Baldiger Baustart in Tansania – Jessica Meisner hat bereits 25.000 Euro gesammelt
Waisenheim aus Plastikflaschen

Löhne (WB). Ein Haus aus Plastikflaschen? Was im ersten Moment kurios klingt, könnte in Tansania bald Wirklichkeit werden und 100 Waisen- und Straßenkindern in Zukunft ein Zuhause bieten. Seit einem Jahr setzt sich Jessica Meisner aus Gohfeld für den Bau eines Kinderheims dort ein. Durch eine überraschende Bekanntschaft kommt jetzt neue Bewegung in das Vorhaben.

Dienstag, 14.07.2020, 07:15 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 14:16 Uhr
Einige „Plastikflaschen-Heime“ für Waisenkinder sind schon gebaut worden. Foto: Jessica Meisner

In den vergangenen Monaten hat sich die Idee von Jessica Meisner zu einem Selbstläufer entwickelt. Nach einem Freiwilligendienst in einem Waisenhaus in Tansania hatte die Gohfelderin beschlossen, in Eigeninitiative eine Spendenkampagne für den Bau eines eigenen Heims zu starten. Das Grundstück im Bezirk Moshi, einer Stadt am Fuße des Kilimandscharos, war schnell gefunden. Vor wenigen Wochen erfolgte die Gründung des Vereins „Schenk Kindern eine Zukunft e.V“ (diese Zeitung berichtete). „Man kann als aktives Mitglied oder als Fördermitglied beitreten“, erläutert Jessica Meisner. Die Webseite des Vereins ist erst seit Kurzem online. „Tobias Pille aus Lemgo hat sie uns als Spende eingerichtet“, berichtet die 23-Jährige.

Flaschen als Bausubstanz

Über einen Zeitungsartikel ist Rainer Braehler auf das Engagement der Lehramtsstudentin aufmerksam geworden und hat sich mit ihr in Verbindung gesetzt. „Ein Sechser im Lotto“, sagt Jessica Meisner. Rainer Braehler stammt aus Wiesbaden und bietet regelmäßig touristische Touren in Tansania an. „Er hat Ahnung von dem Leben vor Ort, kennt sich aus und hat super Kontakte“, sagt die Vereinsgründerin.

Basierend auf seinen Kontakten hatte Rainer Braehler angeregt, das Waisenhaus aus PET-Flaschen nach einer von Andreas Froese entwickelten Methode zu bauen. Der Ingenieur und gebürtige Herforder hat 2001 die Firma Eco-Tec gegründet, mit der er aus Plastikflaschen Häuser baut. Yahaya Ahmed ist ein Bekannter von Rainer Braehler, hat in Deutschland bei Andreas Froese die Bauweise studiert und in seiner Heimat Nigeria schon Häuser nach diesem innovativen Verfahren gebaut. „Yahaya wird die Baupläne für unser Waisenhaus erstellen und die Arbeiter vor Ort instruieren“, erläutert Jessica Meisner. Den Bau leiten wird Rainer Braehlers tansanischer Freund Elias Lyimo.

Willkommene Unterstützung

Über die Unterstützung von Rainer Braehler, der sich um Organisation, Kommunikation und Vermittlung kümmert, freut sich Jessica Meisner sehr: „Besser geht’s nicht.“ Auch von dem Upcycling-Projekt ist die Löhnerin überzeugt: „In Tansania ist die Vermüllung ein echtes Problem. Die Wasserqualität ist teilweise so schlecht, dass auch die Einheimischen Wasser aus Plastikflaschen trinken. Da es kein Pfandsystem wie bei uns gibt, verschmutzen die Flaschen oft die Umwelt.“ Neben dem Umweltschutz gibt es weitere Vorteile: Die PET-Häuser sind erdbebensicher, brandsicher, sorgen für eine bessere Wärmezirkulation, können wegen der einfachen Bauweise vor Ort Arbeitsplätze schaffen und sind günstiger. „Wir werden über eine halbe Million Flaschen brauchen. Aktuell warten wir auf ein Angebot“, erläutert Jessica Meisner. „Ein Unternehmen sammelt die Flaschen vor Ort und türmt sie zu Müllbergen auf. Sie können eigentlich froh sein, dass wir ihnen so viele abnehmen“, meint sie in diesem Zusammenhang.

25.000 Euro gesammelt

Da die Plastikflaschen in Tansania nicht als lizenzierte Baustoffe ausgewiesen sind, war eine Genehmigung von Nöten. „Aber Rainer hat Kontakte zur Ministerin vor Ort“, sagt Jessica Meisner. Vor Kurzem hat die Gohfelderin die Spendensumme von 25.000 Euro geknackt. 70.000 Euro hatte sich die 23-Jährige ursprünglich als Zielmarke gesetzt, um das Waisenhaus zu bauen. Wegen der neuen Baumethode soll das Heim nun günstiger werden. Somit könnte schon bald mit dem Bau begonnen werden. Die 23-Jährige ruft trotzdem dazu auf, weiterhin zu spenden: „Wir wollen vielleicht noch ein Nachbargrundstück kaufen, auf dem dann zur Selbstversorgung Landwirtschaft betrieben werden kann.“ Für den Herbst plant die Studentin, für etwa sieben Wochen nach Tansania zu reisen. „Rainer ist dann wahrscheinlich auch da“, ergänzt sie. Sie habe das Gefühl, sie würden sich schon ewig kennen. Das erste richtige Treffen nach unzähligen Telefonaten könnte schon bald stattfinden. „Rainer hat Verwandtschaft in Bielefeld und könnte die Besuche verbinden“, sagt Jessica Meisner.

Der Verein ist auf Instagram unter @schenkkinderneinezukunfte.v zu finden. Jessica Meisner ist unter der Rufnummer 0152/55261843 oder per E-Mail an jessica.meisnerff@gmx.de zu erreichen. Der Verein hat die Internetadresse www.schenk-kindernzukunft.de

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