Wolfhard Jording (66) aus Löhne und seine Buche Ein ostwestfälischer Sturkopp

Löhne (WB). Die Buche im Garten von Wolfhard Jording (66) in Löhne wirkt, als wäre sie im Herbst stecken geblieben. Während die Pflanzenwelt rundherum im satten Frühlingsgrün strahlt und die Osterglocken für bunte Tupfer sorgen, hängt die Buche voller trockener, brauner Blätter.

Von Jan Gruhn
Wolfhard Jording neben seiner braunblättrigen Buche. Der Restgarten kommt schon frühlingshaft daher.
Wolfhard Jording neben seiner braunblättrigen Buche. Der Restgarten kommt schon frühlingshaft daher. Foto: Jan Gruhn

»Vielleicht ist sie einer dieser ostwestfälischen Sturköppe«, sagt Jording. Auch er ist dem Aufruf des BUND im Kreis Herford gefolgt, er hat seine ganz persönliche Baumgeschichte aufgeschrieben.

Wasser? Daran liegt’s nicht

Dass der Baum länger als seine Umgebung im Winterschlaf weilt, ist Jording zum ersten Mal im Winter 2013/14 aufgefallen. Weil es viel zu warm gewesen sei, habe die Vegetation im Garten vier Wochen früher als üblich eingesetzt. Nur der Baum blieb stur in seinem braunen Kleid. Auch tausende von Litern Wasser, die Jording aus seinem Erdtank an die Wurzeln des Baumes pumpte, ließen den knorrigen Gartenbewohner kalt. »Für ihn beginnt der Frühling wie jedes Jahr erst im April und nicht im Januar. Basta!«, analysiert Jording die Gefühlslage des Baumes. So seien sie eben, die Ostwestfalen.

Fast hätte die Buche ein Schattendasein führen muss. Sein Vater habe sie versteckt in einer Ecke des Gartens gepflanzt, neben einer Lebensbaumhecke, erklärt Jording. Etwa zur Jahrtausendwende müsse das gewesen sein. »Zusammen mit meinem Schwager habe ich die Buche dann 2004 ausgegraben und in die Mitte des Gartens gesetzt«, sagt Jording. »Ein Platz, der ihr gebührt.« Die Lebensbaumhecke ist mittlerweile Geschichte. »Die roch mir immer zu sehr nach Friedhof«, erklärt Jording.

Nicht zu hoch

Heute ist die Buche der Mittelpunkt des Gartens – mit einer vollen und liebevoll geformten Krone. »Ich muss den Baum immer ein bisschen stutzen«, sagt der Rentner, der eigenen Angaben zufolge früher bei Miele in Gütersloh als Ingenieur in der Entwicklung gearbeitet hat. »Sonst bekommt meine Photovoltaikanlage kein Licht mehr.« Das Wachstum in die Breite gönnt er dem Baum allerdings. »Der findet bei uns Menschen ja auch statt«, schreibt Jording in seiner Baumgeschichte.

Baumgeschichten

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Kreis Herford wirbt derzeit mit einer ungewöhnlichen Suchaktion für mehr Respekt vor Bäumen: Der Kreisverband sammelt Geschichten aus ganz Ostwestfalen-Lippe, in denen es um Menschen und ihre persönliche Beziehung zu einem Baum geht. Später soll daraus ein Buch werden.

Noch weilt die Buche in ihrem brauen Kleid. Aber wenn der Zeitpunkt gekommen ist, das weiß Baum-Papa Jording, dann geht’s ruckzuck. Quasi über Nacht hängt die Buche voller saftiger, grüner Blätter. »Ich mag den Baum, er hat Charakter«, meint Jording. Deshalb will er ihm vielleicht in diesem Jahr einen halben Meter mehr Höhe zugestehen.

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