Obdachloser verbarrikadiert sich in Löhne aus Not mit Waffen in einem leer stehenden Gebäude
Mildes Urteil für Hausbesetzer

Löhne (WB/wa). Der Mann hatte ein Haus besetzt und sich darin mit Hämmern, Äxten und einer Wurfschleuder verbarrikadiert. Dennoch erkannte das Amtsgericht in Bad Oeynhausen eine Notsituation und verhängte gegen den 41-Jährigen ein mildes Urteil.

Mittwoch, 08.05.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 14:30 Uhr
Das Amtsgericht Bad Oeynhausen hat einen obdachlosen Hausbesetzer (41) verurteilt und eine milde Strafe ausgeprochen. Foto: Heike Pabst

Der Beschuldigte hatte auch die Zufahrt zum Anwesen am Unteren Hellweg 23 mit einer Kutsche verbarrikadiert und diese mit einem Fahrradschloss gesichert, wie ein als Zeuge geladener Polizist vor Gericht aussagte.

Den Mann selbst habe man während des Einsatzes nicht angetroffen. Befremdlich sei jedoch nicht nur eine an einer Hauswand aufgesprühte Warnung gewesen. »An allen strategischen Punkten waren Beile und Messer deponiert«, sagte der Beamte, »das fand ich sehr bedenklich.«

Stadt Löhne ordnet Polizeieinsatz an

Zwei Polizisten hätten das Anwesen von außen gesichert, zwei weitere innen die Räume durchsucht. Im Haus sei »alles verbarrikadiert gewesen, was man nur verbarrikadieren kann«. Zudem habe der Beschuldigte das Anwesen wieder an das örtliche Stromnetz angeschlossen und sich damit selbst in Gefahr gebracht. Im Haus seien hochwertige Gegenstände wie ein Tätowier-Set oder eine Spiegelreflexkamera gefunden worden, »die Sachen wurden alle gesichert«.

Den Polizeieinsatz hatte die Stadt Löhne angeordnet, wie das Gericht unter Vorsitz von Amtsrichter Dr. David Cornelius feststellte. Die Kommune hatte das Anwesen gekauft, das Gebäude sollte abgerissen werden.

»Ich sollte schauen, dass Strom und Heizung abgestellt wird«, erklärte ein städtischer Mitarbeiter. Dabei habe er den Beschuldigten zufällig getroffen. »Er hatte dort eine Disko aufgebaut.«

Waffen gegen mögliche jugendliche Einbrecher

Doch der Mann sei zugänglich gewesen. Er habe erklärt, seine Wohnung verloren und in seiner Not im Haus Zuflucht gefunden zu haben. »Ich erklärte ihm, dass er bis zum Wochenende das Gelände räumen muss«, sagte der Mitarbeiter der Stadt Löhne. »Ich hatte den Eindruck, dass er es akzeptiert. Zweieinhalb Wochen später war er aber wieder da.« Dabei habe der Mann das Haus erneut an die Stromleitung angeschlossen.

Die Aussagen des Polizisten und des städtischen Mitarbeiters deckten sich »ziemlich genau« mit seinen Angaben, sagte der von Beginn an geständige Mann. Durch Trennung von seiner Frau sei er obdachlos geworden. Zudem könne er aufgrund einer Erkrankung keinen Beruf mehr ausüben und ertrage seine Situation nur mit Alkohol. Derzeit sei er bei der Diakonie untergebracht.

Die Warnung »Noch ein Einbruch, dann seid Ihr dran«, habe sich gegen herumstreunende Teenager gerichtet, beteuerte der Beschuldigte. »Ich dachte, da waren jugendliche Einbrecher.« Mit den Waffen habe er sich nur gegen sie absichern wollen.

Polizist bietet Hilfe an

Er glaube ihm, dass er »aus einer Notsituation heraus gehandelt hat«, sagte der Staatsanwalt. Aber dass er Messer, Beile und Schleudern deponiert habe, sei »nicht mit normalem Hausfriedensbruch zu ahnden«. Seinem Plädoyer folgte auch Dr. David Cornelius und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 600 Euro, die der Mann durch gemeinnützige Arbeit ableisten kann.

Versöhnlich zeigte sich auch der als Zeuge geladene Polizist. Er widersprach dem Beschuldigten, dass sämtliche Gegenstände entsorgt worden seien. »Das können wir klären«, sagt er. »Sie müssen sich nur an die Polizei in Löhne wenden.«

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