Erster ökumenischer Autogottesdienst in Löhne wird gut angenommen
Der Segen kommt aus dem Radio

Löhne (WB). Der Platz wird zugewiesen, der Liedzettel durchs Autofenster gereicht und der Segen durchs Radio empfangen: In Zeiten von Corona geht auch die Kirche ungewöhnliche Wege. Zum ersten Mal haben die evangelischen, freikirchlichen und katholischen Gemeinden in Löhne am Pfingstmontag gemeinsam einen ökumenischen Autogottesdienst ausgerichtet.

Dienstag, 02.06.2020, 06:00 Uhr
Pfarrer Peter Außerwinkler begrüßt die Besucher des Gottesdienstes. Aus einem Lkw-Anhänger der Firma Hamelmann haben die Organisatoren eine Bühne gestaltet. Foto: Lydia Böhne

Die ehrenamtlichen Helfer zählten am Ende 105 Autos bei der Premiere auf dem Parkplatz des Bekleidungsgeschäftes Bruno Kleine an der Oeynhau­sener Straße. Dank der separaten Ein- und Ausfahrt ist das Gelände für diesen Zweck wie gemacht.

Um einem eventuellen Verkehrschaos zusätzlich vorzubeugen, hatte Pfarrer Peter Außerwinkler von der Kirchengemeinde Löhne-Ort trotzdem Andreas Holdmann von der Löhner Polizei hinzugezogen. Bereits um 8.45 rollte mit Öffnung des Parkplatzes unter Anweisung von Bernhard Möws und Wolfgang Breder von der Kirchengemeinde Löhne-Ort das erste Auto auf den Hof.

„Verzeihen Sie alle Unvollkommenheiten“

„Wir waren selbst überrascht, wie früh die ersten Leute kamen“, sagte Bernhard Möws. Schließlich war der Autogottesdienst für die Löhner Gemeinden eine bisher beispiellose Aktion. „Verzeihen Sie alle Unvollkommenheiten, wir haben das auch noch nicht gemacht“, bat Peter Außerwinkler in seiner Begrüßung um Nachsehen.

Weil auch Ilse und Gabi Büschenfeld den Ansturm nicht einschätzen konnten, suchten sich die Löhnerinnen lieber zeitig einen Platz. „Ich war extra noch in der Autowerkstatt, um mir erklären zu lassen, wie ich den Sender manuell einstelle“, berichtete Gabi Büschenfeld. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es der erste „Kirchenbesuch“ für die Löhnerinnen.

Anders geht es Kirsten Holz und ihrer Tochter Merle (13). Die Löhnerinnen sind erst

Wie am Drive-in-Schalter: Karin Brauer von der Kirchengemeinde Löhne-Ort sammelt am Ausgang die Kollekte ein. Sie ist für das Begegnungszentrum Giraffenland in Löhne gedacht.

Wie am Drive-in-Schalter: Karin Brauer von der Kirchengemeinde Löhne-Ort sammelt am Ausgang die Kollekte ein. Sie ist für das Begegnungszentrum Giraffenland in Löhne gedacht. Foto: Lydia Böhne

am Sonntag in der Kirche gewesen. Mit Abstand und Mundschutz sei die Atmosphäre aber eine andere gewesen. „Wir finden es klasse, dass es zu Pfingsten so einen besonderen Gottesdienst als Alternative gibt und lassen uns überraschen, wie es wird“, sagte Kirsten Holz.

Eine andere Atmosphäre

Mit dem Glockenspiel um 9.30 Uhr eröffnete Peter Außerwinkler den Open-Air-Gottesdienst samt musikalischer Begleitung durch die Sänger und Instrumentalisten Bernd Woker, Rahel Unruh, Ernö Scharnowski und Matthias Detering aus der freikirchlichen sowie der Obernbecker Kirchengemeinde. „Wir sind eigentlich zu acht, haben die Anzahl aber wegen Corona auf vier reduziert“, sagte Ernö Scharnowski.

„Die Situation hat nichts von der sonstigen Live-Atmosphäre, da wir die Leute nicht sehen können. Wir gehen davon aus, dass sie aber laut mitsingen werden“, sagte Bernd Woker. Und so war es: Durch die geöffneten Fenster konnte man die Stimmen der Anwesenden auf dem ganzen Platz vernehmen. Für die Live-Musik bedankten sich die Besucher mit kräftigem Hupen.

Pfingsten und der R4

„Pfingsten ist das unbekannteste der drei großen christlichen Feste. Wie sagt man so schön: An Pfingsten sind die Geschenke am geringsten“, sagte Peter Außerwinkler, der die Predigt gemeinsam mit Pfarrer Eckhard Teismann hielt, mit einem Lachen. Teismann war kurzfristig für den erkrankten Pfarrer Harald Ludewig eingesprungen.

„Pfingsten ist das Fest des Geist Gottes. Die Menschen kommen zusammen und sind Feuer und Flamme für den Glauben. Aus Verunsicherten werden Mutige“, erläuterte Peter Außerwinkler. Harald Ludewig hatte das Fest in humoristischer Anlehnung mit dem abenteuerlich geflickten Renault 4 verglichen, den er einst gefahren war und bei dem man nie wusste, ob man heile ankommt: „R4 und Pfingsten – das ist Mut“, verlas Eckhard Teismann stellvertretend.

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