Zwei Genossenschaften wollen Mehrgenerationenprojekt in Löhne-Bahnhof realisieren
Wer bekommt den Zuschlag?

Löhne-Bahnhof (WB). Jetzt wird es spannend: Der Rat entscheidet am Mittwoch, 9. September, um 18.30 Uhr in der Werretalhalle über den Zuschlag für den Bau des Millionenprojekts Mehrgenerationenhaus auf dem Gelände der früheren Grundschule Löhne-Bahnhof. Zwei Investoren haben bei dem Wettbewerb ihre Pläne eingereicht und vorgestellt.

Freitag, 04.09.2020, 03:00 Uhr
Die alte Grundschule Löhne-Bahnhof steht seit Jahren leer. Hier soll ein Mehrgenerationenprojekt verwirklicht werden. Foto: Freya Schlottmann/Archiv

Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft (B&S) für den Kreis Herford setzt auf Offenheit, die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugenossenschaft (GSWG) Senne auf Kompaktheit. Somit müssen sich die Löhner Politiker, denen die Pläne in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses von Vertretern beider Investoren vorgestellt worden sind, für eine der höchst unterschiedlichen Varianten entscheiden.

Der Wettbewerb

Das Gebäude an der Von-Humboldt-Straße 1 wird seit Oktober 2016 nicht mehr als Grundschule genutzt. Daher ist seitens der Stadt seit längerer Zeit geplant, an dem Standort ein Mehrgenerationenwohnen zu entwickeln, welches ein gemeinsames, genera­tionsübergreifendes Miteinander in nachbarschaftlichen Strukturen fördert.

Zur Vergabe des Grundstückes wurde am 30. Januar 2020 ein Investorenwettbewerb ausgerufen, bei dem Interessenten die Möglichkeit hatten, sich mit einem baulichen Konzept und einem Kaufpreisangebot für den Grundstücksankauf zu bewerben. Der ursprüngliche Einsendeschluss von Angeboten vom 30. April wurde aufgrund der Corona-Pandemie um sechs Wochen bis zum 12. Juni verlängert. Bis zu diesem Datum gingen zwei Konzepte mit Angeboten bei der Stadtverwaltung ein.

Die Pläne der B&S

Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft mit Sitz in Bünde verfügt kreisweit über einen Wohnungsbestand von mehr als 1400 Wohnungen unterschiedlicher Größen, die von Einzelpersonen bis hin zu Wohngemeinschaften genutzt werden. Mit einem Wohnungsbestand von 255 Wohnungen ist die Stadt Löhne für die B&S ein wichtiger Standort. „Dementsprechend groß ist unser Interesse an der Entwicklung des Quartiers rund um die ehemalige Grundschule Löhne-Bahnhof“, sagt die Vorstandsvorsitzende Petra Eggert-Höfel.

Die B&S setzt dabei auf ein aufgelockertes Konzept mit vielen verschiedenen Einheiten. Das Hauptgebäude der alten Grundschule bleibt erhalten, weil es stadtteilprägend und räumlich gut geeignet sei und das „identitäre Zentrum“ des Mehrgenerationenwohnens bilden soll. Im Umfeld sind einzelne Häuser mit vielen Durchgängen vorgesehen.

„Wir bauen ein Quartier im Stadtteil und setzen auf soziale Nachhaltigkeit. Daher wollen wir auch keine Ausgrenzung, sondern Vernetzung schaffen. Dieses Anliegen wird beim Blick auf unsere Pläne sofort deutlich“, erklärt Projektplanerin Karin Janiesch.

Die Tagesstätte der Arbeiterwohlfahrt an der Königstraße würde durch einen dreigeschossigen Neubau ersetzt werden, „der an diesem städtebaulich prägnanten Standort auch dem Durchgangsverkehr der Königstraße das Entrée zum neuen Stadtviertel signalisiert“, schreibt die B&S in ihrem Nutzungskonzept.

Alle Häuser sind barrierefrei. Neben den Wohnungen und Gemeinschaftsräumen sind ein Quartiersbüro, ein Nachbarschaftstreff und eine eingruppige Kindertagespflege geplant. Es soll einen Baum- und einen Spielplatz sowie kleinere und größere Gärten, darunter auch ein Sinnesgarten, geben. Das B&S-Konzept beinhaltet Parkplätze am Rand. Der Bau einer Tiefgarage ist nicht vorgesehen.

Das Konzept der GSWG

Die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugenossenschaft (GSWG) Senne, bei der Sitzung vertreten durch Vorstandsmitglied Daniel Daldrup, nennt ihr Vorhaben „Haus der Generationen“ und versteht diesen Titel als Verpflichtung. Auch bei diesem Plan soll das Schulgebäude erhalten bleiben – allerdings nicht das Dach in der jetzigen Form, weil dieses wegen seiner Schrägen nicht für ein barrierefreies Objekt geeignet ist.

An dieser Stelle soll es größere Wohnungen im Penthouse-Stil in Staffelgeschossbauweise geben. Vom Haupthaus aus, wo eine Wohngruppe für (pflegebedürftige) Senioren mit 16 Apartments und einem Gemeinschaftsraum vorgesehen ist, zweigen verschiedene neue Gebäudeteile ab. Das Gebäude der Arbeiterwohlfahrt soll abgerissen und durch einen neuen Solitär als „Eyecatcher“ für das Quartier ersetzt werden. Die Arbeiterwohlfahrt würde dann Räume in anderen Häusern der Anlage nutzen.

Das Konzept der GSWG sieht auch den Bau einer Tiefgarage vor. Zudem bringt die Genossenschaft aus Bielefeld-Senne die Ansiedlung einer Arztpraxis ins Gespräch und habe diesbezüglich auch schon Kontakte gehabt. Das gelte auch für die geplante Zusammenarbeit mit sozialen Dienstleistern.

Besonders Bonitas, die Arbeiterwohlfahrt und Britta Lehmann vom Seniorenzen­trum An der Werre in Löhne seien sehr an einer Kooperation und der Einrichtung einer Tagespflege interessiert. Auch die Einrichtung eines Weiterbildungszentrums ist in einer Variante angedacht.

Kommentar

Das Mehrgenerationenprojekt auf dem Gelände der alten Grundschule Löhne-Bahnhof ist stadtbildprägend und zukunftsweisend. Da ist es nur allzu verständlich, dass die Politiker am Mittwochabend unmittelbar nach der Vorstellung der Pläne noch keine Entscheidung treffen wollten. Eine Woche lang haben die Fraktionen nun noch Zeit, um sich Gedanken über die Vor- und Nachteile der beiden Konzepte zu machen. Dann wird abgestimmt. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird: Löhne gewinnt – so oder so.

 

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