Unbekannte rufen zu Gewalt gegen Löhner Bürger-Allianz auf – Staatsschutz ermittelt
Nach AfD-Kandidatur: Mitgründer Erich Maack (95) muss LBA verlassen

Löhne (WB). In der Nacht zu Montag sind in Gohfeld zahlreiche Plakate der Löhner Bürger-Allianz (LBA) zerstört und mit verfassungsfeindlichen Motiven beschmiert worden. Zudem wurde zur Gewalt gegen LBA-Mitglieder aufgerufen. Darauf hin ermittelt nun der Staatsschutz in Bielefeld.

Dienstag, 11.08.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 19:48 Uhr
Erich Maack (95) zieht eine Kreistagskandidatur für die AfD einer Stadtratskandidatur für die Löhner Bürger-Allianz (LBA) vor. Nun muss das LBA-Gründungsmitglied die Wählervereinigung verlassen. Foto: dpa

Auslöser ist nach Einschätzung des LBA-Vorsitzenden und Bürgermeisterkandidaten Dr. Hermann Ottensmeier der Trubel um Erich Maack, Ehrenvorsitzender und Gründungsvater der Wählervereinigung. Der 95-Jährige hat sich laut Ottensmeier „zur Überraschung aller LBA-Mitglieder“ als AfD-Kandidat für die Kreistagswahl aufstellen lassen. Er kandidiert im Kreiswahlbezirk 8 (Löhne-Bahnhof und Obernbeck).

Seit 2001 – dem Gründungsjahr der LBA – hat Erich Maack die Geschicke und Positionen der LBA mitgestaltet, saß im Stadtrat und agierte als Ansprechpartner für die Bürger in Löhne. Zuletzt hat er nach Ottensmeiers Angaben noch regelmäßig an Versammlungen und Fraktionssitzungen der Wählervereinigung teilgenommen.

„In all den Jahren der Zusammenarbeit ist Erich Maack nie mit problematischen politischen Äußerungen aufgefallen“, sagt Hermann Ottensmeier. Es habe zuvor keine Anzeichen einer Doppelkandidatur von Erich Maack gegeben. Niemand in der Wählervereinigung habe Bescheid gewusst.

Lieber AfD als LBA

Um Schaden vom Wahlkampf der LBA abzuwenden, habe man dem Ehrenvorsitzenden am Montag mitgeteilt, dass nur eine Kandidatur möglich sei. Denn neben seiner Kreistagskandidatur für die AfD hat sich Erich Maack im Wahlbezirk 1 (Ulenburg) für die LBA als Kandidat für den Löhner Stadtrat aufstellen lassen.

Nach Auskunft des LBA-Vorsitzenden habe sich der 95-Jährige am Montag gegen die LBA-Kandidatur entschieden und auch seine Mitgliedschaft in der Wählervereinigung beendet. „Diese Entscheidung kam für uns unerwartet“, sagt Hermann Ottensmeier. Ob der Platz nun neu besetzt wird oder ob Erich Maack von der Liste gestrichen wird, ist bislang unklar. Der Vorsitzende habe Erich Maack „privat nichts vorzuwerfen“ und ist nach wie vor der Überzeugung, dass „Erich Maack für eine demokratische Politik steht“.

Als Folge des Bekanntwerdens der Kreistagskandidatur von Erich Maack für die AfD sieht Hermann Ottensmeier die Beschädigungen von Wahlplakaten in Gohfeld. „Rassisten“ und „Nazis“ ist auf die Wahlplakate entlang der Weihestraße gesprüht, und es wird an einer Betonmauer zum Kampf gegen die LBA aufgerufen – auch Hakenkreuze sind auf einige Plakate gesprüht worden.

LBA-Plakate beschmiert

„Der Fall ist bei uns am Montagnachmittag zu Anzeige gebracht worden“, sagt Uwe Maser, Sprecher der Kreispolizei Herford. Da verfassungswidrige Zeichen zu sehen seien und zu einer politisch motivierten Tat aufgerufen worden sei, hätten die Beamten umgehend den Staatsschutz informiert.

Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätige dessen Sprecher Michael Kötter, dass der Staatsschutz nun die Ermittlungen aufgenommen habe. Einem bestimmten politischen Milieu wollte der Sprecher die Tat nicht zuordnen. Abgesehen davon ist laut Polizei der Inhaber für die Beseitigung der Plakate mit verfassungswidrigen Zeichen zuständig.

Der LBA-Vorsitzende ist sich bereits sicher, wem solch eine Tat zugeordnet werden kann. „Nach meinen Einschätzungen sind das Personen aus dem linksradikalen Milieu gewesen“, sagt Ottensmeier. Diese Menschen würden nun versuchen, die LBA mit Anspielungen auf das Dritte Reich in Misskredit zu bringen.

Eine „sachliche Grundlage“ gibt es laut Ottensmeier dafür nicht. Er sieht vielmehr nun Landrat Jürgen Müller in der Pflicht, für eine „freie und demokratischen Durchführung der Kommunalwahl ohne Repressionen gegen Stadtrats- und Bürgermeisterkandidaten“ zu sorgen. Ottensmeier: „Gewalt gegen Parteien und Politiker darf nicht einfach als Normalfall hingenommen werden.“

Kein Rückzug

Deshalb nicht politisch aktiv zu bleiben, kommt für Hermann Ottensmeier nicht in Frage. „Das wäre das falsche Signal gegenüber der Radikalen. Es ist nach wie vor unser Ziel, künftig als starke Partei im Stadtrat vertreten zu sein, nur so können wir für die Löhner Bürger da sein“, sagt Ottensmeier. Er geht nicht davon aus, dass sich die Löhner Wähler von den „demagogischen Angriffen“ auf die LBA abschrecken lassen.

Trotz allem bedauert Hermann Ottensmeier den Abschied von Erich Maack. „Er hat maßgeblich die LBA in den Anfangsjahren geprägt. Das ist schon ein Verlust für uns“, sagt er. Erich Maack ist am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen gewesen. Vor seiner Zeit in der LBA war Maack Mitglied in der CDU. Von 1969 bis 2005 war er zudem bereits Mitglied des Löhner Stadtrates.

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