20 Jahre Wachleiter: Ulrich Imort geht in Ruhestand und übergibt an Michael Wellsandt
Kameraden verabschieden ihren Chef

Löhne (WB). An tausenden Einsätzen ist Ulrich Imort (59) beteiligt gewesen. Doch jetzt ist Schluss mit der Feuerwehr. Und auch wenn sein Ruhestand erst am kommenden Montag beginnt, hat er bereits am Mittwoch die letzten Stunden als Leiter der Feuer- und Rettungswache Löhne hinter sich gebracht – mit einem bewegenden Abschied, den seine Kollegen für ihn arrangiert hatten.

Freitag, 07.06.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 09:06 Uhr
Gruppenfoto am letzten Tag (von links): Dennis Flottmann, Michael Wellsandt, Ulrich Imort und Bernd Poggemöller. Foto: Sonja Gruhn
Die Kollegen der Feuer- und Rettungswache, darunter auch ehemalige, haben ihrem Wachleiter Ulrich Imort (Fünfter von rechts) an seinem letzten Tag einen rührenden Abschied bereitet. Bis auf wenige, die im Urlaub waren, sind alle zur Feuer- und Rettungswache gekommen.

Die Kollegen der Feuer- und Rettungswache, darunter auch ehemalige, haben ihrem Wachleiter Ulrich Imort (Fünfter von rechts) an seinem letzten Tag einen rührenden Abschied bereitet. Bis auf wenige, die im Urlaub waren, sind alle zur Feuer- und Rettungswache gekommen. Foto: Feuerwehr Löhne

Noch vor sieben Uhr morgens war er von seinem Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Michael Wellsandt von zuhause abgeholt worden. »Ich war schon etwas überrascht, dass er mit einem normalen Fahrzeug kam. Ansonsten werden die Kollegen zum Abschied oft mit der Drehleiter abgeholt«, sagt Imort.

Doch was ihn dann an der Wache erwartete, sorgte für den wohl emotionalsten Moment an seinem letzten Tag: Denn auf dem Hof bereiteten ihm alle verfügbaren Kollegen und auch einige ehemalige sowie Vertreter der Verwaltung einen tollen Empfang mit einem anschließenden gemeinsamen Frühstück.

1976 als Jugendlicher in Löschgruppe Löhne-Bahnhof

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte Ulrich Imort anlässlich seines nahenden Ruhestandes, der mit Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren einhergeht, einen Blick auf seine jahrzehntelange Arbeit bei der Feuerwehr zurückgeworfen. Als Jugendlicher war er 1976 in die Löschgruppe Löhne-Bahnhof gekommen, absolvierte unter anderem eine Ausbildung zum Bankkaufmann (siehe Kasten) und trat am 1. März 1985 seine Stelle als Feuerwehrmann bei der Stadt Löhne an.

Dass er ausgewählt wurde, konnte er teilweise seinem zuvor erlernten Beruf verdanken, wie er nun erzählt. »Es wird immer geschaut, dass der Bewerber eine Ausbildung hat, die der Feuerwehr dienlich ist. Und zu der Zeit wurden die Abrechnungen mit der Krankenkasse noch auf der Wache erledigt«, sagt Imort, dem somit seine kaufmännische Ausbildung zugute kam.

Feuerwehr ist ein MIx aus handwerklichen Tätigkeiten

Bei der Feuerwehr sei zudem immer ein Mix aus handwerklichen Berufen zu finden, fügt Michael Wellsandt hinzu. »Momentan suchen wir Autoschlosser, vorher waren es Elektriker«, sagt der 49-Jährige. Händeringend werde auch nach einem Schneider gesucht. Denn an der Dienstkleidung und den Uniformen sei immer etwas zu flicken.

»Reißverschlüsse gehen ständig kaputt, Abzeichen müssen wieder angenäht werden, Reflexklebestreifen lösen sich. Bis 2018 hatten wir dafür noch einen Kollegen. Jetzt werden die Arbeiten extern vergeben«, sagt Wellsandt, der selbst gelernter Tischler ist und von Ulrich Imort sehr geschätzt wird.

Dieser habe von seinen 34 Jahren Dienstjahren, davon 20 Jahre als Leiter der Feuer- und Rettungswache, »keinen Tag bereut«. »Das lag auch an den tollen Kollegen und der guten Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Bürgern und der abwechslungsreichen Arbeit, die stets neue Situationen mit sich brachte, bei denen man neue Leute kennengelernt hat. Und ich war immer zufrieden, wenn ich von einem Einsatzort weggefahren bin und alles geklappt hatte«, sagt Imort.

»Die Feuerwehr ist einfach die zweite Familie«

»Die Feuerwehr ist einfach die zweite Familie. Schließlich arbeitet man im Schichtdienst 24 Stunden zusammen. Das muss passen, sonst wird es schwierig«, sagt Michael Wellsandt. Besonders seien ihm Unfälle mit Kindern nahe gegangen, sagt Ulrich Imort, auch wenn er sich noch gut an den ein oder anderen Großbrand erinnere, beispielsweise zuletzt bei der Tischlerei Schormann. »Aber da gibt es selten Personenschäden«, erläutert Wellsandt. An Einsätze, bei denen Menschen, insbesondere Kinder zu Schaden kämen, gewöhne man sich nicht. »Man lernt damit umzugehen«, fügt der künftige Wachleiter hinzu.

Als Höhepunkt seiner Laufbahn in Löhne bezeichnet Imort selbst den Bau der neuen Feuer- und Rettungswache, den er inklusive Planung von Anfang an mit begleitet hatte. »Von der Struktur her gesehen, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das Platzangebot könnte aber größer sein«, sagt Imort.

»Das müsste größer sein«, betont Michael Wellsandt auch in Richtung des Bürgermeisters Bernd Poggemöller, der zur Verabschiedung gekommen war. Denn damals zählte die Wache 27 Mitarbeiter. »Jetzt sind es insgesamt 53, davon acht Auszubildende, zwei zum Brandmeister und sechs zum Notfallsanitäter. 43 Personen sind im Schichtdienst tätig, teilweise Beamte, die anderen tariflich Beschäftigte, die nur im Rettungsdienst arbeiten«, zählt Wellsandt auf. Dass die Einsätze besonders im Rettungsdienst stark angestiegen sind, weiß auch der Bürgermeister: »Inzwischen sind es knapp 5000 im Jahr.«

Nachfolger hat als Rettungsassitent angefangen

Als Rettungsassistent hatte auch Michael Wellsandt begonnen, der direkt nach seiner Tischler-Ausbildung 1989 im Rahmen seines Zivildienstes zur Feuer- und Rettungswache kam. Er machte 1993 seinen Meister, trat der Löschgruppe Löhne-Bahnhof bei und bewarb sich schließlich bei der Feuerwehr Löhne, wo er seinen Dienst am 1. Mai 1999 antrat. Seit 2002 leitete der Vater von zwei Söhnen (20 und 30 Jahre) sowie einer Tochter (25) die Abteilung Rettungsdienst.

Bereits 2014 war das Thema Nachfolge auf den Tisch gekommen. Um diese antreten zu können, musste Wellsandt ein Jahr lang einen Lehrgang zu verschiedenen Bereichen absolvieren. In dem Auswahlverfahren setzte er sich gegen zwei weitere Interessenten durch, ist seit Dezember 2016 stellvertretender Leiter, so dass jetzt der nahtlose Wechsel in die Leitungsposition folgen kann.

»Michael hat den Bereich Rettungsdienst gut und verlässlich geführt. Wir waren ein gutes Team und kamen immer auf einen Nenner«, sagt Ulrich Imort abschließend. Der Posten als Stellvertreter wird Dennis Flottmann (42) übertragen.

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