Mann (46) aus Münster kommt nach Geständnis mit Geldstrafe davon - Vorfall in Löhne
Kaufhausdetektiv schlägt Obdachlosem ins Gesicht

Löhne (WB). Erst nachdem Amtsrichter Dr. David Cornelius dem 46-jährigen Kaufhausdetektiv aus Münster zuredet, gibt der seinen Faustschlag auf dem Gelände des Marktkaufs zu. Wenn ein Zeuge den Faustschlag gesehen habe, „nehme ich jedes Urteil an und gehe notfalls auch ins Gefängnis“ – mit diesen Worten äußerte sich der Detektiv noch zu Beginn des Verfahrens zu den gegen ihn erhobenen Tatvorwürfen.

Freitag, 01.05.2020, 07:10 Uhr aktualisiert: 02.05.2020, 07:20 Uhr
Ein 46-Jähriger Kaufhausdetektiv hat vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen gestanden, einem Obdachlosen mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Vorfall soll sich im vergangenen August am Marktkauf in Löhne ereignet haben. Foto: dpa

Wie das Gericht feststellte, hatte der Detektiv am Vormittag des 15. August 2019 einen 37-Jährigen drogenabhängigen Obdachlosen im Marktkauf an der Albert-Schweitzer-Straße wegen versuchten Diebstahls stellen wollen. Er habe beobachtet, „wie sich der Mann zwei Kartons Whisky in seinen Rucksack gesteckt hat“, beschrieb der Angeklagte die Ereignisse.

Mitarbeiter bestreiten Faustschlag

Doch der Dieb habe ihn als Kaufhausdetektiv erkannt und den Whisky wieder im Verkaufsraum abgestellt. Der Obdachlose sei anschließend an der Bäckerei im Marktkauf vorbei nach draußen gerannt und habe versucht, mit seinem Fahrrad in Richtung des nahe gelegenen Fichtensees zu entkommen. Er sei dem Dieb hinterhergerannt, erzählte der Angeklagte und ergänzt: „Wir sind nahe des Sees in einem Gebüsch gelandet.“

Zudem seien zwei weitere Mitarbeiter des Marktes zu Hilfe geeilt. Auch einem Lkw-Fahrer auf einem Parkplatz „habe ich zugerufen, dass er die Polizei verständigen soll.“ Die beiden Angestellten des Marktkaufs, ein 52-Jähriger Abteilungsleiter und ein 40 Jahre alter Einzelhandelskaufmann, bestätigten, dass der Angeklagte versucht habe, den Dieb zu stellen. Zu dritt habe man den 37-Jährigen schließlich in einen Sanitätsraum des Lebensmittelmarktes gebracht. Da der Obdachlose sich ständig versucht habe zu wehren, sei man mit ihm gemeinsam „im Eingangsbereich des Marktes zu Boden gegangen.“

Faustschläge des Angeklagten hingegen wollen die beiden Zeugen aber ebenso wenig wahrgenommen haben wie mögliche Gesichtsverletzungen. Der Lkw-Fahrer jedoch widersprach den Schilderungen und bestätigte den Faustschlag des Detektivs ins Gesicht des Obdachlosen – auch auf ausdrückliches Nachfragen des Beschuldigten.

Einstellung gegen Geständnis

Zunächst sei der 37-Jährige mit seinem Rucksack auf einem Rad „relativ gemütlich“ davon gefahren. Vor seinem Lkw habe ihn der Detektiv im Laufschritt eingeholt und gestellt. Den Kaufhausdetektiv habe er nicht als solchen erkannt, betonte der Kraftfahrer. Zunächst habe er „eine Rangelei zwischen den beiden Männern bemerkt“, sagte der Zeuge weiter aus, daher habe er noch aus dem Führerhaus die Polizei gerufen.

Daraufhin fragte Amtsrichter Dr. David Cornelius den Angeklagten, ob er immer noch in Haft wolle. Zwar habe er versucht, einen Dieb zu stellen, doch „dabei ist es ein wenig heftiger zugegangen, als Sie zugegeben haben.“ Bei einem Geständnis könne das Gericht die Einstellung des Verfahrens gegen eine empfindliche Geldstrafe erwägen, weil unbeabsichtigt eine Grenze überschritten worden sei.

Dies betonte auch der Staatsanwalt. Einen möglichen Freispruch sehe er nicht. „Die Chance für eine Verurteilung ist hoch.“ Daraufhin räumte der Detektiv nachträglich den Faustschlag ein. Weil der Mann nicht vorbestraft ist, stellte Amtsrichter Dr. David Cornelius das Verfahren wegen Körperverletzung gegen Auflage einer Geldzahlung in Höhe von 1000 Euro ein. Sein Beschluss wurde noch im Saal rechtskräftig.

Kommentare

E. Sch.  wrote: 02.05.2020 11:32
Bravo, Franz B., lobenswerter Entschluss! Selbstjustiz ist fehl am Platze und hat mit Zivilcourage nichts zu tun!
1000 EUR sind allerdings etwas happig, vielleicht hätten 500 es auch schon getan . . .
Raskolnikoff  wrote: 02.05.2020 11:12
Zivilcourage versus Selbstjustiz
Dieses Urteil bestärkt mich in unserem Rechtsstaat. Es ist gut, daß der Selbstjustiz ein Riegel vorgeschoben wird. Offenbar ging von dem Mann, der versucht hat zu fliehen, was ausdrücklich in unserem guten Rechtssystem nicht strafbewehrt ist, keine Gefahr aus und die drei wohlgenährten Marktkaufmitarbeiter dürften mit dem Obdachlosen leichtes Spiel gehabt haben. Der "Detektiv" sollte froh sein, daß der Richter einen guten Tag hatte und ihn weder wegen Lügens, noch wegen Vorsatz verurteilt hat. Eigentlich ein viel zu mildes Urteil. Der aufrichtige LKW Fahrer ist der wahre Held dieser Geschichte, nicht der Schläger und seine Kumpane. Hat der verprügelte Mann Schmerzensgeld bekommen?
franz.B  wrote: 02.05.2020 10:03
Zivilcourage ?
Dieser Bericht über ein Gerichtsverfahren bestärkt mich, bei Straftaten nicht selbst einzuschreiten, sondern nur die Polizei zu rufen, auch wenn damit der mutmaßliche Straftäter unidentifiziert entkommt.
Ein versuchter Diebstahl. Der Täter flieht und wehrt sich. Nach seiner Festsetzung versucht er wieder zu fliehen. Der Faustschlag des Verfolgers wird als Körperverletzung mit Geldstrafe gewertet.
Liebe Politiker, hört auf die Staatsbürger zurt Zivilcourage aufzurufen, sorgt für eine vernünftige Rechtsprechung.
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