»Spatenstiel-Prozess«: Aussage einer Anwohnerin könnte Angeklagten belasten
Zeugin erinnert sich an Tritte

Löhne/Bielefeld (WB). Nachdem in der vierten Verhandlung der »Spatenstiel-Prozesse« am Dienstag einige Zeugen keine genauen Angaben mehr machen konnten, könnte eine Aussage vom Mittwoch einen mutmaßlichen Mittäter belasten. Die Zeugin will gesehen haben, wie er auf einen Mann eingetreten hat, der infolge einer Schlägerei am Löhner Bahnhof im Mai 2015 verstorben war.

Donnerstag, 04.04.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 08:06 Uhr
Kurz nach der Auseinandersetzung am Löhner Bahnhof im Mai 2015, bei der Harun Aydurmus (49) so schwer verletzt wurde, dass er kurz darauf starb, waren vor dem Bahnhofsgebäude im Gedenken an ihn Kerzen aufgestellt worden. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

An Christi Himmelfahrt vor vier Jahren war es am Löhner Bahnhof zu der Auseinandersetzung zwischen einem Löhner Familienvater und einer Gruppe junger Männer gekommen. Infolge eines Streits hatte der 49-jährige Harun Aydurmus einen Spatenstiel aus seinem Wagen genommen, der ihm im Gerangel entrissen wurde. Der 49-Jährige wurde im Verlauf der Auseinandersetzung mit dem Spatenstiel geschlagen und war zudem gestürzt. Er verstarb kurz nach der Tat an den Folgen eines Schädelhirn-Traumas.

Gegen mutmaßliche Mittäter wird verhandelt

Der bereits verurteilte Haupttäter sitzt derzeit seine vierjährige Haftstrafe ab. Derweil wird am Bielefelder Landgericht das Strafverfahren gegen drei mutmaßliche Mittäter verhandelt. Zeugenaussagen, die kurz nach dem Vorfall aufgenommen wurden, zufolge, sollen Begleiter des Haupttäters auf das am Boden liegende Opfer eingetreten haben. Weil der Vorfall so lange zurückliegt, konnten in der Verhandlung am vergangenen Dienstag einige Zeugen ihre damaligen Aussagen weder sicher bestätigen, noch widerlegen.

Auch eine 20-jährige Schülerin aus Löhne, die zur Tatzeit mit ihren Freunden am Bahnhof gewesen war, wollte sich am Mittwoch nicht festgelegen, ob außer dem Verurteilten noch jemand Gewalt gegen den verstorbenen Harun Aydurmus angewendet hatte.

Anwohnerin beobachtet aggressives Zutreten

Sehr genau erinnerte sich dagegen eine 50-Jährige, die gegenüber des Bahnhofs wohnt. Sie hatte mit ihrem Lebensgefährten im Hausflur gestanden, als sie draußen Geschrei hörte. Als sie dieses als zunehmend aggressiv empfunden habe, habe sie ihren Freund gebeten, die Tür zu öffnen, und gesehen, wie zwei Männer in der Ausfahrt vor dem Bahnhof auf »etwas eintraten, das am Boden lag«. Erst als sie daraufhin losgelaufen sei, habe sie beim Näherkommen gesehen, dass es sich um einen Menschen handelte.

Vorher hatte sie dies wegen der Hecke entlang der Ausfahrt nicht sehen können, hinter der das Opfer lag. Sie habe aber »definitiv gesehen, wie jemand aggressiv und kräftig von oben nach unten getreten« habe. Eine zweite Person habe von der Seite wie auf einen Fußball auf die am Boden liegende Person getreten.

Auch an die Kleidung und Statur der beiden Täter will sie sich sehr gut erinnern: Der eine Mann soll dunkelhaarig und groß gewesen sein und eine schwarze Lederjacke getragen haben, der andere klein, kurzhaarig und mit einem dunklen Kapuzenpulli bekleidet. Die Beschreibungen passten zu Bildern, die die Polizei vom verurteilten Haupttäter und einem der Angeklagten erstellt hat. Ihre Aussage stimmte mit ihrer Vernehmung kurz nach der Tat überein.

Weiterer Zeuge ist nicht aufzufinden

Ein weiterer Zeuge, der am Dienstag bereits unentschuldigt gefehlt hatte und deshalb vorgeführt werden sollte, war nicht anwesend. Wie der Vorsitzende Richter Meiring zu Verhandlungsbeginn sagte, habe ihn die Kreispolizei Gütersloh darüber informiert, dass der Beamte den Mann an seiner Meldeadresse nicht angetroffen habe. Nachbarn zufolge sei er bereits vor Wochen woanders hingezogen. Der Vorsitzende Richter sagte, er werde weiter versuchen, Kontakt aufzunehmen und ihn zum nächsten Termin vorführen lassen. Die Verhandlung wird am Dienstag, 9. April, fortgesetzt.

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