Hausärzte mit Niederlassungswunsch sollen jetzt 75.000 Euro erhalten
Löhne erhöht Ärzte-Darlehen

Löhne (WB). Die Stadt Löhne wird ihr zinsloses Darlehen als Anreiz zur Ansiedlung von Hausärzten erhöhen. Statt bislang 50.000 Euro stehen nun 75.000 Euro in Aussicht. Das haben die Mitglieder des Stadtrates am Mittwoch beschlossen.

Freitag, 08.11.2019, 10:19 Uhr aktualisiert: 08.11.2019, 10:30 Uhr
Die Stadt möchte Hausärzte, die sich in Löhne niederlassen wollen, mit einem zinslosen Darlehen unterstützen. Bislang sind dafür jeweils 50.000 Euro im Gespräch gewesen. Für eine Erhöhung auf 75.000 Euro hat sich der Rat nun ausgesprochen. Foto: dpa/Marijan Murat

Einstimmig votierte das Gremium in der Sitzung für die Erhöhung der Förderrichtlinie. Grundlage war ein Vorschlag der CDU-Fraktion, dem sich die anderen Fraktionen während der Ratssitzung anschlossen. Wie berichtet, will die Stadt damit einen Anreiz schaffen, dass sich Hausärzte in Löhne niederlassen.

»Die Ansiedelung von Hausärzten ist ein unglaublich wichtiges Thema. Wir müssen uns aber von Kirchlengern absetzen, um einen Anreiz für die Wahl auf unsere Stadt zu schaffen. Deshalb schlagen wir vor, das zinslose Darlehen auf 75.000 Euro zu erhöhen«, sagte Florian Dowe, Fraktionsvorsitzender der CDU. Wie ebenso berichtet, bietet die Gemeinde Kirchlengern seit vielen Jahren ein Förderprogramm an. Dort wird ein zinsloses Darlehen in Höhe von 50.000 Euro als Investitionsunterstützung angeboten.

»75.000 Euro als Anreiz, das finden wir gut«

Dem Vorschlag der CDU stimmte Wolfgang Böhm, Fraktionsvorsitzender der SPD, im Namen seiner Partei zu. »75.000 Euro als Anreiz, das finden wir gut«, sagte er. Zudem verwies Wolfgang Böhm darauf, dass die Stadt handeln müsse, aufgrund eines sich immer deutlicher abzeichnenden Mangels an Hausärzten. »Es ist ein schwieriges Unterfangen, denn die Lage wird nicht besser. Immer mehr junge Ärzte scheuen sich, sich niederzulassen und arbeiten lieber als Angestellte. Deshalb müssen wir qualifizierten Ärzten zeigen, dass Löhne nicht nur schön ist, es bietet ihnen auch etwas«, sagte Wolfgang Böhm.

Auch Ulrich Adler, Fraktionsvorsitzender der Fraktion Die Linke, unterstützte den Vorschlag der CDU. Ebenso wie Silke Glander-Wehmeier, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Vor der Abstimmung erkundigte sie sich auch zum Verfahren. »Wie realistisch ist eine Gewährung des Darlehens, wenn sich gleich zwei Ärzte dafür interessieren?«, fragte sie. Ein mehrstufiges Verfahren kündigte Bürgermeister Bernd Poggemöller an. »Wir werden das nach dem Ratsbeschluss in mehreren Etappen umsetzen und einer jeweiligen Prüfung unterziehen. Und sollten sich tatsächlich neun oder zehn Kandidaten melden – dann werden wir uns nochmals zusammensetzen«, sagte er.

Viel Zustimmung für das höhere Darlehen

Und auch Dr. Hermann Ottensmeier für die LBA sowie Uwe Neuhaus von der FDP stimmten dem Vorhaben sowie dem CDU-Vorschlag auf Erhöhung zu. »Ich sehe das als Wirtschaftsförderung für Löhne«, sagte Uwe Neuhaus.

Wie berichtet, gibt es aktuell nach Auskunft der Stadt 18 Hausärzte in Löhne, davon sind fünf Mediziner älter als 60 Jahre. Neun Hausärzte fehlen aktuell.

Die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) Westfalen-Lippe. Die KVWL führt ein Förderverzeichnis für besonders betroffene Regionen. Im Kreis Herford ist auch Löhne gelistet, neben Herford, Kirchlengern und Vlotho. Ärzte, die sich in diesen Fördergebieten niederlassen wollen, können einen Antrag auf Übernahme von Umzugs-und Einrichtungskosten sowie auf die Gewährung von Darlehen zum Praxisaufbau oder zur Praxisübernahme stellen. Wie viele Ärzte für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, legt die kassenärztliche Bedarfsplanung fest.

»In Löhne liegt der Versorgungsgrad bei 74,1 Prozent«

Für die hausärztliche Versorgung liegt sie bundesweit bei 1671 Einwohnern je Arzt. Mit Stand vom 30. Oktober hatte Löhne 40.786 Einwohner. Ab einem Versorgungsgrad von 75 Prozent abwärts gilt eine Stadt oder Kommune in der hausärztlichen Versorgung als unterversorgt. »In Löhne liegt der Versorgungsgrad bei 74,1 Prozent«, hat Claudia Heitkamp, Amtsleiterin im Bereich Liegenschaften und Wirtschaftsförderung, dieser Zeitung mitgeteilt. Bis Löhne als überversorgt bei der Niederlassung von Hausärzten – ab 110 Prozent – gelten würde, könnten sich die besagten neun Ärzte niederlassen.

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