„Sonst beten wir hier dicht an dicht, und man spürt die Energie der Gemeinschaft. Das fehlt einem schon sehr“, bedauert Zehra Dogan. Trotzdem ist die 21-Jährige froh, dass das Gebet in der Moschee wieder möglich ist. Während des Lockdowns durfte sie für die Pflicht- und Freitagsgebete nicht geöffnet werden.

Ausweichquartier Werretalstadion

Um wenigstens den höchsten Feiertag, das Opferfest, gemeinsam zu feiern, sind die Muslime in das Werretalstadion ausgewichen. Am 31. Juli sind dort etwa 400 Gläubige aller drei Löhner Moscheen sowie Bürgermeister Bernd Poggemöller zusammengekommen.

„Das hat es mit allen Moscheen zusammen auch noch nicht gegeben. Ein besonderes Erlebnis“, findet Yavuz Dogan. Seit 1992 gehört die Gemeinde mit ihren etwa 70 Mitgliedern zur Werrestadt.

Mit der Teilnahme am TOM wollen die Muslime Interessierten ihre Kultur näherbringen und den Austausch fördern. „Es gibt immer Leute, die distanziert sind. Alles, was man nicht kennt, schreckt erstmal ab, das kann ich nachvollziehen“, meint Yavuz Dogan. Dabei haben der Islam und das Christentum laut Zehra Dogan mehr Parallelen als Unterschiede: „Die gute Nachbarschaft, die Nächstenliebe oder gut zu den Eltern zu sein sind nur Beispiele.”

Immer im Gespräch bleiben

„Der Dialog ist wichtig. Die Flamme darf nicht ausgehen“, findet Stefan Lütkemeier. Er ist Mitglied der christlich-islamischen Dialoggruppe der Volkshochschule (VHS) Löhne, die sich mehrmals im Jahr zum Meinungsaustausch trifft. Der nächste Termin zum Thema „Wie ist es, wenn Moscheen und Kirchen wegen eines Virus geschlossen sind?“ ist am Mittwoch, 4. November, 19 bis 21.15 Uhr. Ein Treffpunkt wird noch bekanntgegeben.

Zehra Dogan ist Mitglied der Dialoggruppe. Auch wenn die Akzeptanz in Löhne hoch sei, wird die 21-Jährige immer wieder auch mit unnötigen Sprüchen konfrontiert. „Geh zurück in das Land, aus dem du kommst“, zähle laut der jungen Frau noch zu den harmlosesten. „Dabei bin ich hier geboren. Mein Großvater ist damals als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Meine Familie lebt hier in der dritten Generation“, erläutert sie.

Kinder sind neugierig

In der achten Klasse habe sie sich eigenständig für das Tragen eines Kopftuchs entschieden. „Ich wollte mich dem Glauben näher fühlen“, begründet die 21-Jährige. Der optische Hinweis auf ihren Glauben erzeugt auch in ihrem Beruf als Erzieherin Aufsehen. „Die Kinder fragen, begründet durch ihre Neugier, viel nach. Ich finde, dass sie besser darin sind, einen zu akzeptieren“, stellt Zehra Dogan fest.

„Ich engagiere mich gern und bin immer offen für Fragen“, fügt sie hinzu. Was die Erzieherin hingegen ärgert, ist das Vorurteil, der Islam stünde in Zusammenhang mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). „Der Islam hat damit nichts zu tun, wir wollen ein friedliches Miteinander. Terror gehört zu keiner Religion dieser Welt“, stellt sie klar.

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