Bürgerinitiative gegründet: Weniger Lärmbelastung durch Lkw ist erklärtes Ziel
„Macht Gohfeld leiser!“

Löhne (WB). „Wir Gohfelder müssen jetzt etwas tun – dringend! Unsere Geduld ist am Ende und wir lassen uns nicht mehr vertrösten“, stellt Heidi Tegt­meier fest. Die Löhnerin ist den Lkw-Lärm an der Weihestraße in der Gohfelder Ortsmitte leid und hatte deshalb zur Gründung der Bürgerinitiative „Macht Gohfeld leiser!“ geladen (diese Zeitung berichtete). 25 Anwohner sind am Freitag zur Gründungsversammlung gekommen, „aber es werden noch viel mehr Leute mitmachen“, ist sich Heidi Tegtmeier sicher.

Montag, 06.07.2020, 07:45 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 07:50 Uhr
Kirsten Sundermeier und Klaus Nieburg sind bei der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative „Macht Gohfeld leiser!” als Sprecher ernannt worden. Die Anwohner sind vom Lkw-Lärm genervt. „In Gohfeld brodelt es schon lange, jetzt muss etwas passieren”, sagt Kirsten Sundermeier. Das nächste Treffen ist für den 4. August in der Gaststätte „Kurkönig“ geplant. Foto: Lydia Böhne

Wäre ihr Corona nicht dazwischen gekommen, hätte sie die Bürgerinitiative schon viel früher gegründet, sagt Heidi Tegtmeier. Dass so viele „Verkehrslärm-Geschädigte“ zur ersten Versammlung erschienen sind, freut die Löhnerin, deren Elternhaus an der Weihestraße steht. Aus eigener Erfahrung weiß sie: „Der Lärm macht krank, das ist kein schönes Wohnen.“ Dem können die leidgeplagten Anwesenden nur zustimmen. Deshalb steht für sie fest: „Es muss etwas passieren.“

Weiteres Gespräch im Rathaus

Denn obwohl seit der Öffnung der B 611 die Industriegebiete „Großer Kamp“ und „Am Hellweg“ mit den Autobahnen A30 und A2 verbunden sind, rauschen die Lkw reihenweise durch die Gohfelder Ortsmitte. Die versprochene Verkehrsberuhigung, auf die die Anwohner seit drei Jahren gewartet haben, sei bisher nicht eingetreten. Bei einer Bürgerversammlung im Rathaus, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, sei es laut der Löhnerin „heftig zur Sache gegangen“.

In vier bis sechs Wochen soll es laut der Initiatorin ein erneutes Gespräch geben. Trotzdem sind bisher alle Bemühungen erfolglos geblieben. Heidi Tegtmeier wünscht sich deshalb richtige Aktionen, die in Richtung der Politik ein Zeichen setzen. Als größere Interessengemeinschaft habe man in ihren Augen gleich ein ganz anderes Auftreten. „Ich kenne kein Mitglied des Stadtrates, das dort wohnt. Sonst wäre mit Sicherheit schon viel schneller etwas passiert“, meint die Löhnerin. Heidi Tegtmeier selbst wolle sich bei der Organisation der Initiative aber lieber im Hintergrund halten. Die Aktivitäten der Gruppe sollen künftig die neu auserkorenen Sprecher Kirsten Sundermeier und Klaus Nieburg koordinieren.

Protestaktionen geplant

Kirsten Sundermeier wohnt seit 1997 an der Hochstraße. Die 53-jährige Finanzbuchhalterin hat schon privat mit einem Schild an der Straße gegen den Lärm protestiert. Der zweite Sprecher ist Klaus Nieburg. Seit zehn Jahren wohnt der 49-jährige Kardiotechniker an der Wibbeltstraße. Nach ihrer Wahl wollen die Sprecher zunächst das von Heidi Tegtmeier gesammelte Material sichten, sich beispielsweise den Schriftverkehr mit dem Unternehmen Hermes anschauen. Auch über erste Protestaktionen haben die Anwesenden bei ihrem ersten Treffen am Freitagabend beraten.

Verbot für schwere Lkw?

Vorschläge sind unter anderem: Fahrzeuge an der Weihestraße abstellen, um das Durchkommen für den Verkehr beschwerlicher zu machen. So sollen die Lkw-Fahrer die Lust verlieren und schließlich den eigentlichen Weg nutzen: die B 611. Vorstellbar wäre außerdem ein Protestlauf inklusive Sperrung der Straße. Durch den Rückstau würde man sehen, wie viele Lkw den Weg durch die Ortsmitte immer noch nutzen. In Erwägung ziehen die Anwohner auch das Erwirken eines Durchfahrtverbots für Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht. Da sowohl die Weihestraße als auch die Koblenzer Straße Landesstraßen sind, sei der Landesbetrieb Straßen NRW in die Gespräche einzubeziehen.

Als Ergänzungen stehen ein neuer Slogan, ein Logo, Sticker oder Banner auf der Themenliste für die kommenden Versammlungen. An jedem ersten Dienstag im Monat möchte die Initiative künftig tagen. Treffpunkt ist jeweils um 20 Uhr die Gaststätte Kurkönig, Koblenzer Straße 11. Das nächste Treffen ist am 4. August. Die Mitglieder haben sich außerdem über einen E-Mail-Verteiler vernetzt.

Im Anwohnerinteresse

„Die Bürgerinitiative hat nichts mit der eigenen politischen Arbeit zu tun”, stellen Heidi Tegtmeier und Kirsten Sundermeier klar. „Auch wenn ich Politikerin der Grünen bin, ist die Gründung der Initiative nicht politisch motiviert. Meine Familie wohnt immer noch in meinem Elternhaus an der Weihestraße”, bekräftigt Heidi Tegtmeier. Die neue Sprecherin, Kirsten Sundermeier, ist zwar Mitglied in der Löhner-Bürger-Allianz, betont aber in diesem Zusammenhang: „Ich bin hier als Anwohnerin, nicht als Politikerin.”

Kommentare

Michael Kahlert  wrote: 09.07.2020 13:58
Rücksichtslose LKW-Fahrer
Die LKW's fahren trotz der Freigabe der B611 immer noch viel zu häufig quer durch den Ort. Auch wenn der Anschluss noch nicht für beide Richtungen komplett ist, wird diese Verbindung von vielen LKW-Fahrern weiterhin ignoriert. Bei so viel Dummheit sind die Steuergelder für die Anbindung der B611 vielleicht doch vergeblich ausgegeben. Die LKW'S werden außerdem überall im Dorf abgestellt und es werden schmale Anwohnerstrassen als Zufahrt genutzt und die vorhandene Infrastruktur kaputt gefahren.
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