Sommer-Soirée mit Kleist an der Ulenburg: Theatergruppe Südlengern begeistert
Freigeister sind sein Untergang

Löhne (WB). Mehr als 80 Zuschauer fasst der Vortragssaal in der Ulenburg, und sie alle verfolgten gespannt das Geschehen auf der Bühne: Aus Leben und Werk des Dichters Heinrich von Kleist erzählte die Theatergruppe Südlengern in einer gut dreistündigen Aufführung. Zwischendurch genossen die Gäste die Snack-Pause im weitläufigen Schlossgarten.

Montag, 03.06.2019, 07:00 Uhr
Karin Niewöhner als Mutter Marthe beklagt vor Veith (Bernd Link) den zerbrochenen Krug. Die Gesellschaftskritik, die Kleist hinter die Kulissen des Lustspiels verwebt hat, wurde von den Akteuren leidenschaftlich in Szene gesetzt. Foto: Gabriela Peschke

»Ich passe nicht unter die Menschen« – zu diesem traurigen Schluss kam Paul-Jürgen Zuleger als Heinrich von Kleist. Im feinen schwarzen Anzug mit Zylinder verkörperte der Schauspieler aus der Theatergruppe Südlengern den adligen Dichter, der sich mit Mitte 30 auf spektakuläre Weise das Leben genommen hatte.  

Die Suche Kleists nach dem Lebenssinn

Der junge Kleist, so erfuhr das Publikum, habe sich in den Wissenschaften verloren, auf ausgedehnten Reisen den Lebenssinn nicht finden können und sich nach mancherlei gescheiterter Unternehmung für den Freitod entschieden: »Was immer ich anfasste, misslang grandios«, zitierte Paul-Jürgen Zuleger.

Die Motive dafür, vor allem aber die Enttäuschung über die Menschen und ihre moralische Unvollkommenheit hatten die Schauspieler aus Schriften des Dichters zusammengetragen. In der Dramaturgie von Willi Fleddermann und unter der Regie von Christel Mester hatte das Ensemble diese Eindrücke zu szenischen Sequenzen verdichtet, die den Zuschauer mitnahmen in das kurze, schaffensreiche Leben des Heinrich von Kleist.

Dabei gaben auch Dietlind Zuleger als seine Schwester Ulrike von Kleist und Sabine Detzmeier als mütterliche Freundin Marie in einem Zwiegespräch den Blick auf ihn frei: »Ein vortrefflicher Mensch, aber der Umgang mit den Freigeistern hat seinen Untergang bereitet«, ließ Detzmeier als Hofdame von Kleist in historischem Gewand verlauten. Begleitet wurden die szenischen Sequenzen von Bildeinspielungen aus dem Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder.

Als »Duo Musica« begleiteten Andrea Bökenheide auf der Querflöte und Andreas Hölscher mit der Gitarre die Abschnitte einfühlsam mal mit freudigen, mal mit wehmütigen Klängen.

Jesidische Gemeinde stellt Räume zur Verfügung

Die Idee zu einer solchen Aufführung sei von dritter Seite an die Theatergruppe herangetragen worden und »nach manchem Hin und Her« in diesem Sommer schließlich zur Aufführung gelangt, wie Christel Mester berichtete. Die hauptberufliche Erzieherin spielt seit Jahren in dem Ensemble und hatte die Regie für den Kleist-Abend übernommen. »Wir haben uns sehr gefreut, dass Herr Haci Celik von der jesidischen Gemeinde uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnte«, sagte sie.

Der weitläufige Schlossgarten der Ulenburg bot zudem in der Pause eine stilvolle Kulisse für die literarische Sommer-Soirée.

Die Rolle der Frau im Wandel thematisiert

Im zweiten Teil des Abends gelangten dann einige Szenen aus Kleists »Der zerbrochene Krug« zur Aufführung. Die Gesellschaftskritik, die Kleist hinter die Kulissen des Lustspiels verwebt hat, wurde von den Akteuren leidenschaftlich in Szene gesetzt. Die rasende Mutter Marthe (Karin Niewöhner) und der durchtriebene Dorfrichter Adam (Manfred Walter) waren nur zwei der hervorragenden Laienschauspieler auf der kleinen Bühne, die vom Publikum mit begeisterten Applaus gefeiert wurden.

Der Kleist-Abend schloss mit einer fiktiven Begegnung zwischen der Jungfer Eve aus dem Lustspiel (Anna-Lena Brand) und einer »modernen Frau von heute (Daniela Meier). Sie thematisierte besonders den Wandel in der Rolle der Frau.

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