Alte Träume, neue Technik: Frank Schröder betreibt in Löhne ein Geschäft für Carrera-Bahnen Zurück in die Zukunft

Löhne (WB). Heiße Reifen, spektakuläre Unfälle, Action auf der Carrera-Bahn. Doch bevor es turbulent wird, kommt für die Profis erst einmal das Tuning. Sie legen ihre Slotcars tiefer, frisieren die Motoren. Frank Schröder aus Löhne hat dafür das passende Zubehör. Der 56-Jährige hat aus seinem Hobby ein besonderes Ladengeschäft für Carrera-Bahnen gemacht.

Von Frank Dominik Lemke
3, 2, 1 – los! Sie haben sich auf das nächste Rennen gut vorbereitet (von links): Tim Wehmeier, Jannis Pape und Erik Petzelberger sowie der Inhaber von „Kaufschlau“, Frank Schröder.
3, 2, 1 – los! Sie haben sich auf das nächste Rennen gut vorbereitet (von links): Tim Wehmeier, Jannis Pape und Erik Petzelberger sowie der Inhaber von „Kaufschlau“, Frank Schröder. Foto: Frank Lemke

„Kaufschlau“ für Slotracing ist selten geöffnet. Wenn, dann treffen sich in dem Shop hinter der Polizeiwache Laien wie Profis und tauschen ihr Wissen aus. Ralf Felden aus Porta Westfalica und Tim Wehmeier aus Löhne sind zwei von ihnen: „Macht ihr auch Nagellack auf die Vorderräder?“, fragt Tim Wehmeier.

Der 25-Jährige hat das Hobby mit seinen Freunden vor einem Jahr entdeckt. Die Idee hatten sie schon länger. Auf einem Flohmarkt entdeckten sie eine alte Carrera-Bahn.

„Du musst genau den richtigen Grat finden, bevor das Auto aufsetzt“

Was als Spaß aus analogen Kindheitstagen begann, wurde zu einer anhaltenden Begeisterung mit moderner digitaler Technik. Vor 30 Jahren fuhren die Autos mehr oder weniger in der Runde. Heute berechnen Computer das Benzin im Tank, die Beschleunigung des Fahrzeugmodells, Bremsverhalten und Gewicht.

Dirk Reimann (links) bringt seinen 50 Jahre alten Porsche mit. Frank Schröder hat das Modell in moderner Ausführung. Foto: Frank Dominik Lemke

„Für die Vorderräder nehmen wir Moosgummireifen“, sagt Ralf Felden. Nagellack helfe zwar, den Reibungswiderstand der Vorderräder zu verringern, werde mit der Zeit jedoch brüchig.

Vorne sollen die Räder möglichst leicht über die Bahn gleiten. Bei den Hinterreifen wollen die Carrera-Piloten genau das Gegenteil erreichen. Die sollen einen möglichst guten Grip haben und so beschaffen sein, dass der Wagen möglichst tief liegt.

Das erreicht Ralf Felden, indem er das Gummi vorsichtig abschleift: „Du musst genau den richtigen Grat finden, bevor das Auto aufsetzt“, sagt Ralf Felden. Das Tieferlegen stabilisiert das Auto.

Bei Profifahrern beginnt das Spiel weit vor dem eigentlichen Rennen

An einem Slotcar lässt sich eine Menge tunen: Felgen, Achsen, Zahnräder, Radaufhängung. „Das ist wie bei den Großen“, sagt Tim Wehmeier. Bei den Profifahrern beginne das Spiel weit vor dem eigentlichen Rennen.

Die Fahrer bereiten ihre Autos für die jeweilige Rennstrecke vor. Ist sie kurvig oder eher auf Geschwindigkeit ausgelegt? Wie wird sich das Auto auf den Steigungen und Neigungen verhalten? Wie viel Benzin brauche ich im Tank?

Jedes Fahrzeug hat unterschiedliche Eigenschaften. Ralf Felden fährt mit einem Ferrari 458. Der hat viel Power, ist aber schwer zu kontrollieren. Tim Wehmeier ist mit einem BMW 3,5 CSL auf der Rennstrecke unterwegs. Seine Freunde Erik Petzelberger und Jannis Pape fahren BMW und Mercedes. „Slotcar-Rennen ist ein technisches Hobby, dem nur die Physik Grenzen setzt“, sagt Frank Schröder.

Als kleiner Junge mit Carrera-Bahnen gespielt

Für Sammler: der Aston Martin aus dem JamesBond-Film „Goldfinger“ mit Sean Connery. Die Nachbildung als Slotcar hat sogar einen Schleudersitz. Foto: Frank Dominik Lemke

Die Vielfalt ist groß. Carrera-Bahnen gibt es in unterschiedlichen Größen. Die gängigsten sind die Maßstäbe 1:24, 1:32 und 1:43. Die Hersteller bieten vom Rennwagen über Spezialanfertigungen bis zur Dekoration für die Strecken reichlich Zubehör an. Für viele Slotcar-Rennfahrer werden mit den Carrera-Bahnen Kindheitserinnerungen wieder lebendig.

Dirk Reimann geht das genauso: „Als ich diesen Laden zum ersten Mal betreten habe, fühlte ich mich wie zurück in die Zukunft versetzt“, sagt der Löhner. Als kleiner Junge hat er mit Carrera-Bahnen gespielt. Damals war die Technik einfach. Heute hat er viele Möglichkeiten. Den Slotcar-Porsche aus seiner Kindheit kann er bei „Kaufschlau“ wieder reparieren lassen.

Carrera-Champion auf der Spielemesse

Frank Schröder war dieses Jahr auf der Spielemesse in Nürnberg. Dort hat er sich beim jährlichen Carrera-Rennen gegen 150 Teilnehmer durchgesetzt und gewonnen, zum zweiten Mal in Folge. Die Neuheit auf der Spielemesse in diesem Jahr: Die Zeitmaschine von Marty McFly aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ als Slotcar. Das Fahrzeug soll 2020 auf den Markt kommen. „Kaufschlau“ ist montags von 16 bis 19 Uhr, mittwochs von 12.30 bis 14.30 Uhr und freitags von 18.30 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es im Internet.

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