Bereits 130 Aussteller für wichtige Fachveranstaltung der Küchenbranche angemeldet
„Area 30“ im Bannkreis von Corona

Löhne (WB). Was wird aus den Küchenmöbel-Events im Herbst? Hersteller, Veranstalter und Träger haben unterschiedliche Blickwinkel auf das mögliche Messe-Ereignis. Da ist Hoffnung auf einen starken wirtschaftlichen Impuls. Da laufen Vorbereitungen und Planungen. Aber: Es gibt auch Bedenken im Hinblick auf unternehmerische Verantwortung. Ein Überblick über verschiedene Positionen.

Freitag, 05.06.2020, 03:10 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 05:02 Uhr
Die Messe „Area 30“ auf dem Löhner Festplatz ist im Herbst ein Treffpunkt der weltweiten Küchenindustrie. Ob die Messe auch in diesem Jahr stattfindet, kann niemand genau sagen. Fest steht, dass das Coronavirus für Veränderungen sorgen wird. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Matthias Berens fasst sein Statement in einem Satz zusammen: „Ich brauche nicht um jeden Preis eine Messe“, sagt der Geschäftsführer von Bauformat-Küchen. Das überrascht. Denn, so sagt er noch im selben Satz, durchschnittlich kommen etwa 3500 Messebesucher allein in einer Woche – allerdings unter „normalen Umständen“. Ob das in diesem Jahr auch so wäre, daran zweifelt Berens. Nicht nur wegen des hohen Anteils ausländischer Besucher, der bei Bauformat immerhin bei über 30 Prozent liegt und der aufgrund der eingeschränkten Reisemöglichkeiten unwahrscheinlich wäre.

Risiko und Chancen abwägen

Nein, Berens hat andere Gründe, die ihn verhalten auf die bedeutendste Messe im „Land der Küchenbauer“, wie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Nordrhein-Westfalen kürzlich bezeichnet haben soll, blicken lassen. „Das Herzstück einer solchen Messe besteht in der menschlichen Begegnung“, führt Berens aus. Und meint: Der Sachbearbeiter des Küchenmöbel-Herstellers trifft bei diesem Ereignis auf Einkäufer und Marketingmenschen, auf Händler und Komplementäre.

„Aus dieser Begegnung entsteht der gemeinsame Erfolg“, weiß Berens. Man kennt sich, man vertraut sich. Absprachen auf kurzen Wegen und kreativer Austausch – alles in einer „Atmosphäre, die zwanglos ist, Freude macht und allen ein gutes Gefühl gibt”, so Berens. Genau hier liege aktuell das Problem, sagt er.

Messe ein beachtlicher Kostenfaktor

Denn: „Wie soll das gehen, wenn Absperrbänder für Sicherheitsabstand sorgen, ein herzliches Händeschütteln quasi verboten ist, und das Catering, wenn überhaupt zulässig, vom Gesundheitsamt reglementiert wird?“, fragt er. Bauformat versteht sich als „The kitchen family“ – da ist der Name mehr als Programm. Es ist ein klares Vertrauensbekenntnis zu Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern. Die Präventionsregularien zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlebt Berens hier als kontraproduktiv.

„Wie wollen wir unter solchen Umständen erfolgreich sein?“, stellt er in den Raum. Schließlich sei die Messe ein beachtlicher Kostenfaktor. „Die Ausgaben finden wie gewohnt statt – aber der „return on investment“ der Nutzen, ist der gewährleistet?“, fragt der Geschäftsführer.

Nicht zuletzt sieht er sich mit seiner vorsichtigen Zurückhaltung in Sachen Herbstmesse auch in der unternehmerischen Verantwortung: „Wir haben die Gesundheit unserer Marktpartner und Mitarbeiter unbedingt im Blick. Da muss man fragen dürfen, wie verhindert werden soll, dass ein solches Mega-Event nicht erneut zur Drehscheibe von Infektionen wird“, stellt er in den Raum.

Veranstalter verhalten optimistisch

Die Marketinggemeinschaft A30 Küchenmeile lässt in ihrer Pressemitteilung verlauten, die Hersteller freuten sich auf September. Insgesamt 28 Mitgliedsunternehmen arbeiteten derzeit „auf Hochtouren“ an der Neu- und Weiterentwicklung ihrer Produkte. Mitarbeiterin Yvonne Davy versichert, dass während der Kernöffnungszeiten der sogenannten Showrooms „alles unter Einhaltung jeglicher zu diesem Zeitpunkt gesetzlich vorgeschriebener Sicherheitsvorkehrungen geschehen werde“.

Zuversichtlich zeigt sich auch Michael Rambach, Gesellschafter von Trendfairs GmbH und Veranstalter der „Area 30“. Aktuell seien schon mehr als 130 Aussteller und Marken angemeldet – deutlich mehr als im Vorjahr. Er glaube, gemeinsam mit den Herstellern, an eine gute Entwicklung für den Kauf von Küchen und somit auch an gute Geschäfte im Herbst, sagt Rambach.

Da bei dem Fachmesseveranstalter die Besucher im Voraus gemeldet sind, versichert Rambach, man werde in direktem Austausch versuchen, die Besucherströme zu steuern und werde selbstverständlich alle Hygieneauflagen umsetzen. „Die ‚Area 30‘ ist für die meisten Aussteller die mit Abstand wichtigste Fachveranstaltung der Küchenbranche. Wir werden alles tun, um eine angenehme und sichere Veranstaltung zu absolvieren“, beteuert der Messeveranstalter.

Sicherheit geht bei Bürgermeister vor

Das Messe-Highlight im Herbst ist auch für den Bürgermeister ein Aushängeschild. „Die Küchenmöbel-Messe ist ein wichtiges Signal, nicht nur für unseren Standort, sondern weit darüber hinaus“, sagt Bernd Poggemöller. Die „wirtschaftsfreundliche Haltung des Landes“ freut den Bürgermeister.

Aber er bleibt verhalten optimistisch: „Der maßvolle Stufenplan für Nordrhein-Westfalen sieht Fachmessen wieder vor ab Ende Mai. Damit gäbe es ein grundsätzliches „go“ für diese Messe“, sagt er. Doch: „Wichtig ist, dass wir wachsam bleiben. Eine sogenannte zweite Welle würde alles ändern. Also bleibt Sicherheit oberstes Gebot. Sowohl lange im Voraus als auch unbedingt während der Veranstaltung“, stellt der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung klar.

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