Lkw-Lärm in Gohfeld: Stadt, Logistikunternehmen und Bürgerinitiative diskutieren im Rathaus
Disput um die „verbotene Zone“

Löhne (WB). „Wir hängen genauso in der Luft wie vorher“, sagt Kirsten Sundermeier. Die Sprecherin der Bürgerinitiative „Macht Gohfeld leiser“ bezeichnet die öffentliche Sitzung, zu der Bürgermeister Bernd Poggemöller die Anwohner rund um die Weihestraße am Dienstag eingeladen hatte, als „Enttäuschung“. Neben etwa 50 Anwohnern waren auch Vertreter der ortsansässigen Logistikzentren von Hermes, Kemena und Kottmeyer anwesend.

Mittwoch, 05.08.2020, 03:37 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 16:40 Uhr
Etwa 50 Anwohner haben mit Bürgermeister Bernd Poggemöller und den Vertretern dreier Logistikunternehmen über die Verkehrssituation in Gohfeld diskutiert.  Foto: Lydia Böhne

Laut Kerstin Sundermeier sei es erschreckend, dass sich erst eine Bürgerinitiative gründen müsse, bevor Politik und Firmen reagieren. Die Sprecherin der Initiative spielte damit auf Briefe an, in denen Bürger bereits in der Vergangenheit mehrfach ihren Ärger über den Verkehrslärm im Gohfelder Ortskern geäußert hatten.

Ein Vorwurf, dem Michael Dildey, Geschäftsführer des „Hermes Einrichtungs Service“ (HES), widersprach: „Wir haben das Thema wahrgenommen, weil es offensichtlich ist.“ Ob die Stadtverwaltung aus eigener Initiative schon im Vorfeld mit der Problematik an das Unternehmen herangetreten sei, wollte Heidi Tegtmeier von der Bürgerinitiative wissen. Eine Frage, die Andreas Stumpf von Hermes Fulfilment aus Hamburg bejahte. Wieso erst jetzt Bewegung in die Angelegenheit kommt, konnte nicht geklärt werden.

Viel Verständnis

Um mit den Anwohnern gemeinsam eine Lösung zu finden, sei Michael Dildey kurz nach der Gründung der Bürgerinitiative im Juli an die Gruppe herangetreten, berichtet Klaus Nieburg, Sprecher der Bürgerinitiative. Auch bei der Sitzung im Rathaus zeigte sich der Geschäftsführer verständnisvoll und kompromissbereit.

Um den Bürgern entgegenzukommen, habe das Unternehmen mehrere Maßnahmen zur Reduzierung der Verkehrsbelastung ergriffen: „Wir haben die Transportunternehmer, die im Auftrag von Hermes unterwegs sind, aufgefordert, die B611 zu befahren, und es wurden Flyer in mehreren Sprachen verteilt, die die Route zum Scheidkamp visualisieren.“ Gohfeld werde intern schon die „verbotene Zone“ genannt, ergänzte Dildey.

Wer die „verbotene Zone“ dennoch befahre, müsse laut des Geschäftsführers mit einer Ermahnung rechnen. Nachvollziehbar machen die zurückgelegte Strecke die mit GPS ausgestatteten Wechselbrücken an den Lkw. Das Unternehmen möchte prüfen, ob so auch eine Geschwindigkeit messbar ist. Anwohner hatten mehrfach das hohe Tempo beklagt. Anfang Juli habe Hermes eigenständig eine Verkehrszählung zwischen 6 und 20 Uhr vorgenommen, um zu eruieren, wer die Weihestraße befährt.

Da diese nicht repräsentativ sei, zitierte Michael Dildey keine Zahlen daraus. Die Zählung hätte jedoch ergeben, dass die Anzahl der Hermes-Transporte in Gohfeld nur noch sehr gering sei. Dazu beigetragen habe neben der Maßnahmen auch der Bau eines neuen Logistikzentrums in Ansbach, das den Standort Löhne entlastet und die Transporte laut Michael Dildey um 30 Prozent reduziere.

Verkehrszählung kommt

Die Anwesenden konnten bestätigen, dass nur noch wenige Hermes-Lkw die Ortsmitte passieren und die Maßnahmen erste Wirkung zeigen. Der Geschäftsführer des HES gab allerdings auch zu bedenken, dass die Weihestraße offiziell für Schwerlasttransporte freigegeben sei. Für ihn sei es unumgänglich, dass die Linksabbiegespur auf der Knickstraße fertiggestellt wird. Bürgermeister Bernd Poggemöller tue es leid, dass die Anwohner die Leidtragenden der Verzögerung der Anschlussstelle zum Gewerbegebiet Scheidkamp seien.

Entlastung erhoffen sich die Anwohner mit der Sperrung des Großen Kamps im Zuge der Baumaßnahme. Den Vorschlag, die Zuwegung zum Indus­triegebiet schon vorher zu sperren, kommt für den Bürgermeister nicht in Frage: „Wir müssen den Suchverkehr umleiten und die Auswirkungen auf andere Straßen bedenken. Eine Sperrung können wir nur vornehmen, wenn es belastbare Zahlen gibt. So ist der Verfahrensgang.“

Der nächste Schritt sei daher, nach den Sommerferien mit einer zweiwöchigen Verkehrszählung zu beginnen. Für die Sitzung am Dienstag hatte sich Straßen NRW wegen personeller Engpässe entschuldigen lassen, aber mitgeteilt, dass für 2022/23 eine Sanierung der Weihestraße vorgesehen sei, bei der eine lärmreduzierende Fahrbahndecke angedacht werde.

Das nächste Treffen der Bürgerinitiative ist am 1. September, um 20 Uhr in der Gaststätte Kurkönig, Koblenzer Straße 11.

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