Arzt stellt Ergebnisse im Verfahren vor dem Landgericht Bielefeld vor
Gutachten im Spatenstiel-Prozess

Löhne (WB/ret). Um im Spatenstiel-Prozess die Schuldfähigkeit dreier mutmaßlicher Mittäter beurteilen zu können, hat ein Arzt ein entsprechendes Gutachten erstellt. Seine Ergebnisse stellte er am Dienstag der Zehnten Strafkammer des Bielefelder Landgerichtes vor.

Mittwoch, 08.05.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 12:44 Uhr
Ein Gutachten ist im Spatenstiel-Prozess vor dem Landgericht Bielefeld vorgestellt worden. Foto: Renée Trippler/Archiv

Dort wird, wie mehrfach berichtet, ein Strafverfahren gegen drei Männer verhandelt, die am Vatertag im Mai 2015 an einer Auseinandersetzung am Löhner Bahnhof beteiligt gewesen sein sollen. In deren Folge war ein 49-jähriger Mann verstorben.

Der bereits inhaftierte Haupttäter hatte den Familienvater mit einem Spatenstiel geschlagen und den Ermittlungen zufolge so schwere Kopfverletzungen verursacht, dass der 49-Jährige kurz darauf verstorben war. Den drei jetzt angeklagten mutmaßlichen Mittätern wird vorgeworfen, auf das Opfer eingetreten zu haben, als es bereits am Boden gelegen hatte. Die Frage ist, inwieweit sie dadurch zu den tödlichen Verletzungen beigetragen haben könnten.

Angeklagten sollen noch steuerungsfähig gewesen sein

Wie aus Berichten erster Vernehmungen sowohl der Angeklagten als auch von Zeugen kurz nach der Tat hervorgeht, waren die Männer zum Tatzeitpunkt betrunken gewesen. Bei einer Messung vor Ort war bei den Beteiligten ein Alkoholgehalt von etwa zwei Promille im Blut gemessen worden.

Das psychiatrische Gutachten hatte Dr. Christoph Veerkamp erstellt. Er sagte, es sei schwierig, sich festzulegen, ob die Einschränkung der sogenannten »Steuerungsfähigkeit und der Einsichtsfähigkeit« erheblich war. Dies könnte die Schuldfähigkeit beeinflussen. »Daher stützt sich das Gutachten auf die Aktenlage«, sagte der Arzt.

Dafür, dass die Angeklagten noch steuerungsfähig und Herr ihrer Sinne gewesen seien, spreche vor allem, dass sie allesamt in der Lage waren, rational zu handeln, sagte er. Einer der Männer habe zweimal einen Notruf abgesetzt und dabei auch einen Rettungswagen angefordert, ein anderer »war trotz der Alkoholisierung in der Lage, adäquate Erste Hilfe zu leisten«.

Mittäter habe deeskalierend gewirkt

Der dritte Angeklagte habe Zeugenaussagen zufolge bereits zu Beginn der Auseinandersetzung deeskalierend gewirkt und versucht, seine Freunde von dem späteren Opfer abzuhalten. Für eine aufgehobene Steuerungsfähigkeit seien daher keine Anhaltspunkte zu finden. Auch eine Einsichtsunfähigkeit schließe er aus, sagte der Gutachter. D

ennoch sei kurz nach dem Vorfall eine starke Alkoholisierung festgestellt worden, weshalb er auf die Frage nach der Einschränkung zum Tatzeitpunkt keine eindeutige Antwort geben könne: »Eine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.«

Aufgrund der Ergebnisse und der Tatsache, dass keiner der Angeklagten vorbestraft sei, halte er »die Vorgaben zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus für nicht erfüllt«, sagte der Gutachter. Da alle berufstätig und somit leistungsfähig seien, gebe es auch keine Anzeichen für eine Abhängigkeit. Die Verhandlung wird am Montag, 20. Mai, fortgesetzt.

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