Probefahrten auf zwei und vier Rädern bei der Roadshow Elektromobilität in Löhne
»Die ziehen einen Porsche ab«

Löhne (WB). Mit einem Tandem sind Elisabeth Spieker (59) und ihr Mann Michael (59) am Montag zum Löhner Rathaus gekommen – und probehalber auf ein E-Lastenfahrrad umgestiegen. Dies war im Rahmen der Roadshow Elektromobilität möglich, die über Pedelecs und E-Bikes sowie E-Autos informierte und Probefahrten mit entsprechenden Autos und Zweirädern anbot.

Dienstag, 09.07.2019, 06:30 Uhr
Elisabeth Spieker dreht eine erste zaghafte Runde mit dem E-Lastenfahrrad, bevor sie sich an eine weitere Strecke wagt. Danach hat sie den Bogen schnell raus und Gefallen an dem elektrobetriebenen Zweirad gefunden. Foto: Sonja Gruhn

Etwas Übung bedarf die Fahrt mit einem E-Lastenfahrrad schon, ist sich das Ehepaar Spieker einig. Und das nicht allein wegen des Antriebs. Denn mit der großen Box, die zwischen Lenker und Vorderrad angebracht ist, sollte man dorthin schauen, wo man hinfahren möchte, rät Fahrradhändler Martin Siegler, der als Dienstleister für die Energie-Agentur NRW im Einsatz ist, die die Roadshow Elektromobilität anbietet.

E-Lastenfahrrad ist vielseitig nutzbar

Doch nach der Probefahrt durch die Stadt lautet das Urteil von Michael Spieker: »Genial!« Und auch seiner Frau hat die Fahrt gut gefallen: »Man muss eben immer den Blick nach vorne richten«, bestätigt sie den Tipp von Martin Siegler. »Wir fahren oft mit dem Fahrrad. In Löhne gibt es viele kurze Wege, aber teilweise ist es auch hügelig«, sagt Michael Spieker, der versichert, dass er sich aber auch gerne mal anstrengt.

»Für Fahrten mit den Enkelkindern wäre das aber schon interessant«, fügt er hinzu. In der Tat könnte er mit einem solchen E-Lastenfahrrad nicht nur Einkäufe wie schwere Getränkekisten transportieren, sondern mit entsprechender Ausstattung – einer größeren vorderen Box, einem Gepäckträger und Anhänger – sogar bis zu fünf Kinder. »Die Kinder müssen aber unter sieben Jahre alt sein«, betont Siegler.

Förderung für Anschaffung

Ab 4500 Euro aufwärts ist so ein Gefährt zu bekommen. In NRW-Städten, in denen das Dieselfahrverbot gilt, gibt es für Privatleute bei der Anschaffung eine Förderung von maximal 1000 Euro. »Gewerbliche Nutzer erhalten eine Förderung von 30 Prozent, maximal aber 2100 Euro. Das gilt in ganz NRW«, sagt Martin Siegler. Drei Stunden dauere es, den Akku an einer herkömmlichen Steckdose komplett aufzuladen. »Damit kommt man gute 70 Kilometer weit.«

Andreas Allebrod, Geschäftsführer »eShare.one«, und sein Kollege Uwe Gösser waren ebenfalls als Dienstleister bei der Roadshow dabei. Sie hatten E-Autos mitgebracht, einen BMW i3s sowie einen Hyundai ioniq. »Diese Fahrzeuge haben einen kleinen Motor wie eine Waschmaschine, aber ziehen an der Ampel einen Porsche ab«, sagt Allebrod und lacht. »Erst probieren die Leute, wie stark die Motoren sind. Später wird dann aber die Reichweite wichtiger«, fügt er hinzu.

Schnelles Laden mit Starkstrom

Während am Löhner Rathaus bereits kostenfreies Tanken mit Strom möglich ist, böten dies auch schon viele Discounter an. »Da macht schon jede halbe Stunde Sinn. Denn die Ladesäulen arbeiten mit Starkstrom.« Dabei werde Starkstrom eingesetzt, wie er beispielsweise von Herdanschlüssen bekannt ist. Bis zu einer Ladung von 80 Prozent der Akkukapazität ginge das Aufladen sehr schnell. »Das Laden ist aber auch über eine normale Steckdose mit 230 Volt möglich. Dann dauert es aber etwa sieben bis acht Stunden«, sagt Uwe Gösser.

Der Löhner Uwe Hofer, Klimanetzwerker der Energie-Agentur NRW, erläutert zudem Alternativen zu den Lithium-Ionen-Batterien. Nach Erreichen ihrer Lebensdauer, die zwischen acht und zwölf Jahren liegt, wie Andreas Allebrod sagt, könnten diese zwar noch als Zwischenspeicher, beispielsweise für Photovoltaikanlagen genutzt werden.

Wasserstoff bietet Alternative

Uwe Hofer gibt allerdings zu bedenken, dass die Verwendung nicht ausgereift ist, auch was beispielsweise die Entsorgung betrifft. »Als Alternative gibt es Wasserstoff. Der kann als Primärkraftstoff eingesetzt werden. In Brennstoffzellen wird daraus elektrische Energie zum Antrieb der E-Fahrzeuge generiert. Das Netz dafür ist aber noch nicht genügend ausgebaut«, sagt Hofer.

Gemeinsam mit Klimamanagerin Julia Stakelbeck hatte er die Roadshow Elektromobilität nach Löhne geholt. »Die Elektromobilität ist natürlich nicht die Lösung aller Klimaprobleme in Löhne. Es geht auch darum, mehr Leute aufs Fahrrad zu bekommen oder für Carsharing zu gewinnen«, sagt Julia Stakelbeck.

Erster Löhner Klimastammtisch

Ziel sei es, die Menschen, bei denen die Neuanschaffung eines Fahrzeuges ansteht, dazu zu bringen, über E-Mobilität nachzudenken und für sich zu prüfen. Die Stadtverwaltung selbst werde auch in diesem Jahr wieder Fahrzeuge, bei denen der Leasingvertrag ausläuft, gegen E-Autos tauschen. Zu dem anschließenden ersten Löhner Klimastammtisch, bei dem Uwe Hofer einen Kurzvortrag hielt, hatten sich bereits 18 Interessierte angemeldet. Diesen Stammtisch möchte die Klimaschutzmanagerin etablieren.

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