Löhner Pflegeberatung kommt ins Haus, um Betroffenen und Angehörigen zu helfen
„Lotse“ bei Pflegebedürftigkeit

Löhne (WB). „Wir beraten nicht telefonisch, wir machen Hausbesuche. Und warum das so ist, muss ich immer wieder erklären“, sagt Michaela Koch, Leiterin der Löhner Pflegeberatung. Wenn sich die Tür bei einem Hausbesuch öffne, könne sie als gelernte Krankenschwester schon viel über den Hilfebedarf wahrnehmen. Sind die Beine der älteren Dame, die die Tür öffnet, angeschwollen? Die Augen und Fingernägel gesund? Gibt es vielleicht schon einen Rollator, der aber ungenutzt und verstaubt in der Ecke steht?

Samstag, 01.02.2020, 06:29 Uhr
Michaela Koch (links) leitet die Löhner Pflegeberatung der Häuslichen Kranken- und Altenpflege, Kerstin Marks, Krankenschwester wie ihre Kollegin, nimmt im Büro die Anrufe von Betroffenen und Angehörigen entgegen und vereinbart die Termine. Foto: Andrea Berning

Die (kostenlose) Löhner Pflegeberatung will Menschen helfen, die durch Alter oder Krankheit Unterstützung im Alltag brauchen, aber auch für die pflegenden Angehörigen da sein. Das tut sie unabhängig von Krankenkassen (durch die ihre Arbeit refinanziert wird), und gibt Informationen auch nicht weiter.

„Lotsen“ sollen in vielen Bereich helfen können

Daten werden nur erhoben, um bestmöglich zu beraten, denn Michaela Koch und ihre Kollegen stellen immer wieder fest: Selbst medizinische Fachkräfte, die plötzlich als Angehörige für einen Pflegefall zu sorgen haben, finden sich im „Pflegedschungel“ nicht zurecht. Daher sieht Michaela Koch die Löhner Pflegeberatung und ihre Mitarbeiter auch als „Lotsen“, um für von Krankheit oder Altersbeschwerden betroffenen Menschen gute Lösungen zu finden.

Dabei können die Bedürfnisse ganz unterschiedlich sein: Die einen brauchen eine Beratung über ihre Rechte, anderen empfiehlt sie einen häuslichen Pflegedienst. Manchen Menschen fehlt es am richtigen Hilfsmittel, andere brauchen einen Platz in der viel gefragten Kurzzeit- oder Verhinderungspflege und finden keinen – dann unterstützen die Mitarbeiter der Pflegeberatung bei der Suche.

„Ich wünschte, dass sich viele Leute früher melden würden“

Oft nimmt Kerstin Marks, die zwei Tage in der Woche im Büro an der Lübbecker Straße 2 tätig ist, das erste Telefongespräch entgegen. Dabei muss die erfahrene Krankenschwester, die mal eine Tagespflege und einen ambulanten Pflegedienst geleitet hat, schnelle Entscheidungen treffen.

Manchmal reicht es, einen Termin für einen Hausbesuch zu vereinbaren, manchmal verweist Kerstin Marks auch zunächst an den Hausarzt, weil zügig eine Verordnung gebraucht wird. „Oft genug muss ich erst genau zuhören, um herauszufinden, an welcher Stelle jetzt am dringendsten Hilfe gebraucht wird“, sagt sie.

Auch Michaela Koch bestätigt: „Ich wünschte, dass sich viele Leute früher melden würden.“ Aber die Angehörigen versuchten, erst einmal über lange Zeit allein zurecht zu kommen und riefen erst dann an, wenn doch alles zu viel werde. Das müsse gar nicht sein, die Pflegeberatung könne früher helfen.

Beobachtungsgabe ist bei den Mitarbeitern von Bedeutung

Und wie geht es Ihnen? Gehen Sie selbst mal zum Sport? Treffen sich mit Freunden? Fragen wie diese ließen bei pflegenden Angehörigen manchmal die Tränen fließen, berichten Kerstin Marks und Michaela Koch. Dann könne die Pflegeberatung auch mal als Vermittler funktionieren und dafür sorgen, dass die Aufgabenverteilung in der Familie anders geregelt werde. „Dann bleibt nicht immer alles an einer Person hängen“, sagt Michaela Koch.

Viel hängt von ihrer guten Beobachtungsgabe ab. „Ich bemerke zum Beispiel, dass Menschen nicht gut sehen können, und die Hände sind durch Rheuma beeinträchtigt. Dann frage ich, wie diese Person denn ihre Medikamente aus der Blisterpackung bekommt. ‚Mehr schlecht als recht‘ ist oft die Antwort“, sagt Michaela Koch. Dabei wüssten die Betroffenen nicht, dass ein Pflegedienst solche Arbeiten übernehmen könne und die Medikamente für eine ganze Woche in eine entsprechende Box fülle.

„Bockigkeit“ der Betroffenen kann belastend sein

Bei einem Hausbesuch beklagte eine Angehörige, dass die Mitarbeiterin des Pflegedienstes die Seniorin beim Waschen und Anziehen nur anleite und die Arbeit nicht selbst mache. Da habe sie erklären müssen, dass es doch darum gehe, die Pflegebedürftigen so selbstständig wie möglich zu halten und ihnen nicht Aufgaben wegzunehmen, die sie noch gut selbst erledigen könnten.

Häufig belastet auch eine gewisse „Bockigkeit“ der Betroffenen die pflegenden Angehörigen. „Ich versuche, deutlich zu machen, dass diese Generation, die im Krieg geborenen oder aufgezogenen Kinder, durch eine harte Schule gegangen ist“, sagt Michaela Koch.

Und welche Eltern oder Schwiegereltern, die sich ihr Leben lang um andere gesorgt haben, gäben schon gern diese Verantwortung ab und ließen sich selbst umsorgen? Das Alter und seine Einschränkungen machten das aber irgendwann erforderlich. Ganz zu schweigen von der einsetzenden Demenz, die ebenfalls viel Beratungsbedarf mit sich bringe. Auch für dieses Thema sei sie ausgebildet, sagt Koch.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7230819?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514619%2F
Comeback mit Auswärtspunkt
Arminias Cebio Soukou (links, hier gegen Frankfurts Martin Hinteregger) erzielte das 1:0 für den Aufsteiger. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker