Anklage gegen Zwillinge aus Löhne: Zeuge sagt vor Jugendschöffengericht Herford aus
Neunjähriger äußert sich zur Tat

Löhne (WB). »Das ist eine Mutprobe, traust Du Dich?« Mit diesen Worten soll einer der beiden Zwillinge (20) aus Löhne 2017 einen heute neun Jahre alten Jungen auf den Schulhof der Grundschule Melbergen gelockt und später sexuell genötigt haben. Der Junge sagte vor dem Amtsgericht in Herford aus.

Dienstag, 07.05.2019, 10:47 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 10:50 Uhr
Ein Zwillingspaar aus Löhne muss sich für mindestens 20 vorgeworfene Taten verantworten. Die Verhandlung findet vor dem Jugendschöffengericht in Herford statt. Am Donnerstag, 9. Mai 2019, soll es ein Urteil geben. Foto: Rajkumar Mukherjee

Die Befragung durch die vorsitzende Richterin Dr. Tanja Schwöppe-Funk erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wie berichtet, müssen sich die Löhner Zwillinge seit Donnerstag vor dem Jugendschöffengericht in Herford verantworten . Ihnen werden mindestens 20 unterschiedliche Taten, darunter auch Einbruch, Auto- und Fahrraddiebstahl, EC-Karten-Missbrauch oder der Handel mit Ecstasy-Pillen, vorgeworfen.

Die Verhandlung findet vor dem Jugendschöffengericht in Herford statt. An diesem Donnerstag soll es ein Urteil geben.

Die Verhandlung findet vor dem Jugendschöffengericht in Herford statt. An diesem Donnerstag soll es ein Urteil geben. Foto: Rajkumar Mukherjee

»Der Junge hat den Sachverhalt bestätigt«, sagte Tanja Schwöppe-Funk nach der Befragung. Im Raum steht für die mögliche Tat eine Verurteilung nach Paragraf 176 des Strafgesetzbuches, sexueller Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren: In dem zur Last gelegten Fall geht es möglicherweise um sexuelle Handlungen vor einem Kind beziehungsweise um eine Aufforderung an ein Kind, selbst sexuelle Handlungen vorzunehmen. Generell werden Taten nach Paragraf 176 mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft; im genannten Fall zwischen drei Monaten und bis zu fünf Jahren.

Als »Max« ausgegeben

Am 23. Juni 2017 soll sich einer der Zwillinge laut Anklage als »Max« ausgegeben haben und mit dem damals siebenjährigen Jungen gegen 16 Uhr auf den Schulhof gegangen sein. Zunächst hätten sie sich bei den Fahrradständern versteckt. Irgendwann sollen sie auf das Flachdach der Grundschule gegangen sein, hatte Staatsanwältin Sabrina Bock bei Prozessbeginn ausgeführt. Dort soll der Angeklagte seine Hose heruntergelassen und dem Jungen seine Geschlechtsteile gezeigt haben. Wenig später soll der Angeklagte seine Hose ein zweites Mal heruntergezogen haben, mit der Frage: »Kannst Du Deine Pelle zurückmachen?«, hatte Sabrina Bock aus der Anklage vorgelesen. Dafür soll der Zwilling dem Jungen ein Hoverboard versprochen haben.

Behutsam bereitete Tanja Schwöppe-Funk den Jungen auf seine Zeugenaussage vor und begrüßte ihn und seine Familie vor dem Gerichtssaal: »Sollen wir einmal zusammen reingehen? Dann lernst Du den Saal kennen.«

Begleitet wurde der Junge auch von seiner Mutter. Im August 2017 hatte sie dem WESTFALEN-BLATT von dem Vorfall berichtet. Am 23. Juni 2017 hatte sie ihren Sohn zunächst vermisst. Dann sagte er »mir, dass er sich ausziehen musste«, hatte die Mutter 2017 dieser Zeitung berichtet. Die Familie hatte Anzeige bei der Polizei gestellt.

Angeklagte haben Post erhalten

Zuvor hatten die Zwillinge in einer Einlassung eingeräumt, doch von einem Betretungsverbot der Stadt für den Schulhof sowie für ein privates Grundstück in der Nähe gewusst zu haben. Am ersten Verhandlungstag hatten sie ausgesagt, Post grundsätzlich nicht zu lesen – beziehungsweise im konkreten Fall nicht von der damaligen Pflegemutter informiert worden zu sein. Diese war für zunächst als Zeugin geladen worden.

Unterdessen gab es eine Teileinstellung nach Paragraf 154a der Strafprozessordnung bezüglich eines weiteren Tatvorwurfs: Am 19. Dezember 2016 soll einer der Zwillinge eine Mutter gegen 20.30 Uhr an der Möllerfeldstraße mit ihrem neugeborenen Kind nicht nur beleidigt, sondern auch verbal bedroht haben. »Meine Lebensgefährtin musste ins Krankenhaus und hat sich später nicht auf die Straße getraut«, sagte ein Zeuge. Die Bedrohung ließ sich aber nicht nachweisen.

Mit einem Urteil rechnet Tanja Schwöppe-Funk für Donnerstag, 9. Mai 2019. Dann werden sich auch Zeugen zum Vorwurf des Drogenhandels sowie der Gutachter äußern.

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