Warum Löhne sein Wasser vom WBV Am Wiehen bezieht, aber eigene Brunnen verpachtet
Mineralien machen den Unterschied

Löhne (WB). Weil die Stadt Löhne derzeit selbst kein eigenes Trinkwasser fördert, ist sie zu 100 Prozent auf die Versorgung durch den Wasserbeschaffungsverband (WBV) Am Wiehen angewiesen. Jeder Engpass im WBV-Gebiet, zu dem auch Bad Oeynhausen, Hille und Hüllhorst gehören, schlägt somit komplett in Löhne durch.

Mittwoch, 07.08.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 06:40 Uhr
Von der Druckerhöhungsanlage auf dem Gelände der Wirtschaftsbetriebe Löhne am Sonnenbrink gelangt das vom WBV Am Wiehen angelieferte Trinkwasser in das Löhner Leitungsnetz. Das passiert mit Hilfe von zwei Kreiselpumpen mit einer Maximalleistung von jeweils 300 Kubikmetern pro Stunde. Dazwischen sind Klaus Wilmsmeier (links) und Holger Freymuth zu sehen. Foto: Malte Samtenschnieder

Doch das soll sich ändern: Die Wirtschaftsbetriebe Löhne (WBL) planen zeitnah eine Anbindung an das Netz der Stadtwerke Herford. 260.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr zusätzlich sollen durch die neue Wasserleitung Richtung Bischofshagen und Wittel fließen.

Eigenförderung bis 1981

»Die Stadt Löhne bezieht bereits seit den 1960er Jahren Wasser vom WBV Am Wiehen«, sagt Klaus Wilmsmeier. Er ist Geschäftsbereichsleiter Wasser bei den Wirtschaftsbetrieben Löhne. Im Jahr 1981 habe die Stadt Löhne die Eigenförderung aus ihren vier Brunnen auf dem Bischofshagen eingestellt. Klaus Wilmsmeier: »Wir konnten das Wasser irgendwann nur noch ins Netz einspeisen, nachdem wir es zuvor mit WBV-Wasser verschnitten hatten.«

Der Grund dafür sei ein immer höherer Anteil an Mineralien gewesen. Insbesondere der Sulfatanteil sei immer weiter angestiegen. »Zudem war das Wasser extrem hart«, erinnert sich Klaus Wilmsmeier. Es seien Werte von mehr als 50 Grad deutscher Härte (dH) gemessen worden. »Normales« Wasser erreicht einen Wert zwischen sieben und 14 Grad dH. Weil der Aufwand für die Trinkwasseraufbereitung irgendwann zu hoch geworden sei, habe man die Eigenförderung eingestellt.

Vier Brunnen verpachtet

Ende der 1980er Jahre/Anfang der 1990er Jahre seien die vier Brunnen an der Häger Straße (I und II), an der Schierholzstraße (III) und am Lehmstich (IV) an den Mineralwasser-Produzenten Hansa-Heemann verpachtet worden. Der Mineralwasser-Produzent Steinsieker verfüge über zwei eigene Brunnen.

Bei der Herstellung von Mineralwasser sei der hohe Mineralienanteil kein Problem, sondern eher ein Qualitätsmerkmal. »Nachdem wir die Brunnen verpachtet hatten, haben wir das alte Wasserwerk an der Häger Straße zurückgebaut. Das gilt auch für die Filtertechnik, um dem Brunnenwasser Eisen und Mangan zu entziehen«, erläutert Klaus Wilmsmeier.

Wasser reich an Mineralien

Die unterschiedlichen Kriterien für Trinkwasser und Mineralwasser macht Holger Freymuth deutlich. Als designierter Geschäftsbereichsleiter Wasser soll er im Februar 2020 Klaus Wilmsmeiers Nachfolge antreten, wenn sich dieser in den Ruhestand verabschiedet. »Bei Trinkwasser liegt der Grenzwert für Sulfat bei 250 Milligramm pro Liter«, sagt Holger Freymuth.

Beim Wasser aus dem Brunnen I werde laut jüngsten Untersuchungen ein Sulfatwert von 598 Milligramm pro Liter erreicht. Das sei aber kein Problem. Die Grenzwerte gemäß Mineralwasserverordnung seien teilweise zehnmal so hoch wie die Grenzwerte gemäß Trinkwasserverordnung. Für die Gesundheit der Verbraucher bedeute das keine Gefahr. Mineralwasser werde in Maßen konsumiert. Anders als Trinkwasser, das Tag für Tag ständig etwa fürs Kochen oder auch zum Trinken eingesetzt werde.

Untersuchungen im Norden

»Natürlich haben wir angesichts der Trinkwasser-Engpässe, die es ja nun bereits im dritten Sommer in Folge gibt, überlegt, ob wir nicht wieder selbst Trinkwasser fördern können«, sagt Klaus Wilmsmeier. Am »Bischofshäger Sattel« sei es aber aufgrund der beschriebenen Wasserzusammensetzung nicht sinnvoll, weitere Brunnen niederzubringen. Der Geschäftsbereichsleiter: »Stattdessen werden wir untersuchen, ob wir im nördlichen Stadtgebiet von Löhne – genauer Richtung Mennighüffen und Halstern – Trinkwasser fördern können.«

Freibad mit eigenem Brunnen

Das Wasser aus dem Brunnen, der das Löhner Freibad seit 2017 wieder mit eigenem Wasser versorgt, sei keine Option, um vorübergehende Engpässe im WBV-Netz auszugleichen. »Das Wasser enthält viel Eisen und Mangan. Auch für den Wasseraustausch im Freibad kann es erst nach einer Aufbereitung genutzt werden«, erläutert Klaus Wilmsmeier. Deshalb werde zum Befüllen bei Saisonbeginn WBV-Wasser genutzt. Zudem gebe es keine gesicherten Erkenntnisse zu stabilen Fördermengen des Freibadbrunnens.

Neue Leitung zur Entlastung

Stattdessen setzen Klaus Wilmsmeier und Holger Freymuth auf eine andere Strategie. Sie hoffen, dass sobald wie möglich eine neue Anbindung zwischen dem WBV-Netz in Löhne und dem Netz der Stadtwerke Herford geschaffen werden kann. Etwa 500 bis 600 Kubikmeter pro Tag sollen durch die neue Leitung fließen. Das würde unterm Strich etwa 260.000 Kubikmeter pro Jahr zusätzlich bedeuten.

Krise seit Ende Juni

Zur Einordnung: An einem normalen Tag werden im WBV Am Wiehen 13.500 bis 15.000 Kubikmeter Wasser verbraucht. (5000 bis 5200 Kubikmeter pro Tag sind es allein für Löhne.) Eine Verbrauchsspitze von mehr als 18.000 Kubikmetern hatte am Abend des 24. Juni die Trinkwasserkrise in diesem Sommer ausgelöst. Die mit Wirkung von diesem Mittwoch aufgehobenen ordnungsbehördlichen Verordnungen gegen Trinkwasservergeudung in Löhne und Bad Oeynhausen waren die Folge.

Investitionsmittel erst 2020

Die Pläne für den Bau der Leitung nach Herford seien bereits erstellt. Klaus Wilmsmeier: »Es gibt aber noch keine Verträge, keine Mittel für den Bau und keine bereitgestellten Mittel.« Er sei aber optimistisch, dass die Investition bei den Planungen der WBL für das Jahr 2020 berücksichtigt werde. »Unser Ziel ist es, den Bereich Bischofshagen/Wittel komplett vom WBV-Netz zu nehmen und ihn ständig aus Herford versorgen zu lassen«, sagt der Geschäftsbereichsleiter.

Pachtzins senkt Gebühren

Dass die Stadt Löhne ihre vier Brunnen zur Mineralwasser-Produktion verpachtet hat, kommt übrigens allen Bürgern zugute. Klaus Wilmsmeier: »Die Pachteinnahmen fließen in den Haushalt der WBL und sorgen für eine Reduzierung der Wassergebühren.«

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