Am Mittag des 14. März 1945 greifen Bomber der US-Streitkräfte Löhne an – 130 Menschen sterben
Der Tag des Grauens

Löhne (WB). Der Motorenlärm der vorbeirauschenden alliierten Flugzeuge beunruhigt im März 1945 nur wenige. Schon seit Wochen sind die Menschen in Löhne diese Geräusche gewohnt. Die Bomber fliegen vor 75 Jahren über die heutige Werrestadt hinweg zu ihren Zielen, den Großstädten im Norden und Osten Deutschlands.

Samstag, 29.02.2020, 08:00 Uhr
Die große Aufnahme ist zwölf Tage nach dem Angriff entstanden. Das Bahnhofsumfeld wirkt wie durchsiebt: All die kleinen Punkte auf dem Foto sind Bombentrichter – insgesamt etwa 600. Foto: Stadtarchiv Löhne

Angriff in zwei Wellen

Am Mittag des 14. März ändert sich das plötzlich: US-amerikanische Flugzeuge bombardieren in zwei Wellen den Löhner Bahnhof, ein wichtiges Drehkreuz für den Güterverkehr und -umschlag sowie den Nachschub der Wehrmacht an den Fronten. Mehr als 600 Bomben schlagen am Bahnhof ein. Insgesamt sollen die 300 Flugzeuge 2200 Spreng- und 20.000 Brandbomben auf Löhne abgeworfen haben. Ein Feuersturm fegt durch die Ortschaften. Etwa 130 Menschen kommen ums Leben. Der Tag des Grauens.

Im Tunnel Schutz gesucht

„Der Bahnhof ist gezielt attackiert worden“, berichtet Mathis Nolte. Der Löhner Stadtarchivar sagt, dass die Infrastruktur geschwächt werden sollte. Das gelang. In einem alten Bericht der Bahnmeisterei ist zu lesen, dass der Angriff zur Mittagszeit erfolgte: „Kein Bahnhof der weiteren Umgebung ist durch einen Angriff wohl derart zerstört worden. Weil kein Bunker vorhanden war, hatten viele Reisende in dem über 100 Meter langen Tunnel Schutz gesucht. Hierunter befanden sich etwa 1000 Flakhelferinnen aus einem Sonderzug, der bei dem Angriff in Löhne hielt. Glücklicherweise war der Personentunnel (...) nur gering beschädigt.“

Löhne in Schutt und Asche

Am 14. März 1945 werfen B-17 der Air Force ihre Bomben auf den Rangierbahnhof und Eisenbahnknoten in Löhne ab.

Am 14. März 1945 werfen B-17 der Air Force ihre Bomben auf den Rangierbahnhof und Eisenbahnknoten in Löhne ab. Foto: U.S. Air Force

Doch nicht nur der Bahnbereich wurde getroffen. Die Bomben richteten im gesamten Umfeld – vor allem in Löhne-Bahnhof, Löhne-Ort und in Obernbeck – schwere bis schwerste Schäden an. Auch die Kirche in Mahnen wurde erheblich beschädigt. Die Bomben legen große Teile der heutigen Stadt Löhne in Schutt und Asche. Dazu steht im Bericht der Bahnmeisterei der schlichte Satz: „Die Ortsfeuerwehr hatte in der Gemeinde zu tun, weil auch der Ort durch den Angriff stark mitgenommen war.“

Alle Lager vernichtet

Für das Bahnhofsareal selbst werden in einer Auflistung die Zerstörungen aufgeführt: Demnach waren das Empfangsgebäude, die Güterabfertigung mit Schuppen, die Bahnmeisterei, das Kraftwerk, das alte Übernachtungsgebäude und Lokschuppen sowie die Postumladehalle von Bomben getroffen worden oder ausgebrannt. „Alle Lager für Fremdarbeiter und Kriegsgefangene, mit Ausnahme des Lagers für Italiener, waren vernichtet. Im Personenbahnhof verbrannten sämtliche abgestellte Wagen (...) Im Rangierbahnhof stand ebenfalls der größte Teil (...) in Flammen. Kein einziges Gleis konnte noch durchgehend befahren werden“, heißt es im Bericht.

Reparatur vor Kriegsende

Am Tag nach dem Angriff begannen die Reparaturarbeiten, weil eine Durchfahrt für einen V-Waffen-Zug geschaffen werden musste. Am 3. April 1945 rückten amerikanische Bodentruppen ohne Kampfhandlungen in Löhne ein. Der Krieg war vorbei.

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