Atelier für Holzbau: Eigentümerfamilie und Belegschaft blicken mit Optimismus voraus
Neustart nach Großbrand gelingt

Löhne (WB). »Nicht Vergangenheit – nicht Zukunft – Du lebst jetzt«. Dieses Lebensmotto hat Alwin Schormann (77), Gründer des Ateliers für Holzbau, auch als Erinnerung an den verheerenden Großbrand am 3. März 2018 und den Wiederaufbau der Firma an selber Stelle geschnitzt. Die Bohle hängt als Kunstwerk in der neuen Halle.

Donnerstag, 05.09.2019, 07:05 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 09:14 Uhr
Drei Generationen: Im Atelier für Holzbau Löhne arbeiten (von links) Firmengründer Alwin Schormann (77), sein Enkel Felix Schormann (21) sowie Sohn und Inhaber Christoph Schormann (45) nach dem Großbrand und Wiederaufbau noch enger zusammen. Zum Zusammenhalt mahnt auch das Lebensmotto auf der von Alwin Schormann im August geschnitzten Bohle

Wie mehrfach berichtet, hatte das Feuer die gesamte Betriebsstätte zerstört. In einem Kraftakt, an dem sich neben Inhaber Christoph Schormann und seiner Familie auch seine Mitarbeiter sowie der Inhaber von Becker Fenstertechnik in Herford beteiligt hatten, gelang der Wiederaufbau in Rekordzeit.

»Nach zehn Monaten und 28 Tagen haben wir hier die Produktion wieder aufgenommen«, sagt Christoph Schormann (45). Zum Atelier für Holzbau gehören eine Tischlerei, eine Hausbausparte sowie eine Zimmerei. Möbelstücke und Einrichtungen, Häuser in Holzrahmenbauweise sowie Carports, Terrassen, Treppen, An- und Umbauten sowie Fachwerksanierungen bietet die Firma an.

Auch die dritte Schormann-Generation unterstützt bereits das Team

Und die Betriebsamkeit ist längst zurückgekehrt, nun in die neue Halle: mit insgesamt 15 Mitarbeitern, darunter drei Auszubildenden. Tischler Fabian Born kürzt an der Kappsäge Balken und schiebt sie dann in die Vielseiten-Säge. Später bespricht er mit Meister Michael Kempe und Alwin Schormann Details auf einer Planzeichnung.

Und auch die dritte Schormann-Generation unterstützt bereits das Team: Enkel und Sohn Felix (21) studiert bald im dritten Semester Bauingenieurwesen in Minden, hat zuvor eine Bauzeichner-Lehre absolviert, danach das Fachabitur gemacht. »Mir macht die Arbeit hier unheimlich viel Spaß, und ich bin gerne dabei«, sagt er. Mit einem Lächeln vernehmen das Großvater Alwin und sein Vater Christoph.

200 Feuerwehrleute waren am 3. März 2018 im Einsatz

200 Feuerwehrleute aus den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke waren am Samstagabend, 3. März 2018, an die Löhner Straße 205 geeilt, um den Brand einzudämmen. Retten konnten sie die Betriebsstätte nicht mehr, dafür das Übergreifen auf angrenzende Firmengebäude verhindern. In der Folge hatten sich Tischlermeister Werner Lohmeyer, Inhaber von Becker Fenstertechnik in Herford, sowie Christoph Schormanns Bruder Matthias mit dem eigenen Betrieb bereit erklärt, beim Wiederaufbau zu helfen. In der Firma von Becker Fenstertechnik konnten Christoph Schormanns Mitarbeiter fast nahtlos die Produktion fortführen – in der Zeit ohne eigene Halle. »Dafür kann ich mich nach wie vor nur sehr bedanken«, sagt Christoph Schormann. In den Dank bezieht er auch die Feuerwehr, Bürgermeister Bernd Poggemöller, das Bauamt sowie seine Kunden mit ein.

An alter Stelle sind 2018 eine Betriebshalle mit etwa 1200 Qua­dratmeter Größe sowie Büro- und Sozialräume mit fast 200 Qua­dratmetern Fläche entstanden. Noch nicht ganz fertiggestellt sind die Büro- und Sozialräume. Eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach versorgt die modernen Maschinen mit Strom.

Ökologie spielt eine wichtige Rolle

Längst kann sich Christoph Schormann wieder auf die Produktion konzentrieren, auf Schwerpunkte, die er setzen möchte. Ökologie, die Vermeidung von Kunststoffen und eine ausgeglichene CO 2 -Bilanz (Kohlendioxid) nennt er beispielsweise. »Hierbei darf man nicht vergessen, wie wertvoll der Rohstoff Holz ist. Ein Baumleben lang nimmt dieser CO 2 auf, bindet es«, sagt Christoph Schormann. Im Baum werde CO 2 in Sauerstoff und Kohlenstoff aufgespalten, letzteres werde im Baum gebunden, und einmal gefällt, mache der Baum Platz für die nächsten CO2-Speicher. »Mit dem Thema Klimaschutz, das jetzt in aller Munde ist, beschäftigen wir uns schon lange. Und ich bin überzeugt, dass das Bauen mit Holz hier einen Beitrag leisten kann«, sagt Christoph Schormann.

Dazu gehört auch, dass das Rohmaterial für die Produktion nicht klimaschädlich von weit her angeliefert wird. Christoph Schormann deutet auf Lärchenstämme vor der Halle. »Die sind aus einem Wald bei Porta Westfalica. Näher geht’s kaum.«

Die Bedeutung des wertvollen Holzes für die Firma hebt auch Alwin Schormann mit seinem Schnitzkunstwerk hervor. Im August hat er sechs Tage lang die Bohle mit einem Schnitzeisen bearbeitet. »Dieses Eichenholz stammt aus dem Wiehengebirge. Genauer gesagt vom Südhang unter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Diese Verbindung des Holzes zur Heimat hervorzuheben, das ist mir wichtig«, sagt er.

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