Gerhard Sowa leitet seit 40 Jahren die Städtische Musikschule in Löhne
„Ich liebe Trompete über alles“

Löhne (WB). Personalleiter, Finanzverwalter und Eventmanager zugleich – so versteht sich Gerhard Sowa in seiner Funktion als Leiter der Städtischen Musikschule Löhne. Auf den Tag genau seit 40 Jahren leitet er die Geschicke der Einrichtung. Als Musikpädagoge hat der 63-Jährige außerdem in mehreren Generationen die Begeisterung für den Instrumentalunterricht geweckt. „Es macht einfach Spaß, diese Freude weiterzugeben“, sagt er.

Mittwoch, 15.07.2020, 07:25 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 07:28 Uhr
Seit 40 Jahren leitet Gerhard Sowa die Musikschule der Stadt Löhne. Er ist dort außerdem für die Blechbläser- und Klavierausbildung zuständig. „Ich habe einfach Spaß, zu unterrichten. Dass die Schüler von damals inzwischen ihre eigenen Kinder zu mir schicken, zeigt, dass die Wertschätzung geblieben ist", sagt der 63-Jährige.

Beinahe wäre Gerhard Sowa Gymnasiallehrer für Musikunterricht geworden – wäre da nicht diese Zeitungsanzeige gewesen, in der die Stadt Löhne einen Leiter für die örtliche Musikschule gesucht hat. Eine Gelegenheit, die der junge Student sofort am Schopf gepackt hat. „Ich steckte eigentlich mitten in den letzten Uni-Prüfungen“, erinnert sich Sowa. Trotzdem durfte der gebürtige Bad Oeynhausener am 15. Juli 1980 den Leitungsposten antreten.

Sprung ins kalte Wasser

Erfahrungen als Lehrer hatte Gerhard Sowa durch seine Tätigkeit als studentische Lehrkraft an der Musikschule in Bad Oeynhausen bereits gesammelt, nur die Verwaltungsarbeit stellte eine neue Herausforderung dar. „Heute gibt es spezielle Ausbildungsgänge dafür“, ergänzt er. Den Sprung ins kalte Wasser würde Gerhard Sowa nach eigener Aussage heute so nicht mehr wagen. „Es wäre schön gewesen, ein paar blutige Nasen weniger gehabt zu haben“, bilanziert er mit einem Lachen.

Bereuen würde er die Entscheidung von damals trotzdem nicht. Die Musikschule war gerade einmal neun Jahre alt und befand sich noch im Aufbau, als Gerhard Sowa das Steuer – damals noch am Standort an der Schierholzstraße – übernahm. „Es gab etwa 600 Schüler und 46 Lehrer, die 210 Wochenstunden gehalten haben. Heute sind es 1350 Schüler und 35 Lehrer, dafür 450 Stunden die Woche“, weiß Gerhard Sowa zu berichten.

Schadstoffe im Neubau

Auch am Standort Schierholzstraße habe er immer versucht, die Musikschule weiterzuentwickeln. Der große Meilenstein erfolgte 2011, als die Musikschule in das von Professor Ulrich Findeisen gestiftete Gebäude gegenüber der Werretalhalle umzog – ein Bau, der speziell auf die Bedürfnisse der Musikschule zugeschnitten wurde. Um die Aufteilung im Innern durfte sich Gerhard Sowa kümmern. „Keine leichte Aufgabe. Ich bin schließlich kein Architekt. Aber ich wusste genau, was man als Musikschule braucht“, ergänzt der 63-Jährige in diesem Zusammenhang.

Auch als der Fund von Schadstoffen dafür sorgte, dass der frisch bezogene Neubau vorerst wieder geräumt werden musste und die Musikschule vor dem Wiedereinzug zwei Jahre auf gepackten Umzugskartons saß, manövrierte Gerhard Sowa die Einrichtung souverän durch die Krise.

Fest im Park am Schloss

Zu den Höhepunkten seiner Berufszeit zählt der Musikpädagoge die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Musikschule, das 1996 mit einem Festival im Park am Schloss Ulenburg gefeiert wurde. „Über den Tag haben wir 10.000 Besucher gehabt“, schwärmt Gerhard Sowa.

Woher seine Affinität zur Musik rührt, kann der 63-Jährige nur vermuten: „Bei uns wurde immer viel gesungen in der Familie, meine Eltern waren beide im Chor.“ Eine Leidenschaft, die sich mit dem Erlernen des ersten Instruments festigte: „Wir hatten eine Musiklehrerin, die Akkordeon unterrichtet hat, also wurde das gelernt. Den Luxus einer großen Ausbildung wie heute gab es damals nicht“, sagt Gerhard Sowa. Inzwischen ist die Trompete das Lieblingsinstrument des Leiters: „Ich liebe Trompete über alles.“ Außerdem spielt der Löhner sämtliche Tasteninstrumente, hat vor wenigen Jahren zudem gelernt, Orgel zu spielen.

„Kleine Erfolge beflügeln“

Seine Freude an der Musik habe er immer versucht, an die Schüler weiterzugeben. „Kleine Erfolge beflügeln natürlich und es ist großartig, wenn man das Glück hat, den Werdegang von Profis begleiten zu dürfen. Aber die große Kunst ist es, die Freude am Spiel aufrechtzuerhalten“, erläutert Gerhard Sowa.

Das 50-jährige Berufsjubiläum wird der 63-Jährige wohl nicht mehr feiern. „Ich werde voraussichtlich bis 66 arbeiten. Ob ich aber so lange auch Leiter der Musikschule bleibe, weiß ich noch nicht“, gesteht der Löhner. Ein Leben ganz ohne Musikschule – für Gerhard Sowa zum jetzigen Zeitpunkt noch unvorstellbar.

Musikschule und Corona

„Es ist schön, wie die Löhner zu ihrer Musikschule stehen", lobt Gerhard Sowa. Auch unter Corona-Bedingungen werde das Angebot gut angenommen und eine befürchtete Abmeldewelle sei bisher ausgeblieben. „Wir konnten den Lehrbetrieb noch nicht auf 100 Prozent hochfahren und hoffen, dass wir nach den Ferien zum normalen Betrieb übergehen können", ergänzt er.

2021 großes Jubiläum

2021 feiert die Musikschule 50-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums sind viele Veranstaltungen geplant. „Wir müssen abwarten, wie es sich mit Corona entwickelt. Geplant ist aber eine Art Veranstaltungsreihe von April an sowie ein großes Festival im Sommer", sagt Gerhard Sowa.

Zur Person

Neben der Leitung ist Gerhard Sowa für die Blechbläser- und Klavierausbildung sowie die Orchesterleitung zuständig. Der Musikpädagoge hat zudem ein Musiklehrerdiplom für Trompete und ein Lehramtsstudium für Musik an Gymnasien absolviert. Zu seinem beruflichen Profil zählt zudem eine Kapellmeisterausbildung an der Musikhochschule in Detmold.

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